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#aktivinsh : Kiten für Querschnittsgelähmte auf Föhr

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Trotz Handicap durchs Meer: Auf Föhr können Querschnittsgelähmte beim Rolli-Kiten Gas geben.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2016 | 06:00 Uhr

Föhr | Ob auf dem Board oder im Buggy – Es ist ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit, sich in rasanter Geschwindigkeit von einem Kiteschirm über den Strand oder übers Meer ziehen zu lassen. Umso mehr, wenn man im wirklichen Leben im Rollstuhl sitzt und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Doch auf der Insel Föhr können auch Menschen mit Querschnittlähmung kiten und den Geschwindigkeitsrausch mit speziell für sie konstruierten Sportgeräten erleben. Die Surfschule im Inseldorf Nieblum macht es möglich, ist nach eigenen Angaben bundesweit die einzige, die das Rolli-Kiten im Programm hat.

<p>Kein bisschen lahm: Mit einem Affenzahn düst der Rolli-Kiter durchs Watt.</p>

Kein bisschen lahm: Mit einem Affenzahn düst der Rolli-Kiter durchs Watt.

Foto: Christel Leipersberger-Nielsen

Angefangen hat es vor 14 Jahren mit Nik. Nicolas Lanquetin hatte 2001 in Nieblum als Surflehrer gearbeitet, wollte im Jahr darauf wiederkommen, doch dann verunglückte er mit dem Snowboard und landete im Rollstuhl. Mit der Querschnittlähmung konnte der Innsbrucker sich abfinden, aber nie mehr Surfen? Das wollte Nik genauso wenig akzeptieren wie seine Nieblumer Kumpels Dirk Hückstädt und Björn Hansen. Gemeinsam überlegten und tüftelten sie an einem Kite-Buggy für ihren Freund und Nicolas Lanquetin musste immer wieder als Versuchskaninchen herhalten, bis es endlich funktionierte. „Er war unser Dummy, wurde gefesselt, geknebelt, fiel hin, schluckte das Meerwasser gleich hektoliterweise, aber er wollte es unbedingt schaffen“, erinnert sich Björn Hansen. Und Nik schaffte es – nicht nur mit dem Buggy am Strand. Denn er wollte unbedingt wieder aufs Wasser. Also baute Hansen ihm auch noch ein spezielles Board, auf dem er sich im Sitzen vom Lenkdrachen ziehen lassen kann.

<p>Surflehrer Dirk Hückstädt mit Stephan Schultz, einem seiner Stammkunden.</p>

Surflehrer Dirk Hückstädt mit Stephan Schultz, einem seiner Stammkunden.

Foto: Christel Leipersberger-Nielsen
 

Längst ist es nicht mehr nur Kumpel Nik, der trotz Behinderung in der Surfschule von Dirk Hückstädt seinem Lieblingssport nachgehen kann, Hückstädt bietet auch für andere Rollifahrer Kurse und Equipment an. „Wer Lust hat, kann vorbeikommen, wir gucken dann, wie das Wetter ist und fangen an.“ Weitere Infos gibt es hier.

Auch im europäischen Ausland gibt es bereits einige Kiteschulen wie auf Föhr. Zu den besten Kitern der Szene gehört der Franzose Christophe Martin, der seit Jahren an der Entwicklung von behindertengerechten Sportsitzen für Kiteboards, Wakeboards, Ski und Segeljollen mitwirkt. Ein Video vom Rolli Kitecamp auf der griechischen Insel Limnos zeigt den Sportler in Aktion.

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