Erfolgsmodell aus Altenholz : Alles Bio! Der Hof Kubitzberg

Der Biomarkt der Gruppe „Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie“erfreut sich in der Bevölkerung größter Beliebtheit.

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28. September 2017, 09:34 Uhr

Die Herbstsonne lässt ein kleines Sonnenblumenfeld erstrahlen, daneben leuchten gelbe Quitten in einer Plantage, auf einer Weide grasen Rinder. Dieses idyllische Bild ergibt sich für Besucher des Hofes Kubitzberg in Altenholz bei Kiel. Bei vielen Altenholzern ist der Hof eine beliebte Adresse, denn hier werden ausschließlich Bio-Produkte hergestellt. Das Besondere dabei – der Hof ist eine Werkstatt für Menschen mit einer Beeinträchtigung.

Hof Kubitzberg
Friedrich Keller

Hof Kubitzberg

 

Unterschiedliche Biografien – unterschiedliche Tätigkeitsfelder

Rund 60 Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung halten den Hof am Laufen. „Das sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien“, sagt Betