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#aktivinsh : 366 Tage auf Föhr: Foto-Ausstellung in Wyk

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Der Föhrer Grafiker Harald Bickel ist ein Jahr lang jeden Tag ans Wasser spaziert und hat ein Foto gemacht. Seine 366 Bilder werden jetzt gezeigt und danach verschenkt.

Wie, 365 Tage nur Föhr? Keinen Urlaub, nicht einmal kurz aufs Festland? Harald Bickel lacht mit Blick auf seine Fotowand und zeigt die Querschläger unter den 366 Jeden-Tag-ans-Meer-Bildern, die er im Schaltjahr 2016 gemacht hat. Und tatsächlich – hier und da – ist mal Hamburg zu sehen, zweimal Wien – die Fuchs-Rettungsaktion am Schlossparkteich – und die fotogenen Kneippkurbecken von Salzgitter-Bad. „Mein Bruder hatte Silberhochzeit. Und da konnte ich ja nun wirklich nicht sagen sorry, nein, ich hab’ da ein Projekt laufen“, lacht der 50-jährige Föhrer Grafiker, der vor fast zwanzig Jahren aus Mainz zuzog, wo er auch schon fotografierte und gestaltete. Sein neuestes Inselprojekt: Jeden Tag ans Meer, mit dem Handy die Stimmung erfassen, online auf Instagram teilen, über ein Crowd-Funding-Portal Sponsoren finden, alle Fotos auf Groß ziehen (40 x 40 Zentimeter große Kunststoffplatten), zwei Monate zeigen und am Ende – zack – einfach verschenken. Und zwar an diejenigen, die Ende August auf Föhr sind und sich vorher ihr Lieblingsbild gemerkt haben. Lieblingsbilder könnte es viele geben, denn die Wetterkapriolen einer Insel gepaart mit dem Blick eines Profis und seiner Bereitschaft, öfter mal tief in die Knie zu gehen, ergeben ein wunderbares Kaleidoskop der Jahreszeiten.

Die Ausstellung in der Galerie des Reedereigebäudes (Am Fähranleger 1) ist bis zum 24. August täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Verschenk-Aktion ist am 26. und 27. August zwischen 11 und 15 Uhr.

Ann-Kathrin Meyerhof, die PR-Frau der unterstützenden Föhr Tourismus GmbH, formulierte gleich begeistert einen zusätzlichen Nutzen mit hinein: „So sehen unsere Sommergäste auch mal, wie schön es über den Winter hier ist.“ Harald Bickel hat seine täglichen Wyk-Spaziergänge mit Ehefrau Kirsten perfekt genutzt. Und weil im Winter die tief stehende Sonne über dem Meer zwischen Mittelbrücke und Schwimmbad auf- und untergeht, und nicht wie sommers hinter der Insel verschwindet, gab das fast noch die schöneren Momente. Den Höhepunkt der Dunkelheit stellt der 4. Februar, mit der beleuchteten späten Amrum-Fähre im tiefschwarzen Wattenmeer. „Eigentlich ein Notbild“, sagt Bickel. „Da bin ich den ganzen Tag nicht raus gekommen, dann haben wir uns doch aufgerafft – und dann solch ein Motiv!“.

Interessant die Aussagen einiger Gäste, die ohne die kalendarische Hängung gar nicht eindeutig hätten sagen können, wann nun was aufgenommen wurde. Fazit: Föhr – immer schön?

„Manches Drama entsteht erst in der Verstärkung“, sagt Bickel. Die er auch damit erreicht, dass er mal auf die Knie fällt. Das gibt spannende Perspektiven: Riesenkorallen und Monstereisverwerfungen am Spülsaum, die in Wirklichkeit nur zentimeterklein sind. „Aber Fotoaufnahmen sind eh keine Reproduktion der Natur“, findet Bickel. Ein bisschen getunt ist jedes Foto, ehe es auf Instagram gepostet wurde. „Kontraste, Farben, ich wollte die Wirkung unterstützen und die besonderen Stimmungen weitergeben“. Frei machen musste sich der Fotograf oft von den Kommentaren der User im Netz, wenn sie zum Drama der Sonnenuntergangsfarbgewalt applaudierten und die kleine Nebelnovelle links liegen ließen. „Da muss man aufpassen und sich immer wieder fragen: Fotografiere ich für Anerkennung?“

Hat sich der Blick über Jahr betrachtet eigentlich gewandelt? Harald Bickel hat selbst oft darüber nachgedacht, konnte bei seinen Fotos aber keine signifikante Änderung in der Wahrnehmung feststellen. „Daraus schließe ich, dass ich meine Ausdrucksstärke gefunden habe, und sie sich eben durchzieht.“

Menschen kommen bei ihm selten vor. Fische auch nicht. „Ich fand den Gedanken ohnehin ganz faszinierend: Da ist man am Meer und hat keine Fische auf den Fotos. Dabei ist Fisch für die Touristen ganz eng mit einem Inselurlaub verbunden. Stattdessen viel Strand, weiter Himmel und Brücken. „Das ganze Projekt von Utersum aus, würde wieder ganz anders aussehen“, sagt Bickel, der nur vier Spazierminuten vom Meer entfernt in Wyk wohnt.

Da hinter vielen Fotos eine Geschichte steht, die Bickel am Eröffnungsabend bereitwillig anriss, wandert der Betrachter – jetzt auf sich selbst gestellt – an den Wänden des Raumes entlang und denkt sich seinen Teil. Und entdeckt Farben und Felsen, die auch im Südchinesischen Meer sein können. Entdeckt die Mittel- und die Seglerbrücke in immer neuem Licht und neuer Linie, spürt den Himmel, wird von Nebel, Sonne und Wasserwucht empfangen – tritt zurück von der Wand und genießt das Farbenmeer einer Insel.

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erstellt am 19.Jul.2017 | 03:15 Uhr

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