#aktivinsh : Mit dem Bierbauch nach Hawaii - ein Triathlet im Interview

<p>Für Hans-Peter Dannenberg ist der Sport auch Ausgleich zu langen, anstrengenden Arbeitstagen.</p>

Für Hans-Peter Dannenberg ist der Sport auch Ausgleich zu langen, anstrengenden Arbeitstagen.

Laufen hat er während seiner Schulzeit gehasst. Mittlerweile sind Ironman-Distanzen ein Klacks für ihn: Hans-Peter Dannenberg aus Rendsburg über den perfekten Trainingsraum und was ihn beim Sport antreibt.

shz.de von
04. August 2018, 04:04 Uhr

Sport konnte er lange Zeit nicht viel abgewinnen. Schwimmen hat er notgedrungen – weil es  seine Mutter wollte – gelernt. Der Wahl-Rendsburger sagt selbst von sich, dass er „mehr der Partymensch“ war. Schon früh prognostizierten ihm Ärzte erblich bedingten Bluthochdruck und zu hohe Cholesterin-Werte. Heute ist Hans-Peter Dannenberg 56 Jahre alt und hat längst Bierbauch gegen Waschbrett eingetauscht.

Ironman-Distanzen (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen) wie beim härtesten Triathlon der Welt auf Hawaii sind für ihn mittlerweile eher Trainingsrunden. Die Zahl seiner Finisher-Medaillen lässt sich kaum mehr beziffern. Der Vater zweier Kinder und Sozialarbeiter ist Athlet durch und durch. Heute coacht Hans-Peter Dannenberg andere Sportler, stellt Trainingscamps auf die Beine und betreibt einen Ernährungs-Shop. Wir haben ihn getroffen.

sh:z-Redaktion: Hans-Peter, wie bist du als ehemaliger Bewegungsmuffel zum Triathlonsport gekommen?

Ich habe während meiner Bundeswehrzeit 1985 einen Artikel über den Ironman auf Hawaii gelesen. Für mich war das unvorstellbar, dass man solche Strecken am Stück schaffen kann. Aber ich war total fasziniert und wollte das unbedingt selbst können. Meinen ersten Volks-Triathlon habe ich in der Nähe von Kiel gemacht. Ich kam damals als Letzter durchs Ziel und bin dann fix und fertig bei der Siegerehrung eingeschlafen. Aber ich war stolz wie Oscar und hab Blut geleckt – und dann intensiv trainiert.

Und das mit Erfolg. Wie ging es für Dich weiter?

1987 bin ich das erst Mal auf Hawaii gestartet, bis dato musste man sich noch nicht qualifizieren. Da waren mir Zeiten noch völlig Banane, ich wollte nur ankommen. Damals war auch noch nicht so ein Hype um den Wettkampf und man konnte den Pioniergeist deutlich spüren.

Wie war Dein Gefühl im Ziel?

Ich war unglaublich euphorisch und hatte kurz vor dem Ziel Tränen in den Augen. Das war schon sehr bewegend. Allerdings dachte ich gleich nachdem ich durch war: Und was kommt als Nächstes?

<p>Die Umgebung um Rendsburg herum ist für Hans-Peter Dannenberg besonders gut geeignet: Es gibt mehrere Strecken, die sich für das Intervalltraining anbieten – etwa die flachen Wirtschaftswege am Kanal.</p>
Julia Voigt

Die Umgebung um Rendsburg herum ist für Hans-Peter Dannenberg besonders gut geeignet: Es gibt mehrere Strecken, die sich für das Intervalltraining anbieten – etwa die flachen Wirtschaftswege am Kanal.

Und was kam als Nächstes?

Ich habe mich ein Jahr später in Roth qualifiziert und bekam wieder einen Startplatz auf Hawaii. Nach etwas mehr als zehn Stunden bin ich im Ziel angekommen, diesmal aber mit Blick auf die Uhr. Seither bin ich regelmäßig bei Wettkämpfen auf der ganzen Welt dabei. Ich brauche immer neue Herausforderungen. Fünf Mal hab ich beispielsweise den Double-Ultra-Ironman (7,6 km Schwimmen, 360 km Radfahren, 84,4 km Laufen) absolviert.

Du und Deine Familie leben in Rendsburg. Bietet die Umgebung denn gute Trainingsmöglichkeiten?

Schleswig-Holstein hat die perfekte Triathlon-Landschaft. Egal wo du wohnst, du bist schnell auf dem Land. Du hast flache wie bergige Strecken. In der Ost- oder Nordsee zu schwimmen ist ohnehin unschlagbar schön. Es ist nie zu heiß bei uns. Ich persönlich liebe es in den Hüttener Bergen oder durch die Region Angeln zu fahren. Mir gibt das Land ein Gefühl der Freiheit.

Zum Schluss: Was ist für Dich das Besondere am Triathlon? Und würdest Du sagen, dass es eine gesunde Sportart ist?

Ich liebe es in der Natur sein zu können und mich bewegen zu dürfen. In dieser Zeit kann ich Sorgen beiseite schieben und bin völlig bei mir. Wir leben häufig zu viel im Äußeren, beim Sport musst du dich mit dir selbst beschäftigen. Aber auch sich selbst an die Grenzen und darüber hinaus zu bringen, hilft den eigenen Selbstwert zu erkennen. In Maßen trainiert ist Triathlon absolut ein Gesundheitssport und egal wie alt man ist, es lohnt sich immer damit anzufangen.

 
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