Aussehen, Bildung, Status : Kriterien bei der Partnerwahl: „Gerne schlau, aber bitte nicht schlauer als ich“

<p>Die meisten gemischtgeschlechtlichen Paare haben ein ähnliches Bildungslevel, besagt eine Studie des Statistischen Bundesamts.</p>

Die meisten gemischtgeschlechtlichen Paare haben ein ähnliches Bildungslevel, besagt eine Studie des Statistischen Bundesamts.

Der „Alpha-Softie“ hat die besten Karten bei Frauen, Männer wünschen sich vor allem eine hübsche Partnerin, sagt Psychologin Lisa Fischbach.

shz.de von
09. November 2018, 05:12 Uhr

Psychologin Lisa Fischbach vertritt eine These: „Frauen wünschen sich als Idealbild des Partners den Alpha-Softie“: einen gutaussehenden Mann mit Status, mit dem man - auch wegen seiner Bildung und Empathie - tiefergreifende Unterhaltungen führen kann, der Wünsche erkennt, ein „Versorgertyp“ ist und zugleich leidenschaftlicher Liebhaber. Das ganze Paket also steht bei Frauen auf der Wunschliste an Platz eins - nicht gerade einfach zu erfüllen. Dieses ausgefeilte Modell sei selten, sagt Fischbach, die bei der Online-Partnersuche ElitePartner den Bereich Forschung und Matchmaking leitet.

Die Ansprüche von Frauen an potenzielle Partner sei im Vergleich zu den Männerwünschen in den letzten Jahren zwar stärker gewachsen, doch insgesamt gleichen sich die Kriterien bei den Geschlechtern nach Angaben von Fischbach immer mehr an.

Frauen wollen Status, Männer gutes Aussehen

Tendenziell legen Frauen noch immer viel Wert auf den Status des Mannes und dieser wiederum auf das Aussehen der Frau, doch der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Partnerwahl sei nicht mehr so groß wie noch vor wenigen Jahren, erklärt die Psychologin. „Ich glaube, dass die Partnerwahl immer gleichberechtigter wird, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz zunimmt“, sagt sie. Diese Umbruchphase, in der Stereotype sich langsam auflösen und Geschlechterrollen neu definiert werden, werde aber noch dauern.

<p>Besonders bei jüngeren Paaren haben Partner und Partnerin einen ähnlichen Bildungsabschluss.</p>
unsplash / Joe Yates

Besonders bei jüngeren Paaren haben Partner und Partnerin einen ähnlichen Bildungsabschluss.

 

Dazu passt, dass mittlerweile viele Paare einen ähnlichen Bildungsstand haben: ganze 63 Prozent. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2017 hervor, in der alle Altersstufen befragt wurden. Nur 27 Prozent betrug der Anteil von gemischtgeschlechtlichen Paaren, in denen die Männer höher qualifiziert waren. Bei jedem zehnten Paar hat die Frau einen höheren Abschluss. Das Klischee vom Chefarzt, der eine Gesundheits- und Krankenpflegerin heiratet, scheint in Deutschland also ausgedient zu haben.

Noch deutlicher zeichnet sich diese Tendenz bei nicht-verheirateten, jüngeren Paaren ab - hier sind 15 Prozent der Frauen besser qualifiziert als ihr Partner, 65 Prozent der Paare sind gleich gebildet und 20 Prozent der Männer haben ein höheres Bildungslevel.

Ungleichheit im Beruf

Während hinsichtlich der Bildung bei der Partnerwahl also Ähnlichkeiten bestehen, gibt es im Bereich „Beruf und Karriere“ weiterhin Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Sozialpsychologin Professor Petia Genkova von der Hochschule Osnabrück erklärt, dass wenn das Paar zum Beispiel ein erstes gemeinsames Kind habe, die Frau häufig flexible Arbeitszeiten wähle und in der Karriere nicht weiterkomme.

Laut aktueller Statistik arbeitet bei immerhin zwölf Prozent der Paare, bei denen die Frau die höhere Bildung hat, nur der Mann. Auch wenn beide einen Uni-Abschluss haben, sei die Frau meist entweder in einem schlechter bezahlten Sektor tätig oder bekomme nach mehreren Jahren weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen, so die Professorin. Wer das Geld hat, habe mehr Macht, auch in einer Partnerschaft - die Ausbildung sei dann nicht mehr so wichtig. „Es gibt einen Umbruch, aber für eine echte Angleichung ist weiter harte Arbeit nötig“, so die Professorin.

(Mit dpa)

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