Diakonie Schleswig-Holstein : Werkstatt 4.0 – der IT-Bereich im Rendsburger „Materialhof“

„Eigentlich sind wir ein ganz normales IT-Unternehmen“, sagt Dennis Krabbenhöft, Leiter der Materialhof-IT der „Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie“.

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28. September 2017, 10:07 Uhr

Viel wird in diesen Tagen über die Herausforderungen der Digitalisierung gesprochen – über Vernetzung, moderne Computersysteme, Breitbandnetze und soziale Medien. Dieses Thema ist längst auch in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung angekommen. Führend dabei: Der Materialhof in Rendsburg, eine Werkstatt der Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie. Dort wird für Unternehmen aber auch private Kunden ein breites Spektrum an Hard- und Softwarelösungen angeboten.

Norbert Behrends prüft Angebote von Zulieferern.
Diakonie Schleswig-Holstein

Norbert Behrends prüft Angebote von Zulieferern.

 

Norbert Behrends sitzt in einem modern ausgestatteten Büro und schaut konzentriert auf seinem Computerbildschirm. Langsam scrollt er eine Liste mit Hardwarekomponenten hoch und runter. Hinter einige macht er ein Häkchen. Gemeinsam mit vier Kollegen ist der 63-Jährige für den Ein- und Verkauf im IT-Bereich des Materialhofes verantwortlich. „Die Komponenten sind für Computer, die wir hier nach Kundenwünschen zusammenbauen“, sagt Norbert Behrends. „Wichtig ist vor allem, dass die Zulieferer die Termine einhalten können und natürlich der Preis.“

Norbert Behrends checkt mit Dennis Krabbenhöft die Aufträge.
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Norbert Behrends checkt mit Dennis Krabbenhöft die Aufträge.

 

In seinem ersten Leben war Norbert Behrends als Diplomverwaltungswirt in der Landesverwaltung beschäftigt. Nach einer psychischen Erkrankung konnte er dort aber nicht mehr arbeiten. „Der Druck war zu hoch“, erinnert er sich. In der Werkstatt fand er vor 16 Jahren einen neuen, angemessenen Arbeitsplatz. Hier kann er seine Erfahrungen und Kenntnisse einbringen, gleichzeitig wird auf seine Erkrankung Rücksicht genommen.

Ein wichtiges Arbeitsfeld: der Bau von Computern nach Kundenwünschen.
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Ein wichtiges Arbeitsfeld: der Bau von Computern nach Kundenwünschen.

 

Norbert Behrends ist einer von insgesamt 30 Beschäftigten im IT-Bereich des Materialhofes. Je nach Fähigkeiten bauen sie neue Computer zusammen oder rüsten alte wieder auf. Im Auftrag von großen Unternehmen und Banken in Schleswig-Holstein werden nach einem zertifizierten Verfahren Festplatten und andere Datenträger gelöscht. Aber auch das Programmieren von speziellen Oberflächen für Linux-Anwender, das Monitoring von Facebook-Profilen oder die Tablet-Beratung für Senioren gehören zum Angebotsspektrum des IT-Bereichs.

Monitoring eines Facebook-Profils des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein.
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Monitoring eines Facebook-Profils des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein.

 

„Eigentlich sind wir ein ganz normales IT-Unternehmen“, sagt Leiter Dennis Krabbenhöft. „Qualität und Dienstleistung werden auch bei uns ganz großgeschrieben. Was uns allerdings als Werkstatt vom allgemeinen Arbeitsmarkt unterscheidet, ist, dass wir bei den Menschen mit Beeinträchtigung nicht die Schwächen sehen, sondern die Fähigkeiten. Jeder wird nach seinen Bedürfnissen gefördert und wir helfen ihnen, sich zu stabilisieren. Gleichzeitig vermeiden wir eine Überforderung.“

Im Lager des IT-Bereichs
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Im Lager des IT-Bereichs

 

Norbert Behrends ist froh, dass er täglich im Materialhof arbeiten kann. „Das gibt meinem Leben Sinn und Struktur. Ich weiß, warum ich morgens aufstehen muss. Ohne diese Arbeit würde ich zu Hause sitzen und wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.“

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