Tausendfach geteilt : Video: Bäcker kämpft mit den Tränen und bittet um Hilfe in Corona-Krise

Ein Bäcker ringt um Fassung: Gerhard Bosselmann wendet sich mit einem Video an seine Kunden und Mitarbeiter. Screenshot: facebook.com/bosselmann.dielandbaeckerei
Ein Bäcker ringt um Fassung: Gerhard Bosselmann wendet sich mit einem Video an seine Kunden und Mitarbeiter. Screenshot: facebook.com/bosselmann.dielandbaeckerei

Ein Bäcker aus Hannover macht mit einem emotionalem Video auf die schwierige Situation des Mittelstandes aufmerksam.

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20. März 2020, 16:01 Uhr

Hannover | Am Freitagmittag postet die Bäckerei Bosselmann aus Hannover ein Video, das innerhalb weniger Stunden tausendfach geteilt wird.


Hier wendet sich Inhaber Gerhard Bosselmann an seine Kunden und Mitarbeiter. Er bedankt sich bei seinen Mitarbeitern, die kein Homeoffice machen, sondern an vorderster Front die Stellung halten. Auch in schlechten Zeiten sei der Bäcker für seine Kunden da. Doch auch die Kunden müssten die Bäcker vor Ort unterstützen. Hier bricht seine Stimme und er kämpft mit den Tränen.

Er bittet seine Kunden weiterhin Brötchen und Gebäck beim lokalen Bäcker zu kaufen. "Scheiß egal, wie der heißt".

Weiter sagt er, dass sich der Mittelstand alleine gelassen fühle von der Politik und dass Kredite zu spät gewährt würden. Wenn er einen bestimmten Umsatz nicht mindestens erreiche, dann wird seine Bäckerei nach sechs bis acht Wochen sterben, noch bevor der von der Regierung versprochene Kredit ihn erreicht.

Schon heute müsse die Bäckerei Bosselmann zehn Filialen schließen.

Brötchen geschenkt

Unter Tränen und mit belegter Stimme verspricht er trotz seiner schwierigen Lage, dass Ärzte, Krankenschwestern und Rettungswagenfahrer jederzeit bei ihm umsonst Backwaren bekommen. "Mein Sohn ist auch Arzt", sagt er.

Das Video endet mit dem Satz "In a world where you can be anything, be kind" (deutsch: In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei nett).

In Schleswig-Holstein kämpfen gerade vor allem die Bäcker, die hauptsächlich mit Cafés ihr Geld verdienen um ihre Existenz, sagt Jan Loleit, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbandes Schleswig-Holstein. Und das betreffe vor allem die Bäckereien in den Küstenregionen, die vom Tourismus leben würden. Aber auch bei den Ladengeschäften machen sich die Ausgangsbeschränkungen bemerkbar.

Hinzu käme bei den Mitarbeitern eine Unsicherheit wegen der bevorstehenden Kurzarbeit. Da gäbe es viele Fragen. "Das Bäckerhandwerk kennt Kurzarbeit nicht", erklärt Loleit.

Er könne Gerhard Bosselmann gut verstehen. "Das Video ist sehr persönlich, sehr rührend." Loleit halte es für wichtig der Öffentlichkeit zu sagen, wie die Handwerksbetriebe gerade empfinden.

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