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Diakonie Schleswig-Holstein : Fräsen, stecken, drehen: Einblicke in das Leben mit und in den Kappelner Werkstätten

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Hier fühlen sie sich wertgeschätzt und zeigen ihr handwerkliches Geschick - die Menschen in den Kappelner Werkstätten.

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erstellt am 11.Okt.2017 | 05:01 Uhr

Wenn Werner Meck (49) an der Prüfstation steht, dann sollte man ihn besser nicht stören. Bald drei Jahrzehnte ist er schon bei den Kappelner Werkstätten beschäftigt und trotz der Routine ist er immer hochkonzentriert. Haben die Kollegen ein Kabel falsch gesteckt oder etwas vergessen, dann leuchtet es am Bildschirm vor ihm rot auf. „Bei Zeitdruck kann das auch schon richtig stressig werden“, weiß der Schleswiger. Insgesamt 385 Menschen arbeiten für die Kappelner Werkstätten, die sich auf die Standorte Kappeln, Süderbrarup und Satrup verteilen.

Elektromontage, Metall, Holz, Logistik und Küche

Die Werkstätten selbst sind Mitglied des Diakonischen Werkes. Menschen mit körperlichen oder geistigen Handicaps unterschiedlichster Art bekommen hier einen ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten angepassten Arbeitsplatz und eine Reihe an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dabei sind die Einsatzbereiche ganz unterschiedlich. Den größten Teil stellt in Kappeln die Elektromontage, doch auch Metall- und Holzproduktion sowie Logistik und Küchenbetrieb finden sich unter einem Dach. Auftraggeber sind meist Firmen aus dem Hamburger Raum. Die Auftragslage reicht vom Möbelbau bis hin zu elektronischen Bauteilen. „Wir haben nicht nur einen sozialen Auftrag, sondern müssen auch wirtschaftlich handeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Werkstattleiter Henning Herges. So wird je nach Auftrag auch in neue Technik investiert und Beschäftigte entsprechend ausgebildet.

Vielfältige Berufsfelder

Ist der Bedarf da und der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt nicht möglich, haben Menschen mit Behinderung per Gesetz einen Anspruch auf eine Arbeitsplatz. Basis ist die berufliche Bildung. Auch dafür wurde in Kappeln eine eigene Abteilung mit Lehrwekrstatt eingerichtet. Die meisten Frauen und Männer arbeiten in den Werkstätten vor Ort, einige der Beschäftigten werden auch in Kindergärten, in der Landwirtschaft oder im regionalen Handwerk eingesetzt. Auch Hans Georg Schwarz (34) hat sichtlich Spaß bei der Arbeit. Im Moment baut er Steuerungskästen für Rolltreppen zusammen. „Das ist eine ganz schön komplizierte Arbeit, aber mir bringt sie viel Spaß“, sagt er nicht ohne Stolz. „Ich bin froh, dass ich hier sein kann.“ Zudem ist er der Sicherheitsbeauftragte und dafür zuständig, dass die Arbeitskleidung seiner Kollegen den Anforderungen entsprechen und unter anderem auch die Fluchtwege frei sind.

<p>Hans Georg Schwarz ist glücklich über seine Arbeit in den Kappelner Werkstätten.</p>

Hans Georg Schwarz ist glücklich über seine Arbeit in den Kappelner Werkstätten.

Foto: Julia Voigt
 

Über 100 Lüfter für Gabelstapler montiert Wolfgang Lau (42) jeden Tag zusammen und hat ebenso als Werkstattrat alle Hände voll zu tun. „Ich vertrete die Interessen meiner Kollegen, sammle Ideen und Verbesserungsvorschläge.“ Ein normaler Arbeitstag beginnt für die Werkstatt-Beschäftigten um 7.45 Uhr und endet für gewöhnlich um 15.45 Uhr. Zu Mittag gegessen wird in der Kantine. Auf ein Dutzend Beschäftigte kommt ein Betreuer, der sich kümmert, Aufträge entsprechend dem persönlichen Leistungsniveau vergibt und alle Vorgänge dokumentiert.

<p>Wolfgang Lau ist nicht nur in der Montage gefragt, sondern auch als Werkstattrat.</p>

Wolfgang Lau ist nicht nur in der Montage gefragt, sondern auch als Werkstattrat.

Foto: Julia Voigt
 

Heiß auf Arbeit

Die Kappelner Werkstätten bieten ihren Beschäftigten einen großen Katalog an freiwilligen Maßnahmen, wie Fotografie-Seminare, Töpferkurse und verschiedene Sportangebote. Auch Führerschein-Schulung, Bewerbungstraining und mehr können in Anspruch genommen werden. „Die meisten Menschen arbeiten hier mit großer Leidenschaft und identifizieren sich mit ihrem Beruf. Wir haben wenig Ausfälle und eine hohe Verlässlichkeit. Für die Meisten geht es auch um Wertschätzung und das gute Gefühl gebraucht zu werden“, weiß Henning Herges.


Rund 11.000 Menschen mit Behinderungen arbeiten hierzulande in Werkstätten – zwei Drittel davon in den 21 diakonischen Einrichtungen. Wie sieht die Arbeit dort konkret aus? Wie offen ist die Gesellschaft für Menschen mit Behinderungen? Wie wirksam ist Inklusion? Die Serie „Miteinander“ in Zusammenarbeit mit der Diakonie Schleswig-Holstein informiert darüber. Alle Infos unter www.shz.de/diakonie-sh

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