Ratgeber : Hochzeit ohne Trauschein - nur für Katholiken

Kirchliche Trauung  ohne vorherige Eheschließung im Standesamt: Katholiken dürfen diesen Weg gehen - in Ausnahmefällen. Foto: Staudt
Kirchliche Trauung ohne vorherige Eheschließung im Standesamt: Katholiken dürfen diesen Weg gehen - in Ausnahmefällen. Foto: Staudt

Heiraten nur mit dem Segen der Kirche - ohne Standesamt: Im Erzbistum Hamburg hat das erste Brautpaar von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch gemacht. Die "Ehe Light" gibt es aber nur für Katholiken und soll die Ausnahme bleiben.

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19. Januar 2009, 10:19 Uhr

Kiel | Wem es nur um den kirchlichen Segen für den Bund des Lebens geht, kann sich den Gang zum Standesamt sparen. Kirchliche Trauungen sind neuerdings auch ohne vorherige standesamtliche Eheschließung erlaubt - also die "Ehe-Light". Möglich macht dies eine Änderung im neuen Personenstandsgesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Rechtsexperten hatten schon lange kritisiert, dass die seit Bismarck vor geschriebene Zivilehe mit der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit nicht vereinbar ist.
Der Staat gibt jetzt also den Vorrang der Ziviltrauung auf. Damit ist es in die Entscheidung der Religionsgemeinschaften gestellt, ob sie kirchliche Trauungen ohne vorherige standesamtliche Eheschließung zulassen. Die katholische Kirche geht diesen Weg. Für den Vatikan ist die bürgerliche Trauung ohnehin nie bindend gewesen; in der evangelischen Kirche sind nach dem geltenden Kirchenrecht solche rein innerkirchlichen Trauungen aber weiterhin verboten. Das spiegelt ein unterschiedliches Eheverständnis wider: Für die Katholiken ist die Eheschließung von sakramentaler Bedeutung. Protestanten stellen die weltlich geschlossene Ehe nur unter Gottes Segen. "Das bedeutet, dass vor einer kirchlichen Trauung in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche auch weiterhin die Ehe standesamtlich geschlossen werden muss", erklärt Presse referent Mathias Benckert.
"Auch aus Schleswig-Holstein liegt uns bereits ein Antrag vor"
Von dem neuen Recht hat am vergangenen Wochenende bereits ein katholisches Paar in Mecklenburg Gebrauch gemacht. "Auch aus Schleswig-Holstein liegt uns bereits ein Antrag auf eine rein kirchliche Eheschließung vor", bestätigte am Freitag der Sprecher des Erzbistums Hamburg Manfred Nielen. Voraussetzung sei jedoch das Einverständnis des Bischofs. Denn auch bei den Katholiken wird diese Art der Trauung weiterhin als "Ausnahmefall" eingestuft.
Wenn der Bischof keine kirchenrechtlichen Einwände hat, spricht er sein "nihil obstat" (Es steht nichts im Wege) aus. Vom Brautpaar muss zuvor schriftlich bestätigt werden, dass es sich der Tatsache bewusst ist, dass eine kirchliche Eheschließung keinerlei Rechtswirkungen mit sich bringt und dass Pflichten wie die materielle Fürsorge für Kinder und Ehepartner erfüllt werden. "Ziel dieser Regelung ist es, einen leichtfertigen oder missbräuchlichen Umgang mit der kirchlichen Eheschließung zu verhindern und so die Ehe durch eine besondere Prüfung in diesen Ausnahmefällen zu schützen", so die Bischofskonferenz.
Rechtlich verbindlich sind kirchliche Eheschließungen aber nicht
Interessant könnte die rein konfessionelle Ehe für Lebenspartnerschaften sein, die bisher zwar "Tisch und Bett" teilen, aber nicht "Mann und Frau" werden konnten, ohne ihren Anspruch auf Witwenrente zu verlieren. Auch für junge Menschen kann es sich wegen der Ausbildungsförderung BAföG lohnen, zuerst kirchlich zu heiraten und mit der standesamtlichen Trauung bis zum Ende des Studiums zu warten. Bislang mussten solche Paare nach Österreich ausweichen, um sich Gottes Segen für ihren Lebensbund zu holen.
Rechtlich verbindlich sind kirchliche Eheschließungen aber nicht. "Ein Paar, das sich kirchlich, aber nicht standesamtlich trauen lässt, befindet sich in einer Ehe, die vom staatlichen Recht als nicht eheliche Gemeinschaft an gesehen wird - mit allen Konsequenzen", warnt der Regensburger Professor für Familienrecht, Dieter Schwab. Das bedeutet: kein Unterhalt, kein Erbrecht, kein Splitting-Tarif, keine Schutzvorschriften für den Schwächeren beim Scheitern der Ehe, auch kein Zugewinnausgleich. Nachteilig ist auch, dass das Ehepaar keinen gemeinsamen Familiennamen führen darf, keine aus der Ehe abgeleiteten Rentenansprüche geltend machen kann und vor Gericht kein Zeugnisverweigerungsrecht hat. Ein Recht auf Auskunft durch einen Arzt und ein Besuchsrecht im Falle ernsthafter Krankheit besteht ebenfalls nicht.

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