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Sekundäres Ertrinken : Im Bett ertrunken: Ein seltenes aber reales Phänomen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Junge ist nach einem harmlos erscheinenden Schwimmunfall in seinem Bett gestorben. Wir erklären, wie man die Anzeichen für das sekundäre Ertrinken erkennen kann.

shz.de von
erstellt am 09.Jul.2017 | 17:46 Uhr

Sommerzeit ist Badezeit. Doch die Badesaison wird auch immer von tödlichen Unfällen überschattet. Ein besonders außergewöhnlicher, bei dem ein Kind lange nach dem Planschen im Meer verstarb, sorgte kürzlich für Unruhe bei Eltern: Der vierjährige Junge aus dem US-Bundesstaat Texas verbrachte mit seiner Familie einen Tag am Meer. Zwar wurde er von einer Welle kurz unter Wasser gespült, aber er schien das Erlebte gut überstanden zu haben. Eine Woche später starb er. Ertrunken im eigenen Bett, wie US-Medien berichteten.

Eine seltene, aber reale Gefahr

Doch wie konnte es dazu kommen, dass ein vermeintlich harmloser Badeunfall so schwerwiegende Konsequenzen haben kann? „In diesem Fall spricht man vom sekundären Ertrinken“, erklärt Achim Wiese von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). „Und ja, das ist tatsächlich eine reale Gefahr, auch wenn es sehr selten vorkommt.“ Und führt weiter aus: „Während ein Mensch beim primären Ertrinken zumeist noch im Wasser oder kurz nach dem Badeunfall an Sauerstoffmangel verstirbt, tritt der Tod beim sekundären Ertrinken erst später ein.“

So wie bei dem Fall in den USA: Durch das bei dem Unfall in die Lunge geratene Salzwasser hatten sich bei dem Kind Lungenödeme gebildet, die verhinderten, dass das Organ ausreichend Sauerstoff aufnehmen konnte.

Diese Verzögerung sei das Tückische am Phänomen des sekundären Ertrinkens: „Alles scheint gut zu sein, das Kind wurde ja aus dem Wasser gezogen und wirkt fit“, so Wiese.

Doch der Schein kann trügen, daher sollten Eltern immer zum Arzt gehen, wenn ihr Kind einen auch noch so harmlos wirkenden Badeunfall hatte, sagt Wiese. „Wichtig ist, dass man dort sagt, dass das Kind mit den Atemorganen unter Wasser war, denn dann wissen die Ärzte, wonach sie suchen müssen.“

Die Anzeichen für sekundäres Ertrinken

„Menschen, die Wasser in die Lunge bekommen haben, entwickeln oftmals spezifische Anzeichen, die einen aufmerksam machen sollten. Dazu gehören Übelkeit, Durchfall, Unruhe, blaue Lippen, Hustenreiz und eine röchelnde Atmung“, erläutert Wiese. „Spätestens wenn diese Symptome auftreten, ist der Gang zum Arzt Pflicht.“

Trockenes Ertrinken

Wiese weist auf eine weitere Gefahr hin, die zumeist kleinere Kinder betrifft: das sogenannte trockene Ertrinken. Fallen Kinder ins Wasser löst sich bei ihnen oftmals ein schockartiger Reflex aus, der die Stimmritze im Rachenraum und so die Atmung blockiert. „Sie können dann nicht mehr atmen und ersticken.“

Dieser Reflex sei normal, auch Erwachsene halten zumeist erst einmal die Luft an, wenn sie ins kalte Wasser fallen. „Man kann bei sich selbst und auch mit den Kindern jedoch üben, diesem Reflex entgegenzuwirken. Beispielsweise indem man unter der Dusche übt, bei kaltem Wasser nicht die Luft anzuhalten, sondern stoßweise auszuatmen, also zu prusten.

Vorsichtig kann dies auch Kindern beigebracht werden: „Beim Baden in der Wanne spritzt man ihnen behutsam Wasser ins Gesicht und ermuntert sie dazu, ebenfalls zu prusten.“

Der stille Tod im Wasser

2016 sind in Deutschland 537 Menschen ertrunken, 46 von ihnen waren im Alter von Null bis 15 Jahre. Während bei sehr kleinen Kindern die Badewanne oder der unbeaufsichtigte Gartenpool Gefahrquelle Nummer Eins sind, ist es bei den Kindern zwischen fünf und zehn Jahren das Schwimmbad.

Als begleitender Erwachsener sollte man daher nie vergessen: Auch das primäre Ertrinken sieht nicht aus, wie man es sich oftmals vorstellt. Statt wild um Hilfe zu rufen ist der Körper damit beschäftigt, die lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff zu versorgen, berichtet der ehemalige Rettungsschwimmer Mario Vittone auf seiner Website.

Der Grund: Der Mund befindet sich unter der Wasseroberfläche, kann also gar nicht rufen. Winken ist nicht möglich, weil die Arme instinktiv seitlich ausgestreckt werden. Eine Schutzfunktion, die den Körper an der Wasseroberfläche halten soll. Zudem geht es schnell: Nur zwischen 20 und 60 Sekunden können sich Personen an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen.

Achim Wiese von der DLRG rät daher: „Eltern sollten ihre Kinder nie unbeaufsichtigt am und im Wasser – egal ob Eimer, Badewanne, Pool oder See – spielen lassen. Fallen sie rein und gerät ihr Kopf unter Wasser, sollten sie mit ihnen zum Arzt gehen.“

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