Ehepaare seltener vor dem Aus : Scheidungen auf niedrigstem Stand seit 25 Jahren

Laut Statistischem Bundesamt ließen sich 2017 weniger Ehepaare scheiden als in den 25 Jahren zuvor.
Laut Statistischem Bundesamt ließen sich 2017 weniger Ehepaare scheiden als in den 25 Jahren zuvor.

Egal, ob der Entschluss zum Heiraten eher spontan oder nach reiflicher Überlegung gefallen ist - rund jede dritte Ehe in Deutschland scheitert. Im vergangenen Jahr gab es allerdings einen deutlichen Rückgang beim Ehe-Aus.

shz.de von
10. Juli 2018, 16:29 Uhr

Das durchschnittliche Scheidungspaar in Deutschland geht nach 15 Jahren Ehe zum Scheidungsrichter - meist nach einer vorangegangenen Trennungszeit von einem Jahr.

Die Frauen waren zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre und neun Monate alt, ihre Männer gut drei Jahre älter, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden über jüngste Zahlen aus dem Jahr 2017 berichtete.

Dabei erreichte die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland im vergangenen Jahr ihren niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Insgesamt verkündeten Richter mit ihrem Scheidungsbeschluss das endgültige Aus für insgesamt 153.500 Ehen. Das war ein Rückgang um 9000 Scheidungen beziehungsweise um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Niedriger als im Jahr 2017 war die Zahl der Scheidungen zuletzt im Jahr 1992 mit 135.000 Fällen. Dabei handelte es sich um absolute Fallzahlen, die nicht in Bezug zur Zahl der Eheschließungen gesetzt werden.

Nach Angaben der Statistiker lässt sich nicht sagen, ob kriselnde Paare im vergangenen Jahr zurückhaltender bei der Entscheidung über eine Scheidung waren. Denn diejenigen, die ohne Trauschein zusammenleben und sich wieder trennen, sind nicht Teil der Ehescheidungsstatistik, ebenso wenig wie die verpartnerten gleichgeschlechtlichen Paare. Und auch, ob sich die Gründe des Scheiterns einer Ehe in den vergangenen Jahren verändert haben, ist eine Frage, auf die die statistischen Zahlen keine Antwort geben können.

Es bleibt aber dabei, dass mit dem Scheitern von rund jeder dritten Ehe gerechnet werden muss. Dabei kann der endgültige Anteil an Scheidungen für einen Eheschließungsjahrgang erst nach Ablauf einer sehr langen Zeitspanne bestimmt werden, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Für die im Jahr 1992 geschlossenen Ehen lag er im Jahr 2017 bei 39,2 Prozent - und er dürfte noch weiter ansteigen, wenn in den kommenden Jahren noch mehr Menschen, die 1992 heirateten, getrennte Wege gehen.

In etwa der Hälfte aller Scheidungsfälle im vergangenen Jahr drifteten nicht nur die Eheleute auseinander, auch Familien wurden zerrissen: Knapp 124.000 minderjährige Kinder oder Jugendliche waren vom Ehe-Aus ihrer Eltern betroffen.

Besonders häufig endeten die Ehen nicht nach dem «verflixten siebten Jahr», sondern nach sechs Jahren: Knapp 8000 der Scheidungen gab es für Ehen, die 2011 geschlossen wurden. Paare, die nach 25 Jahren und mehr getrennte Wege gehen, machten einen Gesamtanteil von 17,5 Prozent aus. Im Durchschnitt liegen 15 Jahre Ehe hinter den geschiedenen Paaren.

Bei den Scheidungsanträgen gab es eine leichte Mehrheit aufseiten der Ehefrauen: In 51,5 Prozent der Fälle waren sie es, die die Scheidung einreichten. Männer stellten 40,9 Prozent der Scheidungsanträge, während in 7,6 Prozent der Ehepaare das Scheidungsverfahren gemeinsam beantragten.

Vor 25 Jahren waren Ehen übrigens bereits nach durchschnittlich nur 11 Jahren und 6 Monaten geschieden worden. Dazu trug der niedrigere Anteil geschiedener Langzeitehen bei: Im Jahr 1992 wurden mit 14.000 nur gut halb so viele Paare im Jahr ihrer Silberhochzeit oder danach geschieden. Zudem heirateten Paare damals in jüngerem Alter - auch deshalb lag das Durchschnittsalter der Geschiedenen damals um fast acht Jahre niedriger als im vergangenen Jahr. Ein Vierteljahrhundert später ist auch eine langjährige Ehe offensichtlich weniger ein Grund zum Zusammenbleiben, wenn die Beziehung ansonsten kaputt ist.

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