Ein Überblick : Versicherungen: Welche Policen Senioren wirklich brauchen

Ab einem bestimmten Alter ist nicht mehr jede Versicherung nötig. Manche Policen werden dafür umso wichtiger. /dpa-tmn
Ab einem bestimmten Alter ist nicht mehr jede Versicherung nötig. Manche Policen werden dafür umso wichtiger. /dpa-tmn

Welche Versicherung ist nötig? Welche kostet zu viel und kann gekündigt werden? Fragen, die sich ab und zu jeder stellen sollten - insbesondere, wenn sich Lebensumstände ändern. Tipps für Senioren.

Avatar_shz von
20. Mai 2020, 04:20 Uhr

Was brauche ich wirklich? Diese Frage sollte sich jeder ab und zu stellen. Mitunter kann man damit sogar sparen - etwa wenn man sich von der einen oder anderen überflüssigen Versicherung trennt.

Senioren zum Beispiel brauchen manchen Schutz nicht mehr, die Berufsunfähigkeitsversicherung zum Beispiel. Andere Policen können wichtiger werden. Ein Überblick:

- Privathaftpflichtversicherung: Wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür aufkommen - und zwar in unbegrenzter Höhe. Darum ist eine Haftpflichtversicherung in jedem Lebensabschnitt unverzichtbar. Die Versicherung zahlt alle Schäden, die jemand fahrlässig oder sogar grob fahrlässig verursacht, bis zu der im Vertrag vereinbarten Summe.

«Es lohnt sich, regelmäßig zu prüfen, ob es günstigere und bessere Haftpflichtversicherungsverträge gibt», sagt Simone Weidner von der Stiftung Warentest. Neue Tarife seien manchmal günstiger und leistungsstärker, als ältere Policen. Senioren sollten darauf achten, dass die Police Deliktunfähigkeit beinhaltet. Dann zahlt der Versicherer oft auch für Schäden, die durch Demenz verursacht wurden.

- Krankenversicherungen: Eine Krankenversicherung müssen alle haben. Doch auch hier sollten Senioren den Preis im Auge behalten. «Privat Krankenversicherte, die unter stark steigenden Prämien zu leiden haben, können einen Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft in Erwägung ziehen», sagt Julia Alice Böhne vom Bund der Versicherten (BdV). Hierdurch lasse sich unter Umständen der Beitrag reduzieren.

Vorsicht: Bei leistungsschwachen Tarifen drohen hohe Eigenleistungen. Daher sei es bei einem Wechsel vor allem wichtig, einen Tarif mit einem bedarfsgerechten Leistungsniveau zu wählen.

Für gesetzlich Versicherte können sich eventuell Zusatzversicherungen lohnen, zum Beispiel für Wahlleistungen im Krankenhaus. Aber Achtung: «Wer bereits Vorerkrankungen hat, erhält möglicherweise keinen Vertrag mehr», sagt Weidner. Und auch hier müssen Kunden mit steigenden Versicherungsbeiträgen rechnen.

- Auslandsreisekrankenversicherung: Für Reisen ist eine Auslandsreisekrankenpolice ratsam. «Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Behandlungskosten im Ausland oft nur zum Teil oder gar nicht», sagt Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen

Das Risiko am Urlaubsort krank zu werden, steigt mit zunehmendem Alter. Und für einen medizinisch notwendigen oder besser medizinisch sinnvollen Krankenrücktransport in die Heimat, der leicht einen fünfstelligen Betrag kosten kann, kommen die Krankenkassen nicht auf.

«Wer öfter ins Ausland verreist, schließt am besten eine günstige Jahrespolice ab, Langzeiturlauber eine Langzeitpolice,» sagt Gernt. Die Angebote der Versicherungen zu vergleichen lohnt sich. Manche Versicherer erhöhen den Beitrag bereits ab 50 Jahren. Andere sehen einen Zuschlag erst ab 70 Jahren vor.

- Pflegezusatzversicherung: Immer mehr Menschen müssen gepflegt werden. Das verursacht enorme Kosten. Die gesetzlichen Leistungen reichen selbst bei geringem Bedarf kaum aus, um die Kosten zu decken. Eine Pflegeversicherung ist daher grundsätzlich sinnvoll.

Man sollte sie allerdings so früh wie möglich abschließen. Je älter der Versicherungsnehmer bei Vertragsabschluss ist, desto mehr zahlt er für den Vertrag. Wichtig ist auch das Leistungsspektrum: «Eine private Pflegezusatzversicherung sollte bereits Leistungen ab Pflegegrad 1 und bei häuslicher Pflege vorsehen», sagt Böhne.

- Unfallversicherung: Wer im Alter stürzt, kommt nicht immer glimpflich davon. Stürze gehören bei Senioren zu den häufigsten Ursachen für eine Einlieferung ins Krankenhaus. Sollten durch den Unfall Umbaukosten, Anschaffungen oder Pflegeleistungen nötig werden, hilft die Leistung der Unfallversicherung. Darum empfiehlt Böhne: «Die Versicherungssumme sollte den einmaligen Kapitalbedarf abdecken, der durch eine unfallbedingte Invalidität entsteht.»

Die meisten Versicherungen kürzen die Leistung, wenn am Unfall bereits bestehende Gebrechen oder Vorerkrankungen mitgewirkt haben. «Wählen Sie möglichst einen Tarif, der einen umfassenden Verzicht auf dieses Leistungskürzungsrechts vorsieht.» Außerdem sollte der Vertrag nicht ab einem bestimmten Alter enden.

Viele Unfallversicherer versuchen die Leistungen bei Älteren, meistens ab dem 65. Oder 75. Lebensjahr, nicht mehr als einmalige Zahlung, sondern als Rente auszuzahlen. Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen rät davon ab: «Vorteilhafter und flexibler ist in der Regel die Einmalzahlung.»

Welche Police verzichtbar ist

Viele wollen schon zu Lebzeiten für ihre Beerdigung vorsorgen. Dazu schließen sie eine Sterbegeldversicherung ab. Stirbt der Versicherte, zahlen die Anbieter die vorher vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Die Höhe der Versicherungssumme ist bei Sterbegeldpolicen garantiert. Der Schutz gilt bis ans Lebensende.

«Eine Sterbegeldversicherung ist unnötig und überteuert», sagt Simone Weidner von der Stiftung Warentest. Der Grund: Dahinter verbirgt sich eine Kapitallebensversicherung. Bei langer Laufzeit zahlt man oft mehr ein, als Hinterbliebene herausbekommen. Der Vertrag rechnet sich nur dann, wenn der Tod früh eintritt. Wer vorsorgen will, sollte daher lieber rechtzeitig Geld beiseite legen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert