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Mit dem Fahrrad durch SH : Einmal Nordstrand – mit dem Rad um die Insel

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So viel Insel gibt es sonst nur mitten auf dem Meer: Die Halbinsel Nordstrand steht ihren gänzlich vom Wasser umgebenen Kollegen in nichts nach. Was liegt da näher als eine Fahrradtour entlang der Inselküste?

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 03:00 Uhr

Start der Fahrradtour rund um die Halbinsel Nordstrand, die im Gegensatz zu den ‚richtigen‘ nordfriesischen Inseln ganz bequem mit dem Auto erreicht werden kann, ist die Schutzstation Wattenmeer. Praktisch: Von hier aus lassen sich - vielleicht an einem anderen Tag, wenn mehr Zeit ist - tolle Wattwanderungen und naturkundliche Führungen rund um den Beltringharder Koog buchen. Heute wird das Naturschutzgebiet allerdings erst einmal vom Sattel aus betrachtet, denn die Tour geht direkt auf dem Deich der Halbinsel weiter. Schon seit 1934 ist Nordstrand durch einen Damm mit dem Festland verbunden - und verfügt seit 1987 durch den Beltringharder Koog über eine noch größere Festlandanbindung. Diese sprach dem damaligen Eiland den Inselstatus ab - im Herzen sind die Menschen hier aber noch immer Insulaner, denn schließlich ist das Nordseeheilbad von drei Seiten vom Meer umgeben.

1. Stopp: Das Kleinste im Größten - das Naturkundemuseum am Naturschutzgebiet

Der erste Stopp der Fahrradtour ist am Hundestrand Holmer Siel im Norden der Halbinsel. Auf einer Fläche von 3350 Hektar befinden sich die Radler nun am Rande des größten Naturschutzgebietes Schleswig-Holsteins. Die Gegend bricht sogar noch einen weiteren Rekord: In der Naturschutzstation Holmer Siel befindet sich das kleinste Naturkundemuseum Deutschlands, das montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und montags bis donnerstags von 13 bis 16 Uhr einen Abstecher wert ist.

2. Stopp: Kaffee mit richtig viel Schmackes

Weiter geht die Tour in Richtung Süd-Osten den Elisabeth-Sophien-Koog hinunter, immer mit einem frischen Nordstrander Wind um die Nase. Hier, wo die Luft noch rein ist und sich die Schafe auf den grünen Deichen tummeln, ist die Erholung nie weit entfernt. Das ist auch im zentralen Teil der Halbinsel so, denn wie könnte man besser entspannen, als bei einer schönen Tasse Kaffee mit Schmackes, einem ‚Pharisäer‘  - ein Kaffee mit einem Schuss Rum und einem Häubchen Sahne. Der Legende nach wurde er in einem örtlichen Hotel erfunden, und zwar im Jahre 1872, als sich die Gäste einer Taufe partout nicht damit abfinden wollten, dass der Pastor jeglichen Alkohol auf der Feier verboten hatte. Als der Pastor schließlich ausversehen selbst einen Schluck der spontan entstandenen Spezialität verköstigte, soll er ausgerufen haben: „Oh, Ihr Pharisäer!“. Damit war über den Namen des Heißgetränkes, das auch als Nordstrander Nationalgetränk gehandelt wird, entschieden.

3. Stopp: Entspannung mit Blick auf die Halligen

Über die Straße mit dem klingenden Namen England und die Osterkoogstraße führt die Radroute als nächstes in Richtung Westen und dann weiter auf die Alterkoogchaussee mit dem Ziel Norderhafen. Wer bei der Abzweigung erst noch einen kleinen Abstecher in den ‚Süden‘ macht (mit der gleichnamigen Straße im Zentrum der Halbinsel), wird die katholische Kirche St. Knud und die Alt-Katholische Pfarrgemeinde Nordstrand entdecken. Außerdem sind hier das Nordstrandische Heimatmuseum sowie die Nordstrander Töpferei beheimatet (Süden 44). Wieder auf der Alterkoogchaussee angelangt, lohnt sich der Blick nach links zur Evangelischen Kirche St. Vinzenz, die als ältestes Gebäude Nordstrands bereits über 900 Jahre auf dem Buckel hat.

