Tanzend durch die Angst : Wie wir aus Krisen stark werden – Mirja du Mont über Stress, Panik und das Nein sagen

Seele und Körper im Einklang: Dafür hat hat Mirja du Mont mit Hilfe einer Therapie gekämpft.
Seele und Körper im Einklang: Dafür hat hat Mirja du Mont mit Hilfe einer Therapie gekämpft.

Sie ist erfolgreich. Sie ist Model, Moderatorin und Schauspielerin. Aber auch Partnerin, Mutter, Tochter und Freundin: Mirja du Monts Tagesplan ist prall gefüllt. Aber nicht mehr so durchgetaktet, wie vor drei Jahren. Damals erlitt Mirja du Mont einen schweren Hörsturz mit Gehörverlust, Tinnitus und starken Angstattacken.

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04. April 2021, 08:00 Uhr

Osnabrück | Die 45-Jährige hat es mit viel Kraft und Hilfe aus dieser Krise heraus geschafft. In ihrem neuen Buch beschreibt sie, wie so ein Teufelskreis aus Stress und Sorgen durchbrochen werden kann.

„Mir war acht Monate lang am Stück schwindelig, ich konnte auf dem rechten Ohr gar nichts mehr hören. Ich hatte Angst, sogar Angst vor dem U-Bahn Fahren, ich steckte in einer tiefen Krise“, erzählt sie. Auch, wenn die Hamburgerin von einer für sie schlimmen Zeit berichtet, klingt ihre Stimme hoffnungsvoll und fröhlich. Das sei allerdings nicht immer so gewesen. Durch zu viel Stress im Job, zu viele Aufträge, die sie parallel absolvierte, dem Drang nach Perfektionismus und dem Ignorieren ihrer eigenen Gefühle wurde ihr seelisches Gleichgewicht völlig aus der Bahn geworfen. Davor möchte Mirja du Mont warnen und Menschen sensibilisieren, auf ihren Körper und Geist zu hören.

In ihrem Buch „Keine Panik, Blondie“ beschreibt sie ihren Weg vom ausgebuchten Showstar bis hin zum Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Und das sei keinesfalls etwas, für das sie sich schämen würde, sagt sie mit kraftvoller Stimme. „Ich möchte mit meinem Buch auf das Thema psychische Erkrankungen aufmerksam machen und zeigen, dass es einen Weg gibt, wieder ein schönes erfülltes Leben zu haben“. Dieser Weg sei aber kein leichter gewesen: Monatelang kann du Mont nicht allein das Haus verlassen oder in ein Kaufhaus gehen, ohne dass sich alles um sie herum zu drehen beginnt, ohne Angst im Rücken, ohne Ohrenrauschen oder Schweißausbrüchen. Sie wird therapeutisch behandelt, hat „tolle Ärzte und Psychologen“, die ihr in unzähligen Gesprächen und Therapien helfen, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. Auch die Unterstützung ihrer Freundinnen und Freunde und ihrer Familie sei ein wichtiger Faktor gewesen, um wieder auf die Beine zu kommen.

Sensibilisieren und mit Tabus brechen

Der Hörsturz sei ein Alarmsignal ihres Körpers gewesen: „Bei dem Stress hätte es auch ein Herzinfarkt oder Schlaganfall werden können, erklärte mir damals mein Arzt“, sagt sie. „Ich hatte also eigentlich richtig Glück.“ Aber nach Glück fühlte sich das Jahr 2018 zunächst nicht für du Mont an. Geholfen habe ihr die Einsicht, so nicht weiterleben zu wollen, endlich wieder lachend auf ein Musikfestival gehen zu wollen und ihren Liebsten keine Sorgen mehr zu bereiten. „Ich finde es unglaublich wichtig, dass sich Menschen, die merken, dass es ihnen nicht gut geht, Hilfe suchen und sich nicht verstecken.“ Ihr Buch solle aufklären, das Thema psychische Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen ein Stück weit zu enttabuisieren. Denn psychische Krankheiten nehmen in der Bevölkerung stetig zu: „Im Jahr 2018 lag laut DAK-Psychoreport die Anzahl der Fehltage aufgrund von psychischen Leiden bei 236 pro 100 Versicherte“, schreibt Mirja du Mont in ihrem Buch. Dennoch sei es immer noch ein Tabu-Thema, über diese Erkrankungen öffentlich zu sprechen.

„Ich habe schon viele Nachrichten von Menschen bekommen, die sich abgeholt fühlen, die dankbar sind für meine Zeilen“, sagt du Mont und klingt selbst dankbar dabei. Auch in Zeiten der Pandemie kommen Ängste und Sorgen immer mehr auf. Existenzsorgen oder das Gefühl, nicht frei entscheiden oder handeln zu können. Du Mont rät: „Es tut gut, auf seinen Körper zu hören und einfach mal durchzuatmen. Ich gehe zum Beispiel jeden Tag spazieren. Oder, wenn ich merke, die Angst schleicht sich wieder an, dann atme ich dreimal tief in den Bauch und versuche, meine Gedanken zu ordnen.“ Sie ergänzt: „Bei Angststörungen sind die Ängste meistens nicht real, es sind Gefühle, die hochkommen und sich äußern. Ich sage mir dann, dass mir dadurch nichts passieren kann.“

Manchmal würde es auch einfach helfen, die Situation real zu bewerten: „Geht es mir wirklich so schlecht? Was kann ich tun, damit es mir besser geht?“. Oder, was du Mont besonders hilft: Musik. „Ich tanze für mein Leben gerne und liebe Musik. Manchmal drehe ich sie ganz laut auf, tanze durch das Wohnzimmer und singe mit und versuche so, die Anspannungen zu lösen.“ Auch ein heißer Tipp: eine ausgiebige Dusche.

Die Ängste und Sorgen bei Tanzen durch das Wohnzimmer besiegen, die Musik laut aufdrehen und mal richtig laut mitsingen.
iStock/fizkes
Die Ängste und Sorgen bei Tanzen durch das Wohnzimmer besiegen, die Musik laut aufdrehen und mal richtig laut mitsingen.

Nein sagen lernen und eins nach dem anderen

Natürlich weiß Mirja du Mont, dass all diese Tricks nicht immer helfen. Manche Krisen sind so schwer, dass viel Zeit, professionelle Hilfe und Ausdauer für eine Bewältigung nötig sind. Mirja du Mont hat viel gelernt: „Ich habe mein Leben geändert, ich kann wieder arbeiten, aber mein Terminkalender ist nicht mehr so voll, ich mache einen Job nach dem anderen.“ Den Stress minimieren, das könne jedem helfen, der sich aktuell unwohl fühlt. Hinzu kommt ein wichtiger Punkt, den Mirja Du Mont jedem ans Herz legen möchte „Ich habe in der Therapie gelernt, auf mich zu hören, nicht perfekt sein zu müssen und auch einfach mal Nein zu sagen.“ Das sei ihr zuvor schwer gefallen, sie habe niemanden enttäuschen und alles auf einmal erledigen wollen. Nun gelte die Divise: Eins nach dem anderen und nur das tun, was gut tut.

Tief in den Bauch atmen und zur Ruhe kommen ist wichtig für die Stressreduktion.
iStock/azur13
Tief in den Bauch atmen und zur Ruhe kommen ist wichtig für die Stressreduktion.

Hoffnungsvoll bleiben

Mirja du Mont hat ihre schwere Krise hinter sich gelassen und kann wieder unbeschwert durchs Leben tanzen. Das wünsche sie sich auch für andere Erkrankte so sehr. Auch, wenn die Angst bei ihr nicht komplett weg ist und ab und zu versucht, an ihr „hoch zukriechen“, lässt sie sich nicht unterkriegen. „Und das sollten wir alle nicht“, rät sie. „Manchmal kann es schon helfen, sich ein schönes Ziel im Kopf für die Zeit nach der Pandemie auszumalen. Ich hoffe so sehr, dass wir bald vielleicht wieder an die Nord- oder Ostsee reise dürfen, um etwas durchzuatmen.“

Drei Tipps für mehr Achtsamkeit im Alltag

Alle Sinne nutzen: Psychologinnen und Psychologen raten: Nutzen Sie all ihre Sinne. Zum Beispiel beim Essen. Riechen und schmecken Sie bewusst und genießen Sie achtsam das, was Sie zu sich nehmen. Das ist gut für die Psyche, unsere Gedankenspiralen werden unterbrochen. Und ganz nebenbei ist achtsames Essen auch förderlich für eine gesunde Verdauung.
In Bewegung bleiben: Das baut laut Medizinern Stresshormone ab, stärkt das Herz-Kreislauf-System und auch das Immunsystem. In Pandemiezeiten reicht auch ein ausgiebiger Spaziergang von 40 bis 60 Minuten.
Eins nach dem anderen: Multitasking ist zwar total angesagt und steht für Leistungsfähigkeit, ist aber überhaupt nicht gut für das psychische Wohlbefinden. Besser eine Aufgabe nach der anderen erledigen und zwischendurch drei Mal tief durchatmen. Das fördert auch die Konzentration und kann einen Teufelskreis aus Stress und Überarbeitung verhindern.
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