Gefahren und Risiken : Bilder, die unter die Haut gehen: Worauf beim Tätowieren geachtet werden sollte

<p>Die Stiche und Nadeln können es in sich haben: Durch die Sticheleien in tieferliegende Hautschichten können im schlimmsten Fall Entzündungen, Allergien und bleibende Hautschädigungen auftreten.</p>

Die Stiche und Nadeln können es in sich haben: Durch die Sticheleien in tieferliegende Hautschichten können im schlimmsten Fall Entzündungen, Allergien und bleibende Hautschädigungen auftreten.

Sie sind dauerhaft unter der Haut - und sollten deshalb wohl überlegt sein. Tipps und Infos, die beim Wunsch nach dem dauerhaften Hautschmuck berücksichtigt werden sollten.

shz.de von
12. September 2018, 04:15 Uhr

Mittlerweile findet jeder zehnte Bundesbürger Gefallen daran, seine Haut mit mehr oder weniger kunstvollen Tätowierungen zu dekorieren. Der Gang in ein Tattoo-Studio, um sich dort unwiderruflich Tinte und Farbpigmente unter die Haut stechen zu lassen, sollte nicht einer vorübergehenden Laune entspringen, sondern vorher gut überlegt und sorgfältig geprüft sein. Denn die resistenten Sticheleien zieren den eigenen Körper nicht nur ein Leben lang, sondern sie sind auch manchmal mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

Welche Wirkungen die in die Haut eingebrachten Farbpigmente auf den Organismus haben, ist noch weitgehend unerforscht. Sicher ist, dass sich die Pigmente oder deren Abbauprodukte an anderen Stellen im Körper wie zum Beispiel in Lymphknoten wieder finden können.

Vor dem Griff zur Nadel sollten Interessierte nicht nur deshalb folgende Stichpunkte mit im Blick haben:

Keine Haftung bei Komplikationen:
Professionelle Tätowierer sollten Kunden vor dem ersten Stich ausführlich mündlich und schriftlich über mögliche Risiken, Komplikationen, Allergien und die anschließende Tattoo-Wundpflege informieren. In vielen Fällen kann es auch sinnvoll sein, sich im Vorfeld über Tattoo und Wundversorgung ärztlich beraten zu lassen. Denn künftige Tattoo-Träger müssen im Gegenzug die Folgekosten für auftretende Komplikationen oder für Tattoo-Entfernungen ganz oder größtenteils selbst zahlen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel hierfür keine Kosten.

Keine Tattoos für Risikogruppen:
Für Schwangere oder Patienten, die Antibiotika oder immunschwächende Medikamente einnehmen, ist die Tattoo-Prozedur aufgrund des Infektionsrisikos ungeeignet. Bei Herzerkrankungen, Diabetes oder Blutgerinnungsstörungen ist ebenfalls von einer Tätowierung abzuraten. Dies gilt auch bei einer Neigung zu Allergien, Ekzemen oder offenen Wunden. Vorsicht gilt auch bei einer Nickel-Allergie, da der vielfach hautunverträgliche Stoff bislang in vielen untersuchten Tattoo-Farben gefunden wurde.

<p>Tattoos hatten lange Zeit ein Schmuddelimage - doch mittlerweile sind sie auch in der westlichen Kultur salonfähiger geworden. </p>
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Tattoos hatten lange Zeit ein Schmuddelimage - doch mittlerweile sind sie auch in der westlichen Kultur salonfähiger geworden.

 

Sterile Hygiene im Studio:
„Tätowierer“ ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, d.h. im Prinzip kann jeder ein Tattoo-Studio eröffnen. Daher sollte der Tätowierer zumindest eine Hygieneschulung absolviert haben. Denn bei unsachgemäßen Nadelstichen ist die Entzündungs- und Verletzungsgefahr groß. Mangelnde Hygiene kann HIV-, Hepatitis- oder andere Infektionen auslösen. Stechwillige sollten vor einer Behandlung fragen, ob im Studio ein separater Raum mit abwischbaren Oberflächen und Liegen mit frischen Einwegtüchern vorhanden ist und ob sterile Nadeln und Instrumente verwendet werden. Der Tätowierer sollte auch nur zu sterilen Einmal-Farbtuben greifen. Das Wasser zum Verdünnen der Farben sollte ebenfalls aus sterilen Einwegpackungen stammen.

Stiche und Farben haben es in sich:
Durch die Stichelei mit der Tätowiernadel in tieferliegende Hautschichten können Entzündungen, Allergien und bleibende Hautschädigungen auftreten. Einige Tattoo-Tinten weisen allergieauslösende Stoffe oder problematische Azofarbstoffe auf. In einigen gelben Tinten wurden zum Beispiel Cadmiumsalze nachgewiesen, die bei Sonnenbestrahlung starke Hautreizungen auslösen können. Schwarze Tinten, die vor allem den Ruß-Farbstoff „Carbon Black“ enthalten, können mit krebserregenden aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet sein.

Auf Prüfzertifikat bei Tattoo-Tinten achten:
Gewissenhafte Körperkünstler benutzen nur unbedenkliche Farben mit Prüfzertifikat. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten sich Anhänger des farbigen Körperkults vom Tätowierer ihrer Wahl schriftlich bestätigen lassen, dass die verwendeten Tinten den gültigen Vorgaben entsprechen und keine krebserregenden aromatischen Amine, Phenole, Nitrosamine, PAK oder Schwermetalle enthalten. Kunden, die ein Tattoostudio betreten sollten sich deshalb eine schriftliche Bestätigung geben lassen, dass das Produkt der Deutschen Gesetzgebung (Tätowiermittel-Verordnung) entspricht. Hin und wieder kommt es vor, dass man mit der Aussage getäuscht wird, dass das Produkt der europäischen Gesetzgebung über Tätowiertinten entspreche – eine solche Gesetzgebung existiert allerdings bisher nicht. Die Chargennummern auf den vorgelegten Zertifikaten und dem Tintenbehältnis müssen übereinstimmen. Es sollte darauf geachtet werden, dass mindestens Name und Anschrift des Herstellers, sämtliche Inhaltsstoffe, die Chargennummer, ein Mindesthaltbarkeitsdatum und Angaben zur Haltbarkeit nach dem Öffnen tragen.

(Mit Material der Verbraucherzentrale)

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