Am Norderhafen ist Gelegenheit für eine weitere Stärkung, denn in diesem Teil der Halbinsel gibt es eine Reihe an Restaurants und Cafés für hungrige Besucher. Der unter Umständen etwas frische Luftzug auf einer der Außenterrassen lohnt sich: Bei gutem Wetter bietet sich hier der Blick auf die Hallig Nordstrandischmoor sowie auf die Nordseeinsel Pellworm. Die Schutzstation Wattenmeer bietet viereinhalbstündige Führungen zu der 175 Hektar großen Hallig an. Eine Alternative zur Wattwanderung bei Ebbe liefern die Adler-Schiffe, die vom Hafen Strucklahnungshörn aus bei Flut die Hallig ansteuern. Auch vom Hafen aus fahren die Fähren und Schnellboote außerdem zur Nachbarinsel Pellworm sowie nach Amrum oder Sylt. Mit einem Eis in der Hand lassen sich von hier aus dazu wunderbar die Krabbenkutter bei ihrer täglichen Arbeit beobachten.

<p>Wer das Fahrrad mal Fahrrad sein lassen möchte, kann dies bei einer Kutschfahrt zur Hallig Südfall tun.</p>

Wer das Fahrrad mal Fahrrad sein lassen möchte, kann dies bei einer Kutschfahrt zur Hallig Südfall tun.

Foto: Wattenkutscher
 

4. Stopp: Am Süderhafen sagt man „Ja“    

Über den kleinen Strandabschnitt Fuhlehörn (Hunde sind hier erlaubt, aber Vorsicht: Wie fast überall an der Nordsee existiert hier Leinenpflicht) führt die Halbinsel-Tour weiter in Richtung Süden. Der grüne Strand bietet einige Strandkörbe und durch den aufgeschütteten Sand kommen hier richtige Inselgefühle auf. Wer viel Zeit mitgebracht hat, kann von hier aus zu einer Kutschfahrt durch das Watt bis zur Hallig Südfall aufbrechen.

Von Fuhlehörn aus geht die Fahrradtour weiter am Deich entlang, bis zur südlichen Seite der Insel, dem Süderhafen. Hier befindet sich auch der Seglerhafen der Halbinsel mit über 60 Liegeplätzen. Wer das Fahrrad mal Fahrrad sein lassen möchte, kann dies nun tun: Der Süderhafen ist optimaler Ausgangspunkt für eine geführte Wanderung in der Salzwiesenlandschaft im Vorland. Außerdem befindet sich hier die malerische Engel-Mühle mit dem angegliederten Mühlencafé ‚Glück zu‘. Und wer weiß, vielleicht kommt ja der ein oder andere mal wieder nach Nordstrand, um sich in der idyllischen Mühle das Ja-Wort zu geben - standesamtliche Trauungen sind hier erlaubt.

5. Stopp: Wollige Aussichten in der Schäferei Baumbach

Nach dieser ausgiebigen Fahrradtour voller Highlights wird nun langsam die Rückreise angetreten. Bei Wobbenbüll führt die Strecke wieder nach links auf den Endeweg, und schließlich noch einmal links auf den Deichweg. Wer dem Deichweg folgt, gelangt wieder an den Ausgangspunkt der Tour, zur Schutzstation Wattenmeer.

Zuvor aber geht es erst noch weiter auf dem südlichen Deich der grünen Halbinsel entlang, vorbei an friedlich grasenden Schafen, die dafür sorgen, dass die Wiesen der Deiche schön kurz bleiben. Circa sechs Kilometer hinter dem Südhafen können die wolligen Halbinsel-Bewohner dann aus der Nähe betrachtet werden. Die Schäferei Baumbach ist der letzte Anlaufpunkt der Route. Mit Anmeldung sind hier Besichtigungen inklusive Vortrag über das Leben auf der Außendeichschäferei möglich. Und langweilig ist das Leben hier bestimmt nicht: Bei rund 300 Muttertieren und den dazugehörigen Lämmern hat das Team immer alle Hände voll zu tun. Besucher können sich hingegen voll und ganz zurücklehnen - für die nötige Erholung tut die gute Luft der Nordsee ihr Übriges.

Das Ziel des Tages auf dem Sattel: Am Ende der Tour setzt dank körperlicher Anstrengung bei bester Aussicht und gesunder Luft ein wohliges Gefühl ein. Wenn dem so ist, hat Nordstrand es geschafft und das unvergleichliche Gefühl der rauen Nordsee-Entspannung an die aktiven Besucher weitergeben - ganz gleich, ob mit oder ohne Inselstatus.

 

Länge der Tour: 46,6 km
Dauer der Tour: Ca. 2 Stunden, 45 Minuten
Beschaffenheit der Strecke: Größtenteils flach

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