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Weinland in Norden : Auf Weintour in Schleswig-Holstein - fünf geschmackvolle Ziele im Norden

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Zu kühl, zu nass, zu wenig Sonne – so weit oben im Norden kann doch kein Wein angebaut werden oder doch? Mittlerweile gibt es sogar mehrere Weingüter, die leckere Weine produzieren.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2017 | 05:02 Uhr

Erst seit 2009 ist Schleswig-Holstein offiziell Weinland. Zuvor war das nördlichste Bundesland nicht gerade für seine sonnigen Hügel bekannt. Gerade jetzt im September, wenn es langsam etwas kühler wird, eignet sich ein Besuch auf diesen Weingütern perfekt, um das sonnige Herbstgefühl einzufangen – und nebenbei ganz gemütlich den ein oder anderen Wein zu verköstigen.

Ideale Bedingungen inmitten der Holsteinischen Schweiz

Dass in Schleswig-Holstein überhaupt Wein angebaut werden darf, verdankt das nördlichste Bundesland einem Geschenk aus Rheinland-Pfalz. Von seinen ungenutzten Pflanzrechten gab das südliche Bundesland im Sommer 2008 zehn Hektar nach Schleswig-Holstein ab – und damit den Startschuss für die erste Weinernte hoch oben im Norden zwei Jahre später. Sonnenverwöhnte Gebiete wie die Holsteinische Schweiz eignen sich ideal für den Anbau der edlen Tropfen - wie auf dem Ingenhof, der idyllisch zwischen einem kleinen See und der Malenter Au gelegen ist.

Wer hier einen Besuch einplant, kommt zur Ruhe – und genießt Weine inmitten der sanften Landschaft der Holsteinischen Schweiz. Bereits seit 2009 baut Familie Engel auf diesem schönen Stück Land auf drei Hektar Land die roten Rebsorten Regend und Cabernet Cortis sowie die weiße Traube Solaris an, die allesamt gut mit dem norddeutschen Klima zurechtkommen. Die Südlage mit 35 Grad Neigung und der Schutz durch Wald und Knicks tragen ihr Übriges zum Gedeihen der Sorten bei. Der hohe Gesteinsanteil im lehmigen Sand speichert tagsüber die Wärme der Sonne und schafft damit ideale Weinbedingungen fernab von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Melanie Engel, die den Hof 2011 von ihren Eltern übernommen hat, lässt die Trauben direkt vor Ort im Betrieb keltern, sodass die Weine den Namen Schleswig-Holsteinischer Landwein tragen dürfen, denn dafür braucht es mindestens einen Produktionsschritt in Schleswig-Holstein. Der Hof, der neben Weingut auch gleichzeitig ein Erdbeerhof ist, vermarktet unter anderem einen Erdbeersecco und einen Blanc de Noir - einen Weißwein aus roten Trauben.

Weinbergführungen inklusive Besichtigung der Kellereitechnik sind auf dem Ingenhof möglich, für 2017 allerdings aufgrund der hohen Nachfrage bereits komplett ausgebucht.

<p>Der Weinberg des Ingenhofes erstreckt sich sanft über die sonnige Landschaft der Holsteinischen Schweiz.</p>

Der Weinberg des Ingenhofes erstreckt sich sanft über die sonnige Landschaft der Holsteinischen Schweiz.

Foto: www.ingenhof.de

Wo der Schleswig-Holsteinische Weinanbau seinen Ursprung fand

Nur wenige Kilometer und rund 15 Minuten Autofahrt vom Ingenhof entfernt liegt der Hof Altmühlen in Grebin. Hier auf dem Weingut SJ Montigny, ganz in der Nähe von Plön inmitten schönster Seenlandschaft, gilt der Weißwein So mookt wi dat (2011) als erster in Schleswig-Holstein professionell vermarkteter Wein. Seit 2012 gibt es dazu auch einen Rotwein. Den Reben scheint es in der Holsteinischen Schweiz zu gefallen, sie gedeihen auf einem sonnenverwöhnten Südhang, geschützt durch ein Wäldchen. Auf insgesamt zwei Hektar der vergebenen zehn baut Winzer Steffen J. Montigny unter anderem die Rebsorte Solaris an, die hier geerntet und schließlich im Weingut an der Nahe gekeltert wird. Das milde schleswig-holsteinische Klima bedingt die lange Reifezeit der Trauben.

