#aktivinsh : Poledance: Hochleistungssport an der Stange

<p>Die Verwendung einer Stange ermöglicht beim Tanzen besondere Figuren, die der Schwerkraft scheinbar widersprechen und mit ihrer nicht alltäglichen Wirkung den Betrachter staunen lassen.</p>

Die Verwendung einer Stange ermöglicht beim Tanzen besondere Figuren, die der Schwerkraft scheinbar widersprechen und mit ihrer nicht alltäglichen Wirkung den Betrachter staunen lassen.

Poledance hat sich längst von seinem anrüchigen Image befreit und bringt Frauen wie Männer in Drehung.

shz.de von
29. August 2018, 08:03 Uhr

„Denk an den spitzen Fuß!“ Steffi Meyer tippt Betty leicht auf die Wade. Sofort nimmt die Schülerin Haltung ein, obwohl ihre Beine gerade fest um eine Chromstange gewickelt sind und ihr ganzes Körpergewicht tragen müssen. Die Kielerin ist 53 Jahre alt. Ihre Bauchmuskeln sind deutlich zu sehen und ihr gut durchtrainierter Körper zeigt keine Spuren ihres Alters. Seit einem Jahr trainiert sie drei Mal die Woche im „Poledance-Kiel“ und ist topfit. „Was wir hier machen ist Hochleistungssport“, weiß Studioinhaberin Miriam Dankert. Die Akrobatik an der Stange ist Ganzkörpertraining auf hohem Niveau. Es geht in die Knochen und unter die Haut – und nebenbei stärkt es das Selbstwertgefühl.

<p>„Cross Knee Release“ oder  „Star Gazer“ sind Figuren aus dem Poledance – und sie wollen gut trainiert sein. </p>
Julia Voigt

„Cross Knee Release“ oder  „Star Gazer“ sind Figuren aus dem Poledance – und sie wollen gut trainiert sein.

Sport mit chinesischen Wurzeln

Denn leicht haben es die Akrobaten an der Stange nicht. Auch im Jahr 2018 wird Poledance immer noch gern in das Rotlicht-Milieu gepackt. „Es gibt Mitglieder, die ihrem Chef nicht sagen können, welchen Sport sie machen“, sagt Miriam Dankert. Dabei finden sich seine Wurzeln im Chinesischen Zirkus und es waren männliche Darsteller, die  den Tanz an der Stange  entwickelten. „Mach dich groß“, sagt die Trainerin zu den Frauen und Männern, die neu in ihren Kurs kommen „Poledance ist sexy und elegant, aber das ist noch lange  nicht billig.“ Schnell bekommen die Sportler ein dickes Fell – das benötigen sie ohnehin. „Gerade am Anfang kann das Training schweineweh tun“, lacht Betty, während sie grazil und geübt einen Überschlag – den Flip – hinlegt.

Hohe Konzentration und Körpergefühl

Dem Aufwärmen räumt die Trainerin viel Zeit ein. Bevor es an die Stange geht, müssen Sehnen und Muskeln vorbereitet sein. Eine kurze Elasthan-Hose und Sport-BH müssen reichen, denn die Haut ist der „Kleber“ an der Stange. Rasierschaum, Magnesium-Pulver und bestimmte Cremes unterstützen dabei. Angst vor Stürzen hat in der Gruppe niemand. „Wir bauen die Figuren langsam und spielerisch auf. Außerdem achten wir sehr aufeinander und helfen uns gegenseitig“, sagt Steffi Meyer. Kleine Erfolgserlebnisse stellen sich dennoch bald ein. Wichtig ist, dass man konzentriert ist. „Wenn du über Kopf hängst, solltest du schon wissen was dein Fuß macht“, so die Poledance-Trainerin.

<p>Poledance eignet sich für jeden, der mal eine etwas andere Sportart ausprobieren möchte. </p>
Julia Voigt

Poledance eignet sich für jeden, der mal eine etwas andere Sportart ausprobieren möchte.

 

Ein Mann unter Frauen

Im Kurs finden sich Mitglieder aller Alters- und Gewichtsklassen. Auch ist Poledance längst keine Frauen-Domäne mehr: Valentin Lazar ist 73 Jahre alt und  kommt aus dem Turnsport. Seine Frau Claudia (63) hat ihn ins Studio mitgenommen und der agile Rentner hat sofort Feuer gefangen. „Der Sport ist für mich perfekt“, sagt er, während Steffi Meyer ihm eine neue Figur zeigt. Auch der 22-jährige Raffael fühlt sich als Hahn im Korb und Mann an der Stange ganz offensichtlich wohl.

 
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