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Weltstillwoche : Warum Muttermilch für Babys unersetzbar ist

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Bestes Fast Food der Welt - das ist Muttermilch für Experten. Trotzdem stillen viele Mütter nicht allzu lang. Warum eigentlich?

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2017 | 05:35 Uhr

Selig nuckelnde Babys, stolz lächelnde Muttis, weiches Licht - Selfies stillender Mütter sind inzwischen in den sozialen Medien an der Tagesordnung. Dort scheint es, als sei es für die heutige Generation von Mamas das Normalste der Welt, die Brust zu geben. Stars haben es vorgemacht, die privaten Momente im Netz zu teilen. Sogar ein eigenes Stichwort ist dafür entstanden: #Brelfie, ein Mix aus Selfie und Breastfeeding, wie Stillen auf Englisch heißt.

Gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen und danach bis zu einem Alter von zwei Jahren Stillen und Beikost zu kombinieren. Wenn gewünscht, kann noch länger gestillt werden. Muttermilch gilt heute als optimale Nahrung für Säuglinge und als förderlich für die Bindung von Mutter und Kind. Beide Seiten profitieren gesundheitlich: Beim Baby sinkt etwa das Risiko für Infektionskrankheiten, Allergien und Asthma. Bei Müttern kann Stillen das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs reduzieren.

Als Grund für frühes Abstillen vermutet Aleyd von Gartzen, die Stillbeauftragte des Deutschen Hebammenverbandes, unrealistische Vorstellungen vom Leben mit Baby und ein Gefühl der Überforderung vom Stillen in der ersten anstrengenden Zeit. Aber es mangele auch an Wissen zur Praxis des Stillens, bei den Frauen und in deren Umfeld.

Das Stillen ist gesund für Mutter und Kind. Doch bei Frauen herrscht dabei oft eine große Verunsicherung. /dpa
Das Stillen ist gesund für Mutter und Kind. Doch bei Frauen herrscht dabei oft eine große Verunsicherung. /dpa Foto: Paul Zinken

Stillen ist nicht immer einfach

Die Weichen für erfolgreiches Stillen werden bereits im Krankenhaus nach der Geburt gestellt. Dort fehle aber zunehmend die richtige Betreuung, sagt von Gartzen. Werde das Kind falsch angelegt, hätten die Mütter oft schon nach zwei oder drei Tagen derartige Schmerzen durch lädierte Brustwarzen, dass sie sich von guten Vorsätzen verabschiedeten. Und das, bevor der Milchfluss überhaupt richtig in Gang gekommen sei.

Von Gartzen sieht eine große Verunsicherung: Frauen werde mit der Vielzahl von Vorsorgeuntersuchungen und Kontrollen bereits in der Schwangerschaft das Gefühl vermittelt, dass die Abläufe nicht von alleine funktionieren. Der Glauben an sich selbst - und damit auch an das intuitiv richtige Verhalten des Babys - werde jungen Müttern genommen. Die Flasche zu geben und zum Beispiel genau zu wissen, wie viel das Kind getrunken hat, suggeriert am Ende mehr Kontrolle.

Stillen in der Öffentlichkeit - ein Tabu?

Doch auch an den Mitmenschen dürfte das Stillen in der Praxis teils scheitern. Laut einer kürzlich erschienenen Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind explizit negative Reaktionen auf öffentliches Stillen zwar eher selten. Allerdings stand jeder vierte Befragte dem Stillen im öffentlichen Raum zwiespältig oder ablehnend gegenüber. Für jede Zehnte der befragten Mütter, die bereits abgestillt hatten, sei die ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit ein Grund für das Abstillen gewesen, hieß es.

Gerade in Restaurants und Cafés kann Stillen als unangebracht empfunden werden, wie vor gut einem Jahr auch ein Fall aus Berlin zeigte. Eine junge Mutter geriet mit einem Café-Besitzer aneinander und startete daraufhin eine Petition für einen gesetzlichen Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit. Das Thema wurde zwar breit diskutiert, ihre Forderung blieb am Ende aber folgenlos.

Die Nationale Stillkommission will Frauen darin bestärken, in der Öffentlichkeit zu stillen. In einer Stellungnahme spricht sie sich für einen klaren Appell an die Bevölkerung und an Mütter aus: Stillen sei gesund, könne nicht warten - egal unter welchen Umständen.

Fotos von stillenden Promis und Müttern sind womöglich ein Schritt in die richtige Richtung. Sie könnten eine breite Vorbildfunktion haben, glaubt Expertin Aleyd von Gartzen. Ob Mütter heute mehr und über einen längeren Zeitraum stillen als noch vor 20 Jahren - und aus welchen Gründen -, das wollen Forscher nun in Erfahrung bringen. Befragt werden sollen in einer Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Mütter, aber auch Hebammen, Ärzte und Pflegepersonal. Ergebnisse werden 2020 erwartet.

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