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Gegen den Mainstream : Papa allein zu Haus: Bedeutung des Rollentauschs für Eltern

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Die Väter bleiben zu Hause, während die Mütter wieder arbeiten gehen? Klar - zumindest für zwei Monate. Aber dauerhaft? Arne Ulbricht und seine Frau leben diesen Rollentausch schon seit Jahren. Über seine Erfahrungen hat er jetzt ein Buch geschrieben.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 04:56 Uhr

Die klassischen «Vätermonate» kennt fast jeder: Ist das Kind auf der Welt, steigen die meisten Väter für zwei Monate aus dem Berufsleben aus. Anschließend arbeiten sie mehrheitlich wieder Vollzeit, während die Frau auf eine Teilzeitstelle reduziert.

Für den Buchautor Arne Ulbricht und seine Frau wäre das keine Lösung. Sie hat promoviert und arbeitet in leitender Funktion in einem großen Unternehmen, während er als Lehrer in Teilzeit tätig ist und Sachbücher und Romane schreibt. Die Kinderbetreuung hat er komplett übernommen, nach der Geburt seiner heute 10-jährigen Tochter war er 15 Monate zu Hause, außerdem betreute er den drei Jahre älteren Sohn.

«Bei uns beiden wäre es wirtschaftlich gesehen einfach dumm gewesen, wenn wir es anders gemacht hätten», erklärt Ulbricht. Wie ihn die Zeit zu Hause geprägt hat und was der Rollentausch für die Familie bedeutet, erzählt er im Interview:

Ihre Frau geht Vollzeit arbeiten, Sie arbeiten als Lehrer in Teilzeit oder schreiben an ihren Büchern. Wie haben Sie und Ihre Frau das finanziell geregelt?

Arne Ulbricht: Die großen Posten wie Miete und Reisen wurden schon immer von ihrem Konto abgebucht. Und wenn wir mit den Kindern unterwegs sind, zahlt auch meist sie. Meistens ist es dann so, dass ich die Rechnung hingeschoben bekomme. Früher fand ich das blöd, später dann lustig - und mittlerweile ist es mir egal.

Sie schreiben in Ihrem Buch sehr oft, dass eigentlich jeder das können müsste: zu Hause zu bleiben und für die Kinder da sein. Glauben Sie nicht, dass es einfach Männer und Frauen gibt, die mit solch einer Aufteilung nicht klarkommen?

Ulbricht: Klar gibt es potenziell Männer - und auch Frauen -, die mit der Kinderbetreuung überfordert sind. Wenn mich Leute in manchen Situationen beobachtet haben, dachten sie das vermutlich auch von mir. Aber mich hat es immer aufgeregt, wenn andere zu mir gesagt haben: «Toll, Arne: Ich könnte das nicht». Denn was gibt es daran zu können? Es geht doch darum, ein traditionelles Rollenmuster zu überwinden. Und Männer können alles, was Frauen können - außer stillen.

Mit welchen dummen Sprüchen wurden Sie oder ihre Frau konfrontiert?

Ulbricht: Es gab und gibt immer wieder Momente, in denen wir das Gefühl haben, wir müssen unser Lebensmodell verteidigen. Einer der dümmsten Sprüche ist, wenn jemand fragt: «Vermisst deine Frau die Kinder denn nicht?» So etwas würde man einen Mann in Vollzeit niemals fragen. Und es unterstellt, dass meine Frau eine Rabenmutter ist, die sich für ihre Kinder nicht interessiert. Als meine Frau im Bewerbungsverfahren mit einem großen Unternehmen stand, wurde sie auch direkt gefragt: «Schaffen Sie das denn mit den Kindern zu Hause?» Auch diese Frage wäre bei Männern undenkbar.

Und vor allem von älteren Frauen höre ich öfters mal den Spruch: «Jetzt sehen Sie mal, was wir alles geleistet haben!» Da muss ich ganz brutal sagen: Nein! So ist das gar nicht. Wenn ich ehrlich bin, bringt mir das sehr viel Spaß und die Zeit zu Hause ist entspannt - wenn die Kinder gesund sind. Rückblickend betrachtet, zählen die 15 Monate, in denen ich komplett ausgestiegen bin, zur schönsten Zeit.

Wie haben Ihre Kinder den Rollentausch kommentiert?

Ulbricht: Die haben da nie groß was zu gesagt, für sie war das immer so. Sie kennen es ja nicht anders. Auch von den Freunden kam da nie was. Kinder sind da eben sehr offen.

Welchen Tipp haben Sie für Väter?

Ulbricht: Ganz grundsätzlich: Ich trete gar nicht dafür ein, dass das alle Väter so wie ich machen sollten. Aber ich wünsche mir, dass junge Eltern das überhaupt als Option sehen. Und als Tipp würde ich weitergeben: Lasst eure Frauen arbeiten, schickt sie weg und macht so viel wie möglich alleine mit euren Kindern. Man ist keine bessere Mutter, aber auch keine schlechtere.

Homepage von Arne Ulbricht

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