<p>Die Weine vom Hof Altmühlen können in der nahegelegenen Mühle verköstigt werden.</p>

Die Weine vom Hof Altmühlen können in der nahegelegenen Mühle verköstigt werden.

Foto: www.weingut-montigny.de

Gut Deutsch-Nienhof am Westensee – Bio-Wein in traditioneller Umgebung

Ein weiteres Ausflugsziel ist auch das herrschaftliche Gut Deutsch-Nienhof im gleichnamigen Ort. Das ehemalig adlige Gut überzeugt mit Geschichte: Bereits 1472 wurde es erstmalig erwähnt. Heute steht das Herrenhaus als zweigeschossiger Dreiflügelbau auf den Ruinen der Burg der ehemaligen Besitzer Familie Rantzau. Seit 1776 gehört es zur Familie von Hedemann-Heespen. Weite Berühmtheit verdankt das Gut seiner über 10.000 Bände zählenden Bibliothek alter Werke zur schleswig-holsteinischen Landesgeschichte. Der Name des Gutes entstammt der Abgrenzung zum Gut Dänisch Nienhof, das sich im Dänischen Wohld befindet.

Die Winzer Sven von Hedemann-Heespen von Dieter Profitlich betreiben den knapp zwei Hektar großen Weinberg des Gutes. Der biologische Weinanbau hat bereits einen Wein hervorgebracht: Kroon 54,15 hat seinen Namen dem auf diesem bestimmten Breitengrad lebenden Kranich zu verdanken – der Wein soll die Verbundenheit zwischen Mensch, Natur und Kulturlandschaft verdeutlichen. Als rote Trauben verwenden die Winzer Rondo und Cabernet Cortis und auch die weißen Trauben der Sorte Solaris eignen sich hervorragend für das Klima in Schleswig-Holstein – sie sind pilzresistent und können den schleswig-holsteinischen Regen vertragen, zu feucht darf es aber auch nicht werden. Auch  brauchen die Sorten weniger Sonne – reifen dafür aber umso länger.

Für eine Herrenhausführung, bei der man gern auch den Wein probieren kann, melden sich Interessierte bei Hausherr Sven von Hedemann-Heespen an.

<p>Das Gut Deutsch-Nienhof vereint uralte Tradition mit modernen Weinanbaumethoden.</p>

Das Gut Deutsch-Nienhof vereint uralte Tradition mit modernen Weinanbaumethoden.

Foto: www.shz.de

Auf Sylt steht gleich ein ganzes Weindorf

Genau genommen stehen gleich zwei nördlichste Weinberge auf Sylt. Auf einem der beiden Keitumer Weinberge hat Christian Ress vom Weingut Balthasar Ress den Betrieb in der Hand. Schon 2009 wurden hier auf dem lehmigen Sand drei Hektar Land mit Rivaner- und Solaris-Reben bepflanzt – das Nordseeklima nahe des Wattenmeeres scheint den Trauben gut zu tun und auch der Windschutz durch Bewuchs sowie die Sylter Sonne tragen zum Gedeihen der Pflanzen bei. Es heißt, auf Sylt gebe es bis zu 1700 Stunden Sonne im Jahr – damit muss sich die Nordseeinsel nicht hinter dem Rheingau, wo Balthasar Ress seine ‚Heimat‘-Weinberge hat, nicht verstecken. Das Besondere an den Rebstöcken auf Sylt: An ihnen finden sich Schilder mit eingravierten Namen – die Namen der 555 sogenannten Rebstockpächter.

Der hier geerntete und in einem Sylter Familienbetrieb gekelterte Wein nennt sich Söl’ring - durch den Produktionsschritt auf Sylt sogar mit dem Zusatz Schleswig-Holsteinischer Landwein versehen. Söl’ring ist der Sylter Dialekt und zeigt die Verbundenheit der Rheingauer Winzerfamilie mit der rauen Nordseeinsel. Der erste Söl’ring kam 2014 auf den Markt.

Der zweite Weinberg, der auf der anderen Seite der Munkmarscher Chaussee nahe der Keitumer Kirche St. Severin liegt, ist sogar noch nördlicher und damit der nördlichste Weinberg Deutschlands. Birgitta Quendler, Olaf Klein und Henning Lehmann betreiben diesen auf fast einem Hektar Land. 2009 wurden die ersten Solaris-Rebstöcke gepflanzt. Der Anbau und die Bewirtschaftung erfolgen rein ökologisch, den Winzern kommt nur Pferdemist an die Rebstöcke. Obwohl der Hang in die Hauptwindrichtung zeigt, gedeihen die Pflanzen, da sie durch einen Schmalspurtrecker mit Fräse klein gehalten werden. Während die Gemeinschaft den Wein bis 2013 mit 215 Litern Ernte noch zu Hause bei Henning Lehmann in Westerland im Keller kelterte, macht dies heute ein befreundeter Winzer mit professionellen Anlagen, aber auch auf der Insel. Der Schleswig-Holsteinische Landwein gedeiht prächtig – eine teure Netzanlage zum Schutz gegen Wildverbiss braucht es aber trotzdem, um die edlen Trauben zu schützen. Der hier geerntete Sölviin (Friesisch: Sylter Wein) ist für seine leichte Fruchtsüße bekannt.

Bei einer geführten Tour zu den Weinbergen kann man die Winzerei kennen lernen. Der Sylter Sommelier Nils Lackner und sein Team gehen zusammen mit ihren Gästen auf einen kulinarisch-kulturellen Spaziergang durch Sylts Weindorf mit den nördlichsten Weinbergen Deutschlands.

<p>Der<strong> </strong><em>Sölviin </em>s<em>t</em>ammt vom nördlichsten Weinberg Deutschlands.</p>

Der Sölviin stammt vom nördlichsten Weinberg Deutschlands.

Foto: www.sylterwein.com

In der friesischen Karibik gedeihen die Trauben prächtig

Trotz des rauen Nordseeklimas gedeiht auch auf dieser Nordseeinsel ein edler Tropfen – auf dem Weingut Waalem, direkt am feinsandigen Strand des Friesendorfes Nieblum gelegen. Der Wein der Familie Roeloff beginnt seine Geschichte auf diesem nordfriesischen Außenposten in 2009 auf zwei Hektar Land in Nieblum und Alkersum. Auch auf Föhr eignen sich die Rebsorten Solaris und Johanniter besonders gut, um Wein anzubauen. Mit klingenden Namen wie Réserve Waalem, Waalem Kul, Waalem Brut und fering dringer by Waalem zeigen die Winzer der Nordseeinsel Kreativität - und müssen sich auch geschmacklich nicht vor den südlicheren Anbaugebieten verstecken. Direkt nach der Lese werden die Trauben in der eigenen Weinkellerei auf Föhr verarbeitet und machen somit die Bezeichnung als Schleswig-Holsteinischer Landwein möglich. Waalem Kul (Kul: Friesisch=kalt) ist dabei als Jahrgang 2016 der jüngste unter den Weinen. Gleich seines Namens wird er am liebsten kühl genossen. Fering Dringer dagegen bedeutet so viel wie Föhrer Jungs und ist nach dem Spross der Familie, Lenz Roeloffs, benannt. Der junge Mann absolviert seine Ausbildung zum Winzer im Süden Deutschlands, um schließlich den elterlichen Weinberg zu übernehmen -  und wenn alles klappt, zu vergrößern.

Auch auf dem Weingut Waalem werden Winzerführungen angeboten. Stets von einer frischen Meeresbrise begleitet, erzählt der waschechte Frise Christian Roeloffs was den Wein am Wattenmeer ausmacht.

<p>Auch im nördlichsten Bundeslands Deutschlands lassen sich geschmackvolle Weine herstellen.</p>

Auch im nördlichsten Bundeslands Deutschlands lassen sich geschmackvolle Weine herstellen.

Foto: Pixabay
 


Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, eigenen Wein zu ernten, kann tatsächlich loslegen. Bis zu 99 Rebstöcke dürfen im eigenen Garten gepflanzt werden – ganz ohne Genehmigung.

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