#aktivinsh : Tipps vom Nabu: Whale Watching für Einsteiger

„Der Kleine Tümmler ist zwar mit dem Delfin verwandt, aber weniger verspielt und kontaktfreudig. Daher stiehlt ihm der Delfin oft die Show.“

„Der Kleine Tümmler ist zwar mit dem Delfin verwandt, aber weniger verspielt und kontaktfreudig. Daher stiehlt ihm der Delfin oft die Show.“

Die höchste Dichte an Sichtungen von Ostseeschweinswalen gibt es in der Flensburger Förde. Um die Schweinswale zu schützen, will der Nabu den Kontakt zwischen Mensch und Tier herstellen.

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25. September 2017, 07:27 Uhr

Dagmar Struß, Leiterin der Landesstelle Schweinswalschutz des Nabu, ist es eine Herzensangelegenheit, die bedrohten Schweinswale in der Ostsee zu schützen. Dafür braucht es Berührungspunkte zwischen Mensch und Tier, denn „nur wenn wir etwas kennen, haben wir die Motivation, es zu schützen“, so Dagmar Struß. Ein erster Schritt in diese Richtung sind vom Nabu eingerichtete ‚Whale Watching‘-Spots entlang der Flensburger Förde.

Der größte Schatz der Ostsee hat eine flache Schnauze und wird bis zu 1,70m lang

Im Gegensatz zu den Großen Tümmlern, den Delfinen, weisen die Kleinen Tümmler einen eher rundlichen Kopf und eine flache Schnauze auf. Auch ihr Bekanntheitsgrad unterscheidet sie von den Delfinen. Während Selfie, Delfie, Freddy & Co. auf der Suche nach Aufmerksamkeit fotofreundlich im Wasser herumtollen, ist bei den Schweinswalen häufig nur die Rückenflosse zu sehen, die in einer rollenden Abwärtsbewegung ins Wasser gleitet. Keine großen Sprünge also – vielleicht ist diese Zurückhaltung auch der Grund dafür, dass viele Menschen die tierischen Ostseebewohner gar nicht kennen. Das soll sich jetzt ändern: Auf einem Wanderpfad, der von Sonderburg in Dänemark bis nach Kappeln reicht, sind die besten ‚Whale-Watching-Spots‘ mittels vom Naturschutzbund (Nabu) aufgestellten Schildern markiert. Eine Kombination aus Umweltschutz und Tourismus, um die Menschen überhaupt erst auf die Kleinen Tümmler aufmerksam zu machen.

Der Fördesteig führt als Verlängerung des dänischen Gendarmenpfads an der Förde entlang bis nach Kappeln. Für Spaziergänger und Wanderer sind an Aussichtspunkten mit guten „Whale Watching“-Chancen Hinweistafeln angebracht.
www.foerdesteig.de

Der Fördesteig führt als Verlängerung des dänischen Gendarmenpfads an der Förde entlang bis nach Kappeln. Für Spaziergänger und Wanderer sind an Aussichtspunkten mit guten „Whale Watching“-Chancen Hinweistafeln angebracht.

 

„Nur wenn die Menschen wissen, dass es in der Ostsee Wale gibt, können sie auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie diese Tiere schützen möchten. Hier und vor Ort, nicht etwa in Japan oder Südafrika, sondern hier in Schleswig-Holstein, in ihrem eigenen Land“, so Dagmar Struß.

Seit 1975 stehen die Tiere im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens unter Schutz. Stellnetze, Schiffslärm, Überfischung, Klimawandel und Umweltschadstoffe stellen jedoch noch immer große Gefahren für die empfindlichen Schweinswale dar. Einige Tausend Tiere sollen heute in der Ostsee leben, rund 20 davon in der Flensburger Förde. Der Nabu fordert Meeresschutzgebiete, um den abnehmenden Bestand der Ostseeschweinswale zu schützen – für die zentrale und östliche Ostsee fast schon zu spät, denn hier leben nur noch wenige Hundert Tiere.

 ‚Whale Watching‘ auf dem Fördesteig

Dagmar Struß ist es daher ein Anliegen, nicht nur für die Probleme zu sensibilisieren, sondern auch Sympathien für die Kleinen Tümmler zu schaffen. Dafür ist der der ‚Fördesteig‘ wie geschaffen: Der Wanderweg von Wassersleben bis nach Kappeln wurde ins Leben gerufen, um für die einzigartige Natur an der Flensburger Förde zu werben. Die Route ist die Verlängerung des 74 Kilometer langen Gendarmenpfads auf dänischer Seite, der von Sonderburg bis an die deutsche Grenze führt.

Das deutsche Pendant setzt an der Schusterkate bei Wassersleben an. Der mittlerweile 95 Kilometer lange Weg wurde in Zusammenarbeit der Nabu-Stellen Ostangeln und Flensburg nach einer Idee von Hans Ludwig Knöll-Fuglsang entwickelt und verbindet eine abwechslungsreiche Wanderung mit guten ‚Whale Watching‘-Chancen. Immer an den Küsten entlang, geht es rund um die Geltinger Birk und (weiter als ‚Ostseesteig‘ und ‚Schleisteig‘) über das Naturschutzgebiet Schleimünde bis nach Kappeln. Die gut ausgeschilderte Route kommt ohne größere Straßen aus und besteht zumeist aus Fuß- und Radwegen. Rund 15 vom Nabu in Zusammenarbeit mit Hans Ludwig Knöll-Fuglsang aufgestellte Schilder markieren die Stellen auf der Route, an denen besonders gute Chancen auf eine Walsichtung bestehen – so ist erfolgreiches ‚Whale Watching‘ in den Sommermonaten (fast) garantiert. Ein Wanderführer informiert dazu weitergehend über die Naturwelt der einmaligen Region. Gefördert wird das Projekt von der Bingo Umweltlotterie.

Dagmar Struß kämpft für den Erhalt der Schweinswale in der Ostsee.
Nabu Schleswig-Holstein

Dagmar Struß kämpft für den Erhalt der Schweinswale in der Ostsee.

 

Tipps für ‚Whale Watching‘ vom Land und vom Wasser aus:

  • Die größten Chancen zum ‚Whale Watching‘ ergeben sich an der Flensburger Förde. Nirgends in der Ostsee werden öfter Schweinswale gesichtet als hier. Dagmar Struß ist positiv, dass es zur richtigen Jahreszeit, zwischen den Monaten Mai und September, gute bis sehr gute Chancen auf eine Walsichtung gibt. Besonders in den Sommermonaten tummeln sich vermehrt Mütter mit ihren Kälbern in der Nähe der Küsten. Sichtungsmeldungen gebe es aber das ganze Jahr über. So oder so müsse man genau hinsehen, denn die Kleinen Tümmler sind weniger neugierig als Delfine und erregen somit weniger Aufmerksamkeit.
     
  • Schweinswale machen keine großen Sprünge im Wasser. Wenn man aber lange genug auf das ruhige Wasser schaut, hat man gute Chancen, die dreieckige Rückenflosse zu entdecken.
     
  • Nach dem Auftauchen der Finne sollte man 15 Sekunden lang den Blick in die Schwimmrichtung des Tieres halten. In den meisten Fällen taucht der Schweinswal dann erneut auf.
     
  • Die besten Chancen zum ‚Whale Watching‘ bestehen aber vom Wasser aus. Die hübschen Meeresbewohner sind dafür bekannt, Schiffe zu begleiten – kein Problem, wenn nur die Segel gesetzt sind, sagt Dagmar Struß. Problematischer werde es, wenn beispielsweise ein Speedboot zu nah und zu schnell an die empfindlichen Lebewesen heranfährt.
     

„Die rotierende Schiffsschraube schafft eine Gasblase, die unter Wasser implodiert und so das Gehör der Schweinswale beeinträchtigt. Die Tiere werden dann für kurze Zeit orientierungslos und übersehen unter Umständen weitere herannahende Schiffe.“

Wie bei anderen Wildtieren auch gelte bei den Schweinswalen vor allem eines: Abstand halten. Es spreche aber nichts dagegen, mit nur langsam laufendem Motor dem geschmeidigen Auf-und Abtauchen der Rückenflosse in Ruhe zuzuschauen und Bilder zu machen. Vor allem wenn die KleinenTümmler ein Boot über längere Strecken begleiten, sei dies ein wunderbares Ereignis, das lange in Erinnerung bleibt.

‚Whale Watching‘-Touren auf der Flensburger Förde

Wer kein eigenes Segelboot besitzt, hat die Möglichkeit mit dem Nabu zur ‚Whale Watching‘-Tour aufbrechen und die Meeressäuger so ganz entspannt in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. In Kooperation mit dem Flensburger Fährbetrieb fährt die Flora II an bestimmten Daten im Jahr auf die Förde hinaus, um Erkundungstouren durchzuführen. Keine schlechte Quote: Zuletzt wurden auf sieben von acht Fahrten Schweinswale gesichtet. Aber auch, wenn die schützenswerten Tiere nicht auftauchen, lohnt sich die Fahrt vom Flensburger Hafen aus, findet Dagmar Struß. Bei den zweistündigen Touren in den Abendstunden werden interessante Informationen zur Ostsee und ihren Schätzen vermittelt.

Auch vor Sylts Stränden stehen die Chancen gut, die dreieckige Rückenflosse der geschmeidigen Tiere zu entdecken. So ein außergewöhnlicher Moment bleibt nicht nur Kindern lange in Erinnerung.
Bente Schwarzer

Auch vor Sylts Stränden stehen die Chancen gut, die dreieckige Rückenflosse der geschmeidigen Tiere zu entdecken. So ein außergewöhnlicher Moment bleibt nicht nur Kindern lange in Erinnerung.

Schweinswale in der Nordsee

Neben der Ostsee sind die Kleinen Tümmler auch die am häufigsten in der Nordsee auftretende Walart. Wer das Glück hat, Schweinswale in der Nordsee zu sichten, blickt hier allerdings auf eine andere Population als in der Ostsee. Auch wenn die Tiere äußerlich keinerlei Unterschiede zeigen, stammen sie doch aus unterschiedlichen genetischen Familien. Auch an den Stränden der Nordsee, wie etwa auf Sylt, lohnt es sich also, den Blick gen Meer zu richten – und mit etwas Glück die dreieckig geformte Rückenflosse zu entdecken.

Ganz gleich ob Ostsee oder Nordsee - Dagmar Struß fasst das Phänomen Schweinswal zusammen: „Es ist ein Geschenk, solche Tiere vor der eigenen Haustür zu haben und ein Glücksgefühl, selbst einmal eine Rückenfinne beim Spazierengehen oder Bootfahren zu entdecken. Nicht nur in diesen Momenten sollten wir uns darüber bewusst sein, dass wir diese Schätze der Ostsee auf jeden Fall schützen müssen.“

Weitere Informationen:

Wer einen Schweinswal gesehen hat, wird gebeten, Anzahl der Tiere sowie Ort und Zeit der Sichtung an Dagmar Struß (dagmar.struss@nabu-sh.de) zu senden. Der Nabu führt eine Übersicht über die Tiere in der Flensburger Förde, die in die Sichtungskarte des Deutschen Meeresmuseum einfließt. Für ‚Whale Watching‘-Touren auf der Flora II im kommenden Frühjahr können sich Interessierte über Dagmar Struß (dagmar.struss@nabu-sh.de) auf die Benachrichtigungsliste setzen lassen.

Alle Informationen zum Wanderweg ‚Fördesteig‘ sind auf www.fördesteig.de zusammengefasst.

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