Wenn sich das Kind verletzt : Gestürzt, verbrannt, verschluckt - so handeln Eltern bei Unfällen richtig

Kleine Unfälle passieren mit Kindern im Alltag nun mal. Nicht immer sind sie ein Fall für den Arzt. Wie Eltern erkennen, ob sich ihr Kind verletzt hat - und was im Zweifelsfall zu tun ist.

shz.de von
09. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Sie klettern auf Bäumen und Gerüsten, von denen sie kaum herunterkommen. Oder sie müssen wissen, ob der Topf auf dem Herd wirklich so heiß ist, wie Mama oder Papa es behauptet - wenn Kinder die Welt entdecken, tun sie sich manchmal weh. In solchen Situationen ist es wichtig, dass Eltern wissen, was zu tun ist.

Das Kind fällt vom Klettergerüst

Wenn das Kind beim Spielplatz vom Klettergerüst stürzt, ist das ein Schock für jedes Elternteil. So tief wie Kinder dabei manchmal stürzen, rechnet man mit dem Schlimmsten. Steht das Kind nach dem ersten Schreck einfach wieder auf und verhält sich normal, ist in der Regel alles in Ordnung. In den kommenden Stunden sollten Eltern aber auf fünf Alarmsymptome achten: Wenn sich das Kind erbricht, Kopfweh hat, aus einem Ohr blutet, abwesend wirkt oder sehr schläfrig ist, könnte das auf ein Schädel-Trauma hindeuten. In dem Fall sollten Eltern ihr Kind im Krankenhaus untersuchen und 48 Stunden lang überwachen lassen.

Auf einem Kita-Spielplatz geht es meist laut zu. Doch diesen Lärm muss die Nachbarschaft dulden.
Jens Büttner
Auf einem Kita-Spielplatz geht es meist laut zu. Doch diesen Lärm muss die Nachbarschaft dulden.

 

Der Junge oder das Mädchen hat eine Platzwunde

Es gehört zu den großen Rätseln der Elternschaft, warum Kinder so häufig zielgenau auf eine Kante fallen. Die Folge ist eine Platzwunde, die stark blutet. Klassische Körperteile: Stirn, Kinn, Augenbraue. Solche Wunden verheilen nicht von allein, sie sollte genäht oder - heute häufiger - geklebt werden.
 

Das Kind verbrennt oder verbrüht sich



In Weihnachten ein nicht selten gesehenes Szenario: Das Kind verbrennt sich durch Kontakt mit den Adventskranz. Eine Verbrennung ist schmerzhaft, umso wichtiger ist es, sofort zu reagieren, wenn Flammen oder heißes Wasser auf die Haut geraten sind. Der Verein Paulinchen, der den Tag des verbrannten Kindes ins Leben gerufen hat, gibt Tipps für den Notfall:

<p>Schön anzusehen, aber auch ganz schön gefährlich: Adventskränze. </p>

Schön anzusehen, aber auch ganz schön gefährlich: Adventskränze.

  • Notruf 112 wählen
  • Verbrennungswunden zur Schmerztherapie ca. zehn Minuten mit handwarmem Wasser kühlen (ca. 20 °C), bis der Rettungsdienst eintrifft.
  • Wegen Unterkühlungsgefahr nur die verletzten Stellen kühlen
  • Nicht kühlen bei großflächigen Verletzungen (mehr als 15% der Körperoberfläche), bei Neugeborenen und Säuglingen und bei bewusstlosen Personen.
  • Flammen durch Wälzen am Boden oder mit Wasser löschen.
  • Bei Verbrennungen eingebrannte Kleidung nicht entfernen.
  • Bei Verbrühungen dem Kind die durchnässte Kleidung sofort ausziehen und dabei die Windel nicht vergessen.
  • Bei Stromverletzungen sofort den Stromkreis abschalten.
  • Bei thermischen Verletzungen im Bereich des Körperstamms und am Kopf ist von einer Kühlung abzusehen.
  • Die Wundareale sind steril bzw. sauber abzudecken.


Häufiger aber ist auch heißes Wasser aus dem Kochtopf oder der Teekanne, an dem sich kleine Kinder verbrühen. Stoff, der festklebt, sollte allerdings nicht entfernt, sondern gegebenenfalls umschnitten werden, empfiehlt die Stiftung Warentest in einem Ratgeber zu Erster Hilfe bei Kindern. Geht eine Brandblase auf, muss sie immer medizinisch versorgt werden, weil sich die offene Wunde entzünden könnte. In dem Fall muss das Kind ins Krankenhaus.
 

Schreck am Mittagstisch: das Kind verschluckt sich

Auch diese Situationen sind keine Seltenheit im Alltag und sehr gefährlich: Das Kind hat eine Nuss, ein Bonbon oder Stück Apfel verschluckt, und es bleibt stecken. Das kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein. Jedes Eltern- und Großelternteil muss dann sofort handeln können.

Säuglinge, die den Kopf noch nicht halten können Auf den Rücken und fünf Mal hintereinander fest auf die Mitte des Brustkorbs drücken
Alteres Baby Man legt das Baby bäuchlings über den eigenen Oberschenkel und klopft fest fünf Mal zwischen die Schulterblätter. Der Gegenstand sollte dann wieder herausfallen.
Kindern über einem Jahr Auch bei diesen versucht man es zunächst mit dem Klopfen zwischen den Schulterblätern. Klappt das nicht, wendet man bei diesen Kindern den sogenannten Heimlich-Handgriff an, den wirklich jeder beherrschen sollte: Man legt die Arme von hinten um den Oberkörper, platziert die Hände zu Fäusten geballt am Oberbauch des Kindes, wo der Solarplexus sitzt. Dann zieht man die Fäuste ruckartig zu sich heran und presst damit die Restluft aus der Lunge heraus. Niemand sollte Angst haben, dabei etwas kaputt zu machen. Ehe ein Rettungswagen da ist, vergeht häufig zu viel Zeit.

Eventuell gefährlich: Das Kind hat etwas potenziell Giftiges getrunken oder gegessen

Kinder sind neugierig. Steht irgendwo eine Putzflasche mit einer lustig bunt aussehenden Flüssigkeit herum, nippen sie schon mal daran. Beobachten Eltern so etwas, sollten sie als erstes beim Giftnotruf unter der Nummer +49 30 19240 anrufen. Dort kann man angeben, was das Kind geschluckt hat und bekommt genaue Anweisungen, was zu tun ist. Was immer hilft: ein Glas Wasser zu trinken geben - aber keine Milch. Zum Erbrechen bringen sollte man das Kind ebenfalls nicht.

Diese Putzkiste sieht aber interessant aus. Solange Kinder nur gucken, kein Problem. Kosten sie aber von dem schönen bunten Putzmittel, kann es gefährlich werden. /dpa-tmn
Bodo Marks
Diese Putzkiste sieht aber interessant aus. Solange Kinder nur gucken, kein Problem. Kosten sie aber von dem schönen bunten Putzmittel, kann es gefährlich werden. /dpa-tmn
 
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