#aktivinsh : Kein Sport für jedermann - zwei Sporttrainer über das HIIT

High Intensive Intervall Training - so heißt das Trainingsprogramm, das in vielen Sportstudios Mitglieder anlockt. Mit intensiven Sportkursen oder Gerätetraining soll der Körper schnell in Topform gebracht werden.

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09. August 2018, 03:58 Uhr

Maximaler Trainingserfolg bei minimalem Zeitaufwand – welcher Hobby-Sportler wünscht sich das nicht? Und genau das verspricht ein aktueller Fitness-Trend mit dem verlockenden Namen HIIT. Die vier Buchstaben stehen für High Intensive Intervall Training. Ein Konzept, das Sportler an ihre Belastungsgrenzen bringt. Und genau deshalb nicht für jeden geeignet ist, warnt die Barmer GEK.

Training ist mit Vorsicht zu genießen

Kurz und knackig statt langatmig und moderat – so einfach lässt sich der aktuelle Fitness-Trend HIIT beschreiben. Die Idee bei HIIT ist, dass die Muskeln in möglichst kurzer Zeit bis zur absoluten Erschöpfung trainiert werden. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von intensiven Reizen. „Das Training selbst ist dabei in Intervalle unterteilt, zwischen denen kurze - teilweise aktive - Pausen eingelegt werden. Eine Einheit dauert daher auch nur zwischen 45 bis 60 Minuten, die es allerdings in sich haben – und zwar so sehr, dass sich ein Ich-kann-nicht-mehr-Gefühl einstellt“, erklärt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler von der Barmer Gek das Trainingsprinzip, das ursprünglich aus der Kraftsport- und Bodybuilding-Szene kommt. Verglichen mit üblichen Workouts sollen Muskeln so leichter gekräftigt und Fett schneller reduziert werden. Um den Muskeln genügend Zeit zur Regeneration zu geben, sollte man nicht öfter als zwei-, dreimal pro Woche trainieren.

<p>Side Planks trainieren die seitlichen Bauchmuskeln und können auch Teil eines HIIT-Workouts sein.  </p>
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Side Planks trainieren die seitlichen Bauchmuskeln und können auch Teil eines HIIT-Workouts sein. 

 

Frauen trainieren häufig anders als Männer

Für viele, die sich bislang aus chronischem Zeitmangel nicht zu regelmäßigem Sport aufraffen konnten, mag dieses Turbotraining als perfekte Lösung erscheinen. Doch sollte sich niemand so ohne Weiteres in den Sport stürzen, denn gerade Anfänger sollten bedenken, dass sie ein paar Grundvoraussetzungen erfüllen sollten. Denn auch wenn beispielsweise Fitness-Studios mit schnellen Trainingserfolgen für die HIIT-Methode werben, benötigen Sporteinsteiger eine Grundfitness, damit der Körper die Belastungen einer hohen Intensität überhaupt aushalten kann.

Hat man die nötige Fitness oder weiß seine eigenen Grenzen auch einzuschätzen, eignet sich der Sport hervorragend sowohl für Männer als auch für Frauen, weiß Xenia Buhmann. Die selbst ausgebildete Fitnesstrainerin gibt Kurse in Strong by Zumba, Piloxing und Langhantel Workout und schätzt das Training von Frauen und Männern jedoch unterschiedlich ein:

„Frauen trainieren zumeist lieber in der Gruppe und nutzen daher das Kursangebot. Bei Männern ist HIIT an den Geräten sehr beliebt. Ein großer Vorteil des Gerätetraining ist, dass durch den Muskelaufbau nachhaltig und auch über das Training hinaus, Kalorien verbrannt werden. Man spricht dort von dem sogenannten „Nachbrenn-Effekt“.
Als erfahrene Trainerin rate ich jedem, der intensiv ins HIIT einsteigen möchte, dieses mit einem Arzt zu besprechen und sich gegebenenfalls medizinisch untersuchen zu lassen. Wir hatten gerade eine Schwangere im Strong by Zumba Kurs. Sie hat bis kurz vor der Entbindung mitgemacht und belastende Elemente einfach weggelassen. HIIT ist individuell und keiner braucht über seine Leistungsgrenze gehen.“

<p>Neben Sportkursen reitet die Trainerin leidenschaftlich gern.</p>
Silke Kurtz

Neben Sportkursen reitet die Trainerin leidenschaftlich gern.

 

Wer bisher eher seltener Sport betrieben hat, es aber mal mit einem intensiveren Sport ausprobieren möchte, für den empfiehlt sich das Indoor Cycling. Achim Davids ist Trainer für den Indoor Radsport und gibt zwei Mal in der Woche Unterricht für Einsteiger und Fortgeschrittene. Seine Meinung zum Indoor-HIIT ist:

„Ich empfehle HIIT, explizit Indoor gerne, weil es für Einsteiger sehr gut geeignet ist. Der Widerstand auf den Rädern ist individuell einstellbar. So haben auch Leistungsschwächere Erfolgserlebnisse, die für die weitere Motivation von immenser Bedeutung sind. Im Vergleich zu Fitness-Apps ist HIIT im Studio zumeist ein größerer Ansporn. Die Nutzer leisten ihren monatlichen Beitrag und nutzen aus diesem Grund eher ein Studio mit Betreuung. Eine professionelle Betreuung ist besonders für Anfänger unbedingt anzuraten.“

<p>Achim Davids hält das Indoor Cycling auch für Anfänger sehr geeignet.</p>
Silke Kurtz

Achim Davids hält das Indoor Cycling auch für Anfänger sehr geeignet.

 

(Mit Material der Barmer Gek)

 
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