Internethandel : Grenzenloses Geschenke-Shopping

Weihnachtsgeschenke günstig einkaufen – doch die Schnäppchenjagd im Internet hat ihre Tücken.
Weihnachtsgeschenke günstig einkaufen – doch die Schnäppchenjagd im Internet hat ihre Tücken.

Manches Weihnachtsgeschenk mag außerhalb Deutschlands billiger sein. Doch bei der Online-Bestellung von Präsenten im EU-Ausland müssen rechtliche Besonderheiten beachtet werden. shz.de zeigt, welche.

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25. November 2013, 14:57 Uhr

Schuhe aus Italien und das Smartphone aus den Niederlanden – bei der Suche nach Weihnachtsgeschenken im Web überschreitet man schnell Ländergrenzen. Neun von zehn Internetnutzern, so heißt es in einer Studie des IT-Verbands Bitkom, kaufen regelmäßig im Web ein, immer mehr erweitern den Radius und gehen auch im Ausland auf Schnäppchenjagd. Doch das kann auch Ärger mit sich bringen, warnt die Europäische Verbraucherzentrale (EVZ).

Tipps zum Einkauf im Internet:

Impressum beachten

Ein Blick in das Impressum kann ein erster Hinweis auf die Seriosität des Händlers sein. „In der ganzen EU müssen Online-Händler ein Impressum vorhalten“, sagt Felix Braun vom EVZ. Das muss immer eine Postadresse sein. Ist hier nur eine Postfachanschrift, eine Mail-Adresse oder Telefonnummer angegeben, sollte man lieber einen anderen Anbieter aufsuchen.

Mehrwertsteuer

Es gilt der Mehrwertsteuersatz des Landes, in dem die Ware gekauft wird. Der ist in der Regel im Gesamtpreis enthalten.

Bezahlung

Bei der Bezahlung ist es stets von Vorteil, wenn der Kauf auf Rechnung oder per Lastschrift erfolgen kann. Dann kann der Kunde die Ware nämlich nach Erhalt bezahlen und läuft nicht Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. Sicher ist in diesem Fall auch die Kreditkarte. Wird hier Schindluder getrieben, kann der Karteninhaber binnen sechs Wochen Abbuchungen rückgängig machen. Dasselbe gilt auch für Lastschriftverfahren.

Nichtgefallen

Und wenn dann die Ware nicht gefällt? Wie ist es mit der Rückgabe? Kunden haben in den meisten EU-Ländern nur sieben (Werk-)Tage nach Erhalt der Ware Zeit, sie zurück zum Händler zu schicken. Zwar kann man sich auch auf deutsches Recht berufen und hätte damit 14 Tage Zeit, die Ware zu widerrufen. Wer sieben Tage einhält, ist aber immer auf der sicheren Seite.

Rücksendung

Auch bei den Kosten für die Rücksendung gilt unterschiedliches Recht. In Deutschland übernimmt der Verkäufer die Kosten für die Rücksendung, wenn die Ware mehr als 40 Euro kostet. In anderen Ländern muss die Rücksendung grundsätzlich der Verbraucher zahlen.

Gewährleistung

Die Gewährleistungsregeln sind hingegen in allen EU-Ländern gleich. Ist eine Ware beschädigt, muss der Verkäufer sie zunächst nachbessern oder ersetzen. Kann er das nicht, muss er den Preis zurückerstatten. Dabei gilt bei Neuware eine Frist von zwei Jahren für die Gewährleistung.

Zusatzkosten

Bedenken sollte man beim EU-weiten Shoppen im Internet auch, dass noch weitere Kosten – zum Beispiel möglicherweise hohe Versandkosten – hinzukommen können. Zudem können Wechselkurs-Gebühren anfallen, wenn man in einem Nicht-Euro-Land wie Großbritannien bestellt. „Dann kann auch das Bezahlen teurer werden“, warnen die Verbraucherschützer.

Keine Zölle

Für Produkte aus EU-Ländern dürfen weder Zölle noch die Einfuhrumsatzsteuer (nicht zu verwechseln mit der Mehrwertsteuer) berechnet werden.

Plagiate

Beim Bestellen von besonders günstigen Markenartikeln ist Vorsicht vor Plagiaten geboten. Es gibt auch bestimmte Produkte, die nicht ohne weiteres über einen Online-Shop in einem anderen EU-Staat eingekauft werden dürfen. Dazu gehören Tabakwaren, Kaffee und Alkoholika (siehe www.zoll.de).

Gütesiegel

Hilfreich sind Gütesiegel. Wirbt ein Händler beispielsweise mit dem Logo „Trusted Shop“ wurde dessen Zuverlässigkeit vor der Siegelvergabe überprüft. Doch Vorsicht: Es kommt vor, dass seriöse Siegel unerlaubt verwendet werden oder dass mit Phantasiesiegeln Qualität vorgetäuscht wird.

Lieferzeit

Damit das Geschenk pünktlich unter dem Tannenbaum liegt, gilt es die Lieferfristen zu beachten. Allein die Auslandsüberweisung kann mehrere Tage dauern, und auch der Postversand aus dem Ausland nimmt oft viel Zeit in Anspruch.

 

Wer im Streitfall Hilfe benötigt, weil er sich mit dem Händler nicht einig wird, kann sich mit allen wichtigen Unterlagen (Kopien der Verträge, E-Mail-Verkehr etc.) an das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland wenden. „Mithilfe von Kollegen aus dem Land, in dem der Unternehmer sitzt, werden sich unsere Juristen um eine gütliche Einigung mit dem Händler bemühen – und zwar völlig kostenlos“, erklärt EVZ-Chef Bernd Krieger. Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland Bahnhofsplatz 3, 77694 Kehl. E-Mail: info@cec-zev.eu

Tipps für die Zahlung per Kreditkarte:
Sinnvoll ist es, den Händler um dessen internationale Bankverbindungsdaten zu bitten. So stellt man sicher, dass man für die Überweisung ins Ausland nicht mehr Gebühren zahlt als für eine inländische. Verbraucherschützer raten zudem nur dann per Kreditkarte zu zahlen, wenn man sich auf einer sicheren Webseite befindet (erkennbar an einem Vorhängeschlosssymbol im Rahmen des Browserfensters und an dem „s“ hinter „http“, also https://www...). Außerdem sollte die Kartenprüfnummer (dreistellige Ziffer im Unterschriftsfeld auf der Rückseite Ihrer Kreditkarte) niemals dem Händler persönlich geschickt, sondern nur in die dafür vorgesehenen Felder eintragen werden.

Wer ganz sicher gehen will, legt sich für Internetgeschäfte eine zusätzliche Kreditkarte zu, die nur einen geringen Verfügungsrahmen hat. Profis drucken sich zudem ihre Bestellung beziehungsweise ihren Kaufvertrag (auch die detaillierte Produktbeschreibung) sowie die AGB und Widerrufsbelehrung aus oder speichern sie auf ihrem Computer ab, da es durchaus vorkommt, dass die Angaben im Nachhinein verändert werden.

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