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Diakonie Schleswig-Holstein : Zwischen Eigenständigkeit und Sicherheit: Arbeiten in einer Werkstatt

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Einen großen Strauß an Möglichkeiten - das bieten die Schleswiger Werkstätten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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erstellt am 13.Okt.2017 | 04:38 Uhr

Schleswig | Max Krüger strahlt. Er liebt seinen Job in einem Online-Fachhandel für Spirituosen, der mit den Schleswiger Werkstätten kooperiert. „Ich bin total gern hier, und gerade erst habe ich meinen Gabelstaplerschein gemacht“, sagt der 25-Jährige, der bei den Schleswiger Werkstätten beschäftigt ist. Sein Kurzzeitgedächtnis macht ihm immer wieder Probleme. Durch die Werkstätten hat er einen Außenarbeitsplatz bekommen, wo er seine Stärke einsetzen kann und wo auf seine Schwäche Rücksicht genommen wird. 

Schon seit 15 Jahren arbeitet auch Meike Schlösser aus den Schleswiger Werkstätten für den Versandhandel in Schuby. Eine Lernschwäche hat es ihr bisher auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer gemacht. „Ich bin sehr zufrieden hier. Mir macht die Arbeit Spaß, und ich darf Teil eines Teams sein.“ Meike Schlösser ist mittlerweile in der Abfüllung so routiniert, dass darüber nachgedacht wird, sie in ein festes Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

<p>Meike Schlösser füllt Spirituosen ab.</p>

Meike Schlösser füllt Spirituosen ab.

Foto: Julia Voigt
 

Rund 30 Prozent der gut 800 Werkstattbeschäftigten an den insgesamt 15 Standorten der Schleswiger Werkstätten wollen gern den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen. „Es gibt jedoch auch viele, die brauchen die festen Strukturen der Werkstätten“, weiß Einrichtungsleiter Jan-Henrik Schmidt. Je nach Fähigkeiten, Wünschen und Neigungen werden Menschen unterschiedlichster Behinderungen im Werkstattbetrieb eingesetzt. Um Beschäftigten wie Meike Schlösser und Max Krüger auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, werden verschiedene Maßnahmen fest eingeplant.

„Wir haben einen großen Strauß an Möglichkeiten zur Verfügung“, so Jan-Henrik Schmidt. Vor fünf Jahren wurde die „Schleswiger Arbeitsbegleitung (SAB)“ gegründet. Sie baut Brücken zwischen Werkstattbeschäftigten und Arbeitgebern aus der Region. Vier Fachleute pflegen ein eng gestricktes Netzwerk, fungieren als Arbeitsvermittler und bringen das Know-how mit. So behalten Beschäftigte die Sicherheit der Schleswiger Werkstätten und bekommen dennoch einen Eindruck davon, welche Arbeit für sie auf dem freien Markt geeignet sein könnte. Der Bedarf an Mitarbeitern sei groß, und die Nachfrage steige an. 

Fit machen für den ersten Arbeitsmarkt

Neben dem Service des SAB haben Werkstattbeschäftigte verschiedenste Angebote der freiwilligen Fort- und Weiterbildung. „Das fängt beim Bewerbungstraining an bis hin zum Führerschein“, weiß Jan-Henrik Schmidt. Ebenso wurden die Rahmenbedingungen sowohl für Arbeitgeber wie potenzielle Arbeitnehmer aus den Werkstätten wesentlich verbessert. Dazu gehört beispielsweise das Modellprojekt „Budget für Arbeit“. „Hier werden Werkstattbeschäftigte zum Mindestlohn und darüber hinaus sozialversicherungspflichtig angestellt. Falls das scheitert, können sie unbürokratisch zurück“, erklärt der Einrichtungsleiter. „Jeder, der den Mut hat, sollte Erfahrungen sammeln und wählen dürfen.“ Bei Vorstellungsgesprächen kommen Betreuer mit und geben Schützenhilfe. Auch Probetage und Praktika werden begleitet.

Ausgebildet wird in den Schleswiger Werkstätten in verschiedenen Berufszweigen. Zudem steht die Förderung der sozialen und lebenspraktischen Fähigkeiten im Vordergrund. Die Auswahl an Sportangeboten, Kreativseminaren und Bildungsmaßnahmen ist deshalb groß. „Wir haben beispielsweise eine Medienwerkstatt, die Werbekonzepte erarbeitet.“ Jeden Tag setzen sich Pädagogen, Therapeuten und viele andere Fachkräfte dafür ein, dass Menschen mit Handicaps ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können.

Rund 11.000 Menschen mit Behinderungen arbeiten hierzulande in Werkstätten – zwei Drittel davon in den 21 diakonischen Einrichtungen. Wie sieht die Arbeit dort konkret aus? Wie offen ist die Gesellschaft für Menschen mit Behinderungen? Wie wirksam ist Inklusion? Die Serie „Miteinander“ in Zusammenarbeit mit der Diakonie Schleswig-Holstein informiert darüber. Alle Infos unter www.shz.de/diakonie-sh

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