Ins Tuch gehüllt : Aerial Yoga: Frei und schwerelos

Zwischen akrobatisch und kuschelig: Miriam Klöber beim Aerial-Yoga.

Zwischen akrobatisch und kuschelig: Miriam Klöber beim Aerial-Yoga.

Herabschauender Hund und friedlicher Krieger mal anders: Beim Aerial Yoga erlebt man Unbeschwertheit und Entspannung zugleich.

Karen Bartel von
20. Juni 2018, 03:57 Uhr

Zum Abheben: Ein kurzer Moment des Zögerns, dann traue ich mich, die Füße vom Boden zu lüften und mich ganz dem Tuch hinzugeben. Ich schwebe. In Harmonie dazu erstrahlt das Yogatuch in einem zarten Himmelblau. Um mich herum hängen noch sechs weitere Kursteilnehmer in der Luft. Wir sind beim Aerial Yoga. Bei dieser Variante werden die traditionellen Yoga-Übungen mit Hilfe eines Tuches, das in einer Schlinge an der Decke befestigt ist, meist schwebend in der Luft ausgeführt. Das Tuch ist etwa vier Meter lang und drei Meter breit. Es wird je nach Übung auf eine bestimmte Weise um Arme, Beine oder Hüfte gewickelt, damit es optimal trägt. Absolut absturzsicher – keine Angst.

Gut für Rücken und Gelenke

Yogalehrerin Miriam Klöber aus Flensburg kennt den großen Vorteil dieser neuartigen Yoga-Art: „Aerial Yoga ist besonders schonend für die Gelenke, denn ähnlich wie das Wasser beim Schwimmen trägt hier  das Tuch die Schwere des Körpers. Durch die Unterstützung des Tuches wird auch der Rücken, insbesondere die Wirbelsäule, entlastet und gedehnt. Das Gleichgewicht verbessert sich, zudem sprechen die Übungen vor allem die tiefen Haltemuskeln an.“

Die Übungen reichen von einfachen Dehnungen über klassische Yoga-Asanas (statische Körperstellungen) bis hin zu dynamischen, akrobatisch anmutenden Figuren. Dabei ist alles auch für absolute Beginner machbar. Das Tuch übernimmt einen Teil der körperlichen Belastung und macht die Übungen leichter. Auch für geübte Yogis hält Aerial Yoga immer noch neue Herausforderungen bereit. Auf dem Boden bleiben, sollte hingegen, wer einen erhöhten Blut- oder Augendruck hat, sowie Schwangere. Das schließt die Praktik mit dem Tuch aber nicht aus: Beim Aerial Yin Yoga reicht das Tuch bis fast auf die Matte und es werden dort vielmehr meditative Positionen mit der Unterstützung durch das Tuch ausgeführt.

<p>Handstand in der Luft - beim Aerial Yoga verschmelzen viele Übungen ineinander. Ein wichtiges Element ist hier, wie bei anderen Yoga-Arten auch, die Atmung zu kontrollieren.</p>
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Handstand in der Luft - beim Aerial Yoga verschmelzen viele Übungen ineinander. Ein wichtiges Element ist hier, wie bei anderen Yoga-Arten auch, die Atmung zu kontrollieren.

 

Das Besondere am Aerial Yoga?

Ohne vorher mit dieser Technik in Berührung gekommen zu sein, ist der Einstieg spielend leicht. Und es fühlt sich wirklich ein bisschen wie spielen an, so kopfüber im Tuch hängend, sanft hin- und herschwingend. Ein entspannender Ausgleich zum stressigen Alltag. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl von Leichtigkeit, Unbeschwertheit und Geschmeidigkeit. Einfach nur vertrauen und loslassen, das Tuch erledigt den Rest“, so beschreibt Miriam Klöber ihre Faszination und Liebe zum Aerial Yoga. „Ein Spiel mit Spannung und Entspannung: Das eigene Körpergewicht wird vom Tuch abgenommen, die Balance muss ein jeder jedoch selbst finden und halten. Hierbei werden Koordination und Kraft gefördert.“

Mein persönliches Highlight: Der Handstand ohne Hände. Aus einer Vorübung drückt man sich über Kopf in eine kerzengerade Haltung – und nimmt zuletzt die Hände vom Boden. Garantiert eine Fähigkeit, die bei Freunden Bewunderung und Neugierde weckt. Gänzlich eingehüllt in das seidenweiche Tuch, liege ich in der abschließenden Ruhephase wie in einem Kokon, schwebe etwa einen Meter über dem Boden und schaukele entspannt vor mich hin. Einfach nur so könnte ich die 60 bis 90 Minuten der Yogastunde auch verbringen. Ein Gefühl von Freiheit und Schwerelosigkeit – wie auf Wolken schwebend.

Achtung:
Professor Herbert Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention kann Aerial Yoga einiges abgewinnen. „Die Belastung auf Hüfte und Kniegelenke ist geringer als ohne Tuch", sagt der Sportarzt. Doch nicht für jeden sei es  geeignet: „Das Kopfüberhängen ist zumindest für Ungeübte mit einem Risiko verbunden.“ Denn dabei verlagerten sich bis zu zwei Liter Blut vom Unterkörper in den Kopf. Das könne den Kreislauf belasten, zu Sehstörungen und bei Menschen mit Bluthochdruck oder  Herzschwäche zu unnötigen Risiken führen. Der Mediziner empfiehlt, sich daher vor der ersten Stunde vom Arzt durchchecken zu lassen.

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