Ärgernis Marder : Kabelkiller unter der Motorhaube

Marder haben jetzt Hochkonjunktur: Bis Ende Juni sind  Autos  besonders stark gefährdet.   Foto: dpa
Marder haben jetzt Hochkonjunktur: Bis Ende Juni sind Autos besonders stark gefährdet. Foto: dpa

Marder sind Autoliebhaber - zum Ärger der Pkw-Besitzer. Die Tiere beißen Kabel durch und verursachen Reparaturkosten von 40 Millionen Euro pro Jahr.

shz.de von
25. Mai 2009, 05:33 Uhr

Kiel | Kleines Tier, große Wirkung: Streikt der Wagen am Morgen, ist nicht unbedingt die leere Batterie Schuld. Immer häufiger werden im Freien geparkte Autos Opfer der beißwütigen Marder, die mit ihren spitzen Zähnen nicht nur Zündkabel zerbeißen. Marder gibt es inzwischen überall - auch im Norden. Die possierlichen schwarz-braunen Kerlchen haben unter der Motorhaube einen neuen Lebensraum entdeckt haben, und besonders Jungtiere nutzen das Innere eines Autos als Abenteuerspielplatz. Gefährlich für die Kabel und Schläuche ist jedoch das aggressive Revierverhalten ausgewachsener Männchen, erklärt Maximilian Maurer vom ADAC. Sie markieren mit Urin oder einem Drüsensekret ihr Revier. Wird dann vom ahnungslosen Menschen das Auto im Revier eines fremden Marders geparkt, so gerät das angestammte Tier ob seines vermeintlichen Nebenbuhlers so in Rage, dass es aus lauter Wut die Inneneinrichtung seiner "geschändeten" Wohnung zerbeißt.

"Dies erklärt, warum die meisten Marderschäden im Frühjahr, wenn das Territorium abgesteckt wird, und im Herbst zur Ranzzeit auftreten", schildert Biologe Karl Kugelschafter aus Gießen den Grund der Beißattacken, denen hauptsächlich weiche Gummiteile wie Kabel bäume, Zündkabel, Wasserschläuche oder Lenkmanschetten zum Opfer fallen.

Und das immer häufiger: In den Jahren 2004 bis 2007 verzeichnete der Gesamt verband der deutschen Ver sicherungswirtschaft einen Anstieg um 26 Prozent auf aktuell rund 180000 Schadensfälle. Kosten: rund 40 Millionen Euro

Nicht alle Versicherungen übernehmen die Reparaturkosten. Und selbst wenn, ersetzten einige "nur die unmittelbar beschädigten Teile, nicht die möglichen Folgeschäden", so Maurer. Zieht ein zerbissener Kühlwasserschlauch einen Motorschaden durch Überhitzung nach sich, sind nur die Kosten für den Kühlwasserschlauch abgedeckt. Wurde ein Selbstbehalt vereinbart, liegt dieser oft über den Reparaturkosten, so dass der Versicherte gar keine Erstattung erhält.

Um sich vor Schäden durch Marderbisse zu schützen, sind vermeintliche Hausmittel keine wirkliche Hilfe. So sind im Motorraum deponierte Hundehaare, WC-Steine oder Duftsäckchen mit Knoblauch, Katzenabwehrstoffen oder Pfeffer völlig wirkungslos, erläutert der ADAC. Schon eine Fahrt im Regen genüge, um den Duftstoff wieder abzuwaschen. Außerdem gewöhnten sich die Tiere schnell an die Gerüche. Besser ist es, durch Marderbisse gefährdete Zündkabel mit Wellrohren aus Hartkunststoff zu ummanteln. Auch auf dem Boden des Stellplatzes verlegter Maschendraht halte die Räuber ab, weil sie den für sie unangenehmen Untergrund meiden. Der frei verlegte Draht vibriert, dadurch werden die Tiere irritiert. Als weitere funktionierende Methode empfiehlt der ADAC, die Tiere mit Ultraschall- oder Elektroschockgeräten zu verjagen. Die Metallplättchen werden an allen bequemen Liegeplätzchen und Einstiegstellen im Motorraum aus gelegt und unter Hochspannung gesetzt, ähnlich wie bei einem Weidezaun. Der Marder bekommt einen Schlag, der ihn zwar erschreckt aber nicht verletzt - er flüchtet. Solche Geräte kosten rund 140 Euro. Eine gründliche Motorwäsche kann ebenfalls hilfreich sein, wenn in der Nachbarschaft Fahrzeuge bereits von Mardern heim gesucht worden sind.

Laut ADAC haben die "Kabelkiller" jetzt Hochkonjunktur. Kurz vor Beginn der Paarungszeit Ende Juni hätten die Revierkämpfe der Marder ihren Höhepunkt erreicht. Fatal für Autofahrer ist, dass sich die Schäden oft erst nach Tausenden von Kilometern bemerkbar machen. Vor einem brauchen sich Marder-gebeutelte Autobesitzer allerdings nicht zu fürchten. "An die Bremsanlage gehen Marder praktisch nicht", beruhigt Maurer.

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