Mitschnacker : Gehe nicht mit Fremden

Mehr Sicherheit: Kinder sollten den Schulweg gemeinsam  mit Klassenkameraden  zurücklegen.  Foto: dapd
Mehr Sicherheit: Kinder sollten den Schulweg gemeinsam mit Klassenkameraden zurücklegen. Foto: dapd

Expertin: Schon mit Grundschulkindern können Eltern über das Problem von "Mitschnackern" reden / Vertrauenspersonen benennen

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15. August 2011, 03:59 Uhr

Kiel/Heide | Nach einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts wird jedes fünfte Grundschulkind mit dem Auto in die Schule kutschiert. Nicht nur aus Bequemlichkeit: Berichte über "Mitschnacker", die Schulkinder auf dem Nachhauseweg ansprechen und missbrauchen, verunsichern die Eltern und schüren Angst. Dass solche schrecklichen Dinge passieren, ist traurige Realität. Dennoch: Eltern können ihre Kinder nicht vor jeder Gefahr beschützen. Deshalb sollten Kinder für Problemsituationen gewappnet werden und lernen, mit ihnen umzugehen.

"Kinder, die selbstbewusst gegenüber Tätern auftreten, werden erfahrungsgemäß seltener Opfer von sexuellem Missbrauch", sagt Julia Christiani von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK). Sexualtäter suchten sich in der Regel Opfer, die nicht gleich widersprechen und sich nicht direkt wehren. Dabei versuchten sie häufig, das Vertrauen der Kinder zu erschleichen. Sie locken mit Süßigkeiten oder dem Versprechen, kleine Kätzchen zu zeigen. Lehnt ein Kind von Anfang an solche Angebote ab, lassen Täter es oft in Ruhe.

"Kinder müssen daher lernen, Erwachsenen gegenüber laut und deutlich Nein zu sagen", sagt Dozentin Insa Stahlschmidt, die in Heide seit Jahren Präventionskurse für Eltern und Kinder anbietet. In Rollenspielen wird zum Beispiel trainiert, wie Kinder in derartigen Situationen richtig reagieren.

Dabei lernen die Jungen und Mädchen weniger, sich handgreiflich zur Wehr zu setzen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Körpersprache, Stimmtraining und die Förderung des Selbstbewusstseins. "Das hilft gegen Sexualtäter mehr als Karate-Tricks, denn Kinder können gegen Erwachsene körperlich nichts ausrichten", so Stahlschmidt.

Wichtig sei, den Kindern zu vermitteln, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn sie Gefahrensituationen aus dem Weg gehen und im Fall der Fälle laut und deutlich um Hilfe rufen.

Bei der Prävention sind aber auch die Eltern in der Pflicht:

Sie sollten den Nachhauseweg zusammen mit dem Kind ablaufen. "Der kürzeste Weg muss nicht der sicherste sein" so Stahlschmidt. Kinder sollten Wege mit vielen Passanten nutzen, die sie im Notfall ansprechen können und wo sie sich in Geschäfte flüchten können. "Und sprechen Sie sich mit anderen Eltern ab, damit möglichst kein Kind den Schulweg alleine gehen muss".

Empfehlenswert ist ein Familien-Passwort. So lässt sich erkennen, wenn ein Fremder fälschlicherweise behauptet, das Kind im Auftrag der Mutter abholen zu wollen. "Sagen Sie Ihrem Kind, dass es nur mit jemand mitgehen darf, der das richtige Code-Wort nennt", so Stahlschmidt

Kinder lieben Geheimnisse. Genau das versuchen Täter auszunutzen. "Erklären Sie Ihrem Kind, dass es keine Geheimnisse gibt, die Mama und Papa nicht wissen dürfen, egal was ein anderer sagt".

Namen und Adresse des Kindes gehören niemals von außen auf den Schulranzen, sondern sollten auf einem Schild im Inneren des Ranzens vermerkt sein. Auch T-Shirts oder Anhänger mit seinem Namen sind nicht sinnvoll, weil die persönliche Ansprache Vertrauen weckt.

Besonders mit schüchternen Kindern sollte geübt werden, wie man Passanten anspricht und um Hilfe bittet.

Allerdings kann es nicht darum gehen, dem Kind Misstrauen gegen alles und jeden einzuimpfen. Statistisch gesehen kommen Übergriffe von fremden Personen auf Kinder höchst selten vor - in den meisten Fällen stammen die Täter aus dem Familien- oder Bekanntenkreis. Experten raten Eltern dennoch, mit ihren Kindern ab einem gewissen Alter über den Umgang mit Fremden zu sprechen. "Das geht ab dem Grundschulalter", so Stahlschmidt. So sollten Eltern und Kinder zunächst gemeinsam definieren, wer überhaupt als Fremder gilt, mit dem man nicht mitgeht . "Wichtig ist, dass nicht nur die Eltern der Person vertrauen, sondern auch das Kind", rät die Heiderin. Ebenso können Eltern und Kinder besprechen, welche Dinge man in der Familie tun kann, aber nicht vor oder mit Fremden. Carmen Kerger-Ladleif, vom Verein "Dunkelziffer" in Hamburg, nennt als Beispiel die Vorliebe kleiner Kinder, sich auszuziehen. Hier müssen die Eltern klarmachen: "Zu Hause, unter uns, ist das in Ordnung, aber wenn Besuch da ist, nicht und draußen auch nicht".

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