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Strengere Regeln : Kaminöfen: Das müssen Sie jetzt wissen

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Ab Januar gelten schärfere Grenzwerte für Feinstaub-Ausstoß. Eine Nachrüstung der Kaminöfen lohnt sich in der Regel nicht. Fragen und Antworten.

Kaum fallen die Blätter, qualmen die ersten Schornsteine. Rund 350.000 Kaminöfen werden pro Jahr in Deutschland verkauft. Billigmodelle gibt es bereits für weniger als 400 Euro im Baumarkt, Luxusausführungen kosten bis zu 9000 Euro. Etwa 15 Millionen Kamin- und Kachelöfen gibt es mittlerweile in deutschen Haushalten, teilt das Umweltbundesamt mit. Der Boom ist zwar gut für das Klima, da Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, allerdings eher schlecht für die Luftqualität. Besonders sehr alte Öfen stehen in der Kritik, weil sie keine Filteranlage haben und entsprechend viel Feinstaub in die Luft geblasen wird. Um diese Emissionen in Zukunft einzuschränken und das Klima zu schützen, gelten ab Januar 2015 strengere Regeln. Insgesamt sind rund 4,5 Millionen „Einzelraumfeuerungsanlagen“ von der Nachrüstung mit Staubfiltern oder vom Austausch betroffen. Viele Verbraucher haben bereits reagiert, die restlichen müssen sich jetzt sputen.

Warum ist der Feinstaub-Ausstoß so problematisch?

„Schadstoffe können an Tagen ohne frischen Wind oder bei Nebel nur schwer abziehen“, erläutert Verena Dittrich von der Kieler Stadtverwaltung. Wenn die Luftdurchmischung fehlt, legt sich die warme Luftschicht wie ein Deckel über die kältere Schicht am Boden. Dort sammeln sich die Schadstoffe von Öfen an. Das gilt besonders in eng bebauten Gebieten. Da ist der Ärger bei den Nachbarn abzusehen, denn die Abgase sorgen für Geruchsbelästigung und können auch das Atmen erschweren. Um Ärger zu vermeiden, sollte an solchen Tagen der Ofen aus Rücksicht einfach aus bleiben.

Wieviel Feinstaub ist erlaubt?

Bislang dürfen kleine und mittlere Feuerungsanlagen bis 150 Milligramm Feinstaub und bis zu vier Gramm CO2 pro Kubikmeter ausstoßen. Ab Januar sind nur noch Grenzwerte zwischen 40 und 75 Milligramm Feinstaub erlaubt. Ob diese Emissionswerte überschritten werden, prüft ein bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger vor Ort und liefert die entsprechenden Nachweise. Offene Kamine und Kochherde sind von den Auflagen ausgenommen.

Was passiert, wenn der Ofen die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht einhält?

Im Einzelfall sind Fristverlängerungen möglich. Sie dienen zur Umrüstung des alten oder zum Kauf des neuen Ofens.

Lohnt sich die Nachrüstung alter Öfen?

Eine Umrüstung mit einem Filtersystem liegt preislich bei 1500 bis 2000 Euro, rechnet sich also eher nicht. Schornsteinfeger raten, sich beim Neukauf an den Standards der Feinstaub-Stufe zwei zu orientieren. Bei einem guten Händler bekommt der Kunde ungefragt die für den Betrieb erforderliche Prüfstandsmessbescheinigung für den neuen Ofen. Sie bescheinigt, dass alle aktuellen Umweltauflagen erfüllt werden.

Wie kann man die Emissionen des Kamins drosseln?

„Grundsätzlich verbrennt Holz CO2-neutral“, berichtet Dittrich. Man sollte am besten trockenes Holz (weniger als 20 Prozent Feuchtigkeit) verwenden, das mindestens eineinhalb bis zwei Jahre gelagert wurde. Optimal ist, wenn die Holzstämme vor der Lagerung gespalten werden und der Wind durch die aufgeschichteten Stapel wehen kann. Das wirkt sich auch auf den Energieverbrauch positiv aus. Buche und Eiche stehen bei Verbrauchern hoch im Kurs. Aber auch Nadelhölzer sind gut geeignet. Fichte zum Beispiel hat einen höheren Brennwert als Buche. Es ist verboten, alte Zeitungen im Ofen zu verheizen. Papier ist nur zum Anzünden erlaubt, Fachleute empfehlen allerdings Anzünder. Auch Tannenzapfen gehören nicht in den Ofen, da sie mehr Schwermetalle aus der Luft filtern und speichern als Holz. Das hat zur Folge, dass die Emissionen beim Verbrennen entsprechend höher sind.

Welche Vorteile hat ein Pelletofen?

Die Bedienung ist einfacher, aber er ist weniger romantisch, weil das prasselnde Feuer fehlt. Das Brennmaterial wird automatisch aus einem Vorratsbehälter in den Brennraum transportiert. Je nach Bedarf kann die Temperatur am Pelletofen eingestellt werden. Ist diese erreicht, schaltet sich das Gerät automatisch ab. Er heizt ökonomischer, allerdings stört mitunter das Rauschen des Gebläses und der Transport der Pellets.

Datenbank für alte Kaminöfen: Der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik hat  eine Feuerstätten Datenbank  mit über 5000 Geräten  zur Recherche der Werte des jeweiligen Ofen ins  Netz gestellt. Ein Ausdruck der Angaben reicht  dem zuständigen Bezirksschornsteinfeger als  Nachweis aus, dass der Ofen die Grenzwerte nicht überschreitet. http://dpaq.de/JiydC. Alternativ finden Verbraucher die Werte in den Geräteunterlagen, oder ein Schornsteinfeger misst nach. In den kommenden Jahren werden die Schonfristen für weitere Modelle ablaufen: 2017 die für Kaminöfen der Baujahre 1975 bis 1984, 2020 für Modelle der Baujahre 1985 bis 1994. 2024 müssen Öfen, die im Zeitraum von 1995 bis 31. März 2010 gefertigt wurden und nicht die Grenzwerte einhalten, ausgetauscht oder nachgerüstet sein.
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erstellt am 27.Okt.2014 | 19:38 Uhr

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