Eltern und Kind : Babyschwimmen in SH - so werden Eltern mit ihren Babys aktiv

<p>Christine Karow, Hebamme aus Kiel, hat schon viele Babys bei ihren ersten Wassererfahrungen begleitet.</p>
1 von 2

Christine Karow, Hebamme aus Kiel, hat schon viele Babys bei ihren ersten Wassererfahrungen begleitet.

Gemeinsam mit dem Baby planschen - für viele Eltern ein tolles Erlebnis gemeinsam mit den Kleinen.

shz.de von
12. Juni 2018, 04:11 Uhr

Während manche Babys das feuchte Nass eher mit Vorsicht betrachten, stürzen sich andere Knirpse bereits mit zehn Monaten wagemutig von der Gummirutsche: Beim Babyschwimmen erleben nicht nur die Babys eine tolle Zeit - auch die Eltern werden „Aktiv in SH“ und lernen ihr Baby mal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. shz.de hat bei den Trainerinnen Kerstin Seifert, Christine Karow und Monika Frodermann nachgefragt, was das Tolle am Babyschwimmen ist - und erfahren, dass Babyschwimmen mehr ist als eine Eltern-Kind-Freizeitbeschäftigung.


Was muss ich mir unter Babyschwimmen vorstellen?

Kerstin Seifert: Babyschwimmen ist an sich der falsche Begriff, es handelt sich eher um eine Art Wassergewöhnung für Babys ab vier Monaten. Dabei geht es nicht um die Arm-Bein-Koordination wie beim richtigen Schwimmen. Die Kleinen sollen erst einmal lernen, ihr Gleichgewicht zu halten, denn das können sie in dem Alter noch nicht automatisch. Auch sollen sie sich mit einer Auftriebshilfe, wie etwa einem Schwimmreifen, allein im Becken bewegen können.

Christine Karow: Das Babyschwimmen ist eine der ersten Aktivitäten, bei der die Babys gemeinsam in einer Gruppe singen und spielen. Das ist erst einmal aufregend für die Kinder. Dann genießen sie das Nacktsein, das Getragenwerden, die Schwerelosigkeit - das Kennenlernen des Elements Wasser ist mit ordentlich Spaß verbunden. Die Kinder sollen wissen, dass es nicht schlimm ist, wenn sie mal unter Wasser gehen - und dass Mama und Papa da sind, wenn sie wieder auftauchen.

Monika Frodermann: Durch die Nähe und den Körperkontakt beim Babyschwimmen wird die Eltern-Kind-Bindung verstärkt und insgesamt sehr positiv beeinflusst. Die Babys lieben das Gefühl von Wasser auf der Haut und können den Temperaturunterschied, wenn es ins Wasser geht, so richtig fühlen. Sie nehmen alles auf, was um sie herum passiert.

<p>Monika Frodermann, Hebamme aus Heide, unterstützt das sogenannte Bonding beim Babyschwimmen.</p>
Monika Frodermann, www.frodermann.info

Monika Frodermann, Hebamme aus Heide, unterstützt das sogenannte Bonding beim Babyschwimmen.

 


Warum ist Babyschwimmen so wichtig für die Kleinen?

Monika Frodermann: Wenn die Kinder zwischen dem vierten und dem sechsten Monat mit dem Babyschwimmen anfangen, sind Reflexe wie der Tauchreflex schon da, sprich: Der Kehlkopf macht zu. Diese Reflexe werden weiter geschult, die Kinder dürfen sich im Wasser ausprobieren. Dazu kommt, dass es mit zunehmendem Alter der Babys immer seltener wird, dass die Eltern ihr Kind nackt auf die Brust nehmen. Dieses sogenannte Bonding ist aber immer noch ganz wichtig für die Kleinen. Im Wasser können sich die Babys nackt an Mama und Papa schmiegen und dabei strampelnd das tolle Element selbst entdecken - ganz in Ruhe und mit ganz viel Körperkontakt.

Christine Karow: Durch ihre eigenen Bewegungen im Wasser erhalten die Babys neue Reize, neue Impulse. Immer, wenn sie etwas Neues kennenlernen, setzen ja auch neue Entwicklungsschritte ein. Im Wasser können die Kleinen Sachen üben, die an Land viel schwieriger sind, zum Beispiel die Bauchlage. Das Heben des Köpfchens fällt vielen Babys mit vier Monaten an Land noch schwer. Im Wasser klappt die Bauchlage einfacher! So werden Rücken- und Bauchmuskulatur spielerisch trainiert.

Kerstin Seifert: Auch haben die Babys den Atemschutzreflex schon ganz früh nicht mehr. Das heißt, sie müssen lernen, mit Wasser umzugehen - zum Beispiel unter Wasser den Mund zu schließen oder aufgenommenes Wasser wieder auszuspucken. Die Kinder lernen auch, dass es in Ordnung ist, Wasser überall im Gesicht zu haben und in diesen Momenten - auch wenn der ganze Kopf unter Wasser ist - nicht in Panik zu geraten.

<p>Christine Karow genießt die Zeit mit ihrer eigenen Tochter beim Babyschwimmen.</p>
Christine Karow, www.kiel-hebamme.de

Christine Karow genießt die Zeit mit ihrer eigenen Tochter beim Babyschwimmen.

 

Wie werden die Eltern beim Babyschwimmen eingebunden?

Kerstin Seifert: Die Eltern zeigen ihren Kindern, dass sie keine Angst vor Wasser haben müssen. Dafür müssen sie sich aber zuallererst selbst im Becken wohl fühlen. Das ist nicht immer der Fall. Häufig beobachten wir, dass es Eltern sehr schwer fällt, den Nachwuchs alleine schwimmen zu lassen. Die Unsicherheit der Eltern überträgt sich dann auf die Kinder. Dabei machen es die Kleinen alle gut! Manchmal besteht unsere Hauptaufgabe darin, die Eltern an die Eigenständigkeit ihrer Babys im Wasser zu gewöhnen. Die Kleinen müssen es lernen dürfen, denn wenn sie nicht dürfen, lernen sie es auch nicht. Die elterliche Einstellung zu Wasser sollte von vornherein eine positive sein.

Monika Frodermann: Viele Eltern könnten tatsächlich noch mehr Vertrauen haben, wenn es darum geht, die Kinder das erste Mal loszulassen, sie - natürlich mit Schwimmhilfen - alleine schwimmen zu lassen. Wenn die Eltern aber sehen, wie gut sich ihr Kind alleine im Wasser fühlt, verschwinden die ersten Ängste meist. Toll ist natürlich, wenn beide Elternteile zum Babyschwimmen mitkommen. Die Eltern können dann zum Beispiel das Baby im Schwimmreifen zwischen sich hin und her ‚schubsen‘ - und sich über das dicke Grinsen freuen, das ihnen entgegenkommt.

<p>Die Kinder nehmen im Wasser viel mehr wahr als man vielleicht denkt: das Gefühl auf der Haut, die Nähe zu den Eltern und sogar den Temperaturunterschied zum Außenbereich.</p>
cicisbeo, Fotolia

Die Kinder nehmen im Wasser viel mehr wahr als man vielleicht denkt: das Gefühl auf der Haut, die Nähe zu den Eltern und sogar den Temperaturunterschied zum Außenbereich.

Christine Karow: Insgesamt ist Babyschwimmen viel mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Die Zeit im Wasser ist vor allem eine gemeinsame Zeit mit dem Baby, aber auch mit dem Partner zu Dritt. Diese Momente im Wasser sind ganz intensiv, da die allermeisten Kinder das Wasser am Körper ja sehr genießen. Die Eltern arbeiten viel mit ihrer Stimme, singen in der Gruppe und sprechen mit den Kindern. Sie geben Sicherheit, indem sie die Kleinen tragen und zusammen mit ihnen durchs Wasser gleiten. Die Kleinen erkennen, dass sie im nassen Element viel Spaß haben und Mama und Papa immer ganz nah bei ihnen sind - eine tolle Kombination.

Babyschwimm-Kurse werden an vielen Orten in ganz Schleswig-Holstein angeboten, unter anderem in Kiel, Heide, Lübeck, Flensburg, Tarp, Eckernförde, Glücksburg, Itzehoe oder Rendsburg. Da die Plätze begrenzt sind, ist es ratsam, bereits in den ersten sechs Wochen nach der Geburt des Kindes bei den jeweiligen Schwimmtrainern anzufragen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen