#aktivinsh : Hochsand im Wattenmeer: Auf dem Weg zur Kormoran-Insel

<p>Schier endlose Weiten erstrecken sich einem auf dem Weg zur Komoran-Insel.</p>

Schier endlose Weiten erstrecken sich einem auf dem Weg zur Komoran-Insel.

Neben Seehunden und schwarzen Vögeln: Zwischen den Inseln Sylt, Föhr und Amrum liegt die Kormoran-Insel im Wattenmeer.

shz.de von
19. Juli 2018, 04:03 Uhr

Es ist ein klarer, kühler Sommermorgen, der Ostwind hat das Wasser nach Westen gedrückt und die Ebbe – wie gewöhnlich – Nebel und Dunst mit fortgezogen. Vor dem Deich bei Dunsum auf Föhr liegt der große, leere Raum: das Watt wirkt wie eine Einladung zum Abenteuer. Links voraus in der Ferne ist Amrum zu sehen, geradeaus die Südspitze von Sylt mit dem Leuchtturm von Hörnum. Dazwischen liegt das Watt, drei Stunden vor Niedrigwasser fällt es zunehmend trocken. Und am Horizont, sanft gewölbt wie ein Uhrglas, liegt eine Sandbank, die bei gewöhnlichem Hochwasser nicht mehr überspült wird – deshalb strahlt sie wie Gold vor dem Blau des Himmels. Sie ist das Ziel und etwas Besonderes; denn die „Kormoran-Insel“ zu besuchen, heißt Neuland zu betreten.

<p>Bei Wind und Wetter führt Heinz-Jürgen Fischer große und kleine Gruppen zielstrebig durch Prile und Watt. </p>
www.nordseetourismus.de

Bei Wind und Wetter führt Heinz-Jürgen Fischer große und kleine Gruppen zielstrebig durch Prile und Watt.

 

„Vor knapp fünfzig Jahren begann sich diese Sandbank aufzuformen“, berichtet Heinz-Jürgen Fischer, als er die Gruppe über eine schier endlose Wattfläche nach Westen führt. Er ist der Veteran der Wattwanderungen, führt seit mehr als fünfzig Jahren. „Kormoran-Insel heißt sie, weil dort manchmal diese schwarzen Vögel beobachtet werden können.“ Zu der Zeit, als sich diese Sandbank zu entwickeln begann, verkleinerten sich solche Gebilde vor der Küste von Amrum – heute hier und morgen fort. Nichts ist hier draußen so beständig wie die Vergänglichkeit: „Vor ungefähr fünfzig Jahren habe ich vom Sand runter Richtung Amrum am Priel des Mittellochs, Feldsteine und Ziegel gefunden, die wie ein Grundriss angelegt dort auf dem Watt lagen“, berichtet Heinz-Jürgen Fischer, „ich habe das nie wieder gesehen!“ Verborgen unter einer wandernden Wüste im Wasser, versunken im Meer. „Man muss sich das einmal vorstellen: Wo wir heute wandern – und wo das Wasser bald wieder zwei Meter, maximal bis zu drei Meter, hoch steht – war vor Jahrhunderten Land“.

Genüssliches Fläzen auf der Sandbank

„Stopp und langsam mal…“, Fischer hält inne, er hat etwas gesehen, „schaut, dort hinten liegen Seehunde. Lasst uns stehen bleiben.“ Auf der Sandbank vor der großen Lagune aalen sich die Tiere im Sand und liegen in der Sonne. Wir haben die „Kormoran-Insel“ erreicht. „Um die Seehunde nicht zu stören, müssen wir einen großen Abstand halten und in einem Bogen auf die Sandbank gehen“, sagt Fischer. Zeit zum Beobachten – aber wer wen? Die Seehunde liegen ruhig und gemütlich auf ihrer „Insel“. Vorn schaut eine vorwitzige Schnauze aus dem Wasser in einer Bucht vor der „Kormoran-Insel“. Es geht weiter und bald klirren die Schritte in den Muschelschalen, damit ist die Sandbank erreicht. „Dieser Spülsaum bestimmt die übliche Hochwassermarke und daran erkennt man, dass diese Sandbank in der Regel nicht mehr überflutet wird.“

Gefährliche Tiefe im Priel

Irgendwo im Nirgendwo der wilden Wattenwelt zwischen den Inseln Amrum, Föhr und Sylt hat sich also in den vergangenen Jahren ein kleines Stück Neuland aus den Fluten erhoben, auf dem man eine Tide trocken aussitzen könnte. Und doch: „Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich die Fläche der Sandbank deutlich verringert, sie ist beinahe um die Hälfte kleiner geworden – und dieser Trend scheint anzuhalten.“ Sylt scheint in der klaren Luft zum Greifen nah, doch ist die Insel von hier unerreichbar – der Priel davor ist auch bei Ebbe zwanzig Meter tief. Weil das Wasser heute extrem weit abgelaufen ist, liegt vor dem westlichen Ufer der „Kormoran-Insel“ weiterer Meeresboden trocken – eine Landschaft aus Seen und Sandwällen, mit Buchten und Prielen, tief und trockengefallen. Danach liegt nur noch die offene See. Auf dem Rückweg knistert der Sand, der vom ewigen Wind getrieben über die Sandbank weht. Über eine Wüste im Wasser.

(Mit Material von www.nordseetourismus.de)

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