Drama vorprogrammiert : Trotz Trennung zusammen wohnen bleiben

Wer sich vom Paar zu Mitbewohnern degradiert, entwickelt eine eigene Dynamik und ganz neue Probleme. /dpa-tmn
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Wer sich vom Paar zu Mitbewohnern degradiert, entwickelt eine eigene Dynamik und ganz neue Probleme. /dpa-tmn

Die Beziehung ist beendet, was schon schmerzhaft genug ist. Aber Dinge wie ein gemeinsames Haus können Ex-Partner zwingen, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Doch genau der wäre notwendig.

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04. Oktober 2019, 05:09 Uhr

Angesichts der Mietensituation in vielen deutschen Großstädten ist das Szenario gar nicht so unrealistisch: Ein Paar hat sich getrennt, bleibt aber zusammen wohnen, weil noch wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen.

Vielleicht wegen der Kinder, vielleicht wegen einer gemeinsamen Eigentumswohnung, vielleicht, weil das Geld nicht ausreicht, um alleine zu leben. Kann das gut gehen?

Björn Enno Hermans würde diese Konstellation niemandem empfehlen. «Ich kenne niemanden, bei dem das funktioniert hätte», sagt der Systemische Familientherapeut aus Essen. Es gebe in so einem Fall keine Pause, in der sich die Partner an die nicht mehr bestehende Beziehung gewöhnen könnten, erklärt Dirk Pauli . «Der Trauerprozess fällt komplett aus, man trauert mit dem Partner und findet keinen Abstand», erläutert der Systemische Coach und Familientherapeut aus Mainz.

Valeska Riedel kann den Gedanken, räumlich zusammen zu bleiben, nachvollziehen und sieht ihn als einen Versuch, eine schwierige Lebenskrise zu bewältigen. «Diese Idee taucht häufig zu Beginn einer Trennungszeit auf und ist eine Übergangslösung für Familien mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen», findet die Sozialpädagogin.

Getrennt unter einem Dach klappt selten auf Dauer

Pflege das ehemalige Paar einen respektvollen Umgang miteinander, könnte diese Konstellation funktionieren. «Allerdings klappt das selten auf Dauer», stellt Riedel, die eine freie Praxis für Systemische Beratung, Mediation und Familientherapie führt, fest.

Wer sich vom Paar zu Mitbewohnern degradiert, entwickelt eine eigene Dynamik und ganz neue Probleme - wie in jeder Wohngemeinschaft. Wer kocht? Wer putzt? Und wer hat den Kühlschrank leer gegessen? Wenn beide das wollten und reflektiert genug seien, könnten sie sicher befreundet bleiben, findet Pauli, aber im Grunde gelte: «Wenn Schluss ist, ist Schluss.»

Auch Kinder brauchen Klarheit von Erwachsenen

Doch wäre eine solche WG-Regelung nicht besser für die Kinder? Riedel rät davon ab, an einer Situation festzuhalten, die keinem guttut. «Kinder brauchen Klarheit, Sicherheit und Stabilität von Erwachsenen», sagt sie. «Wenn Eltern so tun als sei alles in Ordnung, obwohl sie sich bei jeder Begegnung anfeinden oder wenn ihre Worte nicht zu ihrem Verhalten passen, schadet das den Kindern.»

Eher sollte das Ex-Paar gemeinsam eine Lösung für das - eventuell finanzielle Problem - suchen, empfehlen die Experten. «Kinder und Jugendliche wohnen lieber mit einem Elternteil unter engeren Verhältnissen als mit streitenden Eltern», weiß Hermans.

Lieber finanzielle Einbußen in Kauf nehmen

«Auch kann geregelt werden, wie damit umzugehen ist, wenn einer auszieht, obwohl die Wohnung beiden gehört.» Im Einzelfall sei abzuwägen, ob man erstmal lieber finanzielle Einbußen oder ein Leben bei den Eltern in Kauf nehme als weiter zusammen zu leben.

Denn was passiert beispielsweise, wenn einer der Beiden einen neuen Partner hat? Das ganze System wird noch komplexer. Der alte Partner kann wunderbar beobachten, wie sich der oder die Neue so in der Beziehung macht und wie er oder sie mit den Kindern umgeht. Die meisten Menschen haben andere Bedürfnisse, meint Hermans. «Sie wollen eine feste Person, der sie vertrauen und am nächsten sind.»

Pauli rät denjenigen, die sich für eine solche «Wir bleiben zusammen-Variante» entscheiden, es von vornherein als vorübergehende Lösung zu deklarieren. «Das Paar sollte sich das Ziel setzen, dass jeder seine Unabhängigkeit hat.»

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