Krankenhaus-Knigge : Zeiten, Mitbringsel, Hygiene: Was Besucher im Krankenhaus beachten sollten

Vor 9 Uhr finden im Krankenhaus meistens die Visiten statt. Daher ist ein Besuch dann besonders ungünstig.

Vor 9 Uhr finden im Krankenhaus meistens die Visiten statt. Daher ist ein Besuch dann besonders ungünstig.

Blumensträuße sind besser als Topfblumen und nach der "Schwester" sollte man nicht rufen.

Lisa-Marie Spring von
01. November 2018, 04:55 Uhr

Wer einen Patienten im Krankenhaus besucht, kann so einiges falsch machen. Ganz gleich, ob der Besuchsgrund ein freudiger ist, wie die Geburt eines Kindes, oder mit Trauer verbunden, an einige Regeln haben sich alle Besucher zu halten. Dabei geht es nicht nur darum, dass man dem Patienten mit seinem Besuch etwas Gutes tut, auch sollten andere Patienten dadurch nicht gestört werden.

Genesungskarte
  • Ist es keine Selbstverständlichkeit, dass man den Patienten besucht, weil die Beziehung zum Beispiel respektvoll-distanziert ist und auf geschäftlicher Ebene stattfindet, dann ist eine Genesungskarte angebracht, in der man gegebenenfalls einen Besuch anbietet.
Uhrzeit
  • Über Überraschungsbesuche freuen sich die wenigsten Patienten. Es gibt viele Situationen im Klinikalltag, in denen man nicht überrumpelt werden möchte. Für einen fest vereinbarten Besuch eignet sich in der Regel der Nachmittag am besten.
  • Möchte man einen  Langzeitpatienten häufiger besuchen, einigt man sich dafür idealerweise auf eine reguläre Uhrzeit. Als angemessene Besuchsdauer gelten 30 bis 60 Minuten. Ab 20 Uhr herrscht in vielen Krankenhäusern übrigens Nachtruhe.
Besucher

Tierische Besucher sind zwar theoretisch eine schöne Idee, im Krankenhaus allerdings – mit Ausnahme von Therapietieren – streng verboten.

Am besten findet der Besucht nur in einer kleinen Gruppe statt. Diese kann auch stellvertretend für eine größere Gruppe, zum Besipiel das gesamte Kollegium, erscheinen.

Grund zur Diskussion liefert die Frage, ob man Kinder mit ins Krankenhaus nehmen sollte. Es hilft, wenn man vorher anruft und das Personal nach seiner Meinung fragt und das Kind oder die Kinder auf den Besuch gut vorbereitet.

Mitbringsel
  • Von Lebensmitteln wird abgeraten, da sie oft gekühlt werden müssen und nicht lange Haltbar sind. Außerdem kann es sein, dass der Patient vieles gar nicht essen darf. Alkohol ist tabu und auch mit Tabakwaren fällt man eher unangenehm auf.
  • Lesestoff hingegen ist beliebt und unverfänglich.
  • Kennt man den Patienten besonders gut, kann man ihm auch etwas schenken, was mit seinen Hobbys zu tun hat. Zeichnen, schreiben und stricken kann man zum Beispiel auch gut im Krankenbett.
  • Ein Strauß Blumen inklusive Vase ist in Ordnung. Topfblumen gehören nicht in ein Krankenhaus, da über sie gefährliche Keime ins Krankenzimmer gelangen können. Bei der Wahl der Blumen ist außerdem zu beachten, dass man keine "Todesblumen", also für Beerdigungen typische Blumen, auswählt. Dazu gehören zum Beispiel Lilien, Callas, Astern und Chrysanthemen, vor allem in der Farbe Weiß.
Hygiene
  • Die Hygienevorschriften einzuhalten ist wohl das wichtigste für alle Menschen, die sich in einem Krankenhaus befinden.
  • Für Besucher bedeutet das, dass man mit sauberer Kleidung und gesund erscheint. Auch bei einer Erkältung, sei sie noch so leicht, sollte man den Besuch verschieben.
  • Im Krankenhaus heißt es dann: Hände desinfizieren und Abstand von Patienten mit ansteckenden Krankheiten oder einem geschwächten Immunsystem halten.
  • Die Toilette im Krankenzimmer ist für die Patienten, Besucher sollten die vorgesehenen Besuchertoiletten nutzen.
Andere Patienten
  • Im Umgang mit anderen Patienten ist Respekt besonders wichtig. Ein freundliches Lächeln und eine kurze Begrüßung sind absolut angemessen. Neugierige Blicke und die Frage danach, was dem Fremden denn eigentlich fehle, hingegen gar nicht.
  • Genauso wie das Fotografieren, wenn Mitarbeiter, Patienten oder fremde Besucher mit im Bild sind. Auch mit Kindern sollte man vorher darüber sprechen.
Personal
  • "Schwester, meine Mutter hätte gerne ein Glas Wasser. Schwester, bitte kommen!" Die Gesundheits- und Krankenpflegerin, die auch einen Namen hat und zu deren Aufgabe die Betreuung und Pflege von Menschen gehört, ist in den meisten Fällen nicht die nahe Verwandte von Besuchern und Patienten, also auf keinen Fall deren Schwester. Der Gesundheits- und Krankenpfleger ist schließlich auch nicht der Krankenbruder und der Arzt nicht der Onkel Doktor.
  • All diese Menschen spricht man genauso, wie man es auch sonst überall tut, mit ihrem Namen an. Ist dieser nicht bekannt, fragt man einfach danach. So ist der erste Schritt für ein respektvolles Miteinander getan.
So süß ein Neugeborenes auch ist, Berührungen im Gesicht können zu Krankheiten führen. Schließlich sind die kleinen Menschen noch gar nicht an ihre neue Umgebung gewöhnt. Die ersten Augenblicke des neuen Lebens fotografisch festzuhalten, ist sehr beliebt. Man muss aber darauf achten, dass niemand unfreiwillig mit ins Bild gerät.
Pixabay

So süß ein Neugeborenes auch ist, Berührungen im Gesicht können zu Krankheiten führen. Schließlich sind die kleinen Menschen noch gar nicht an ihre neue Umgebung gewöhnt.
Die ersten Augenblicke des neuen Lebens fotografisch festzuhalten, ist sehr beliebt. Man muss aber darauf achten, dass niemand unfreiwillig mit ins Bild gerät.

 

Oftmals hat das Einhalten aller Benimmregeln nicht die oberste Priorität, wenn ein emotionsgeladener Besuch im Krankenhaus ansteht. Nicht für den Besucher und schon gar nicht für den Patienten. Für diesen ist es mindestens genauso wichtig, dass man ihm so wie sonst auch begegnet. Da kann schon die typische individuelle Begrüßung eine große Geste sein.

Und somit steht das Wohl der Patienten gewissermaßen über manchen Regeln. In Kulturkreisen, in denen die Familien sehr groß sind und eine besondere Rolle spielen, kann so ein Krankenhausbesuch auch mal etwas anders ablaufen und den üblichen "Benimmregeln fürs Krankenhaus" widersprechen. Dann steht auch mal die türkische Großfamilie mit landestypischen Spezialitäten in der Hand um das Neugeborene und seine Mutter herum.

(Mit ARAG und Stil.de)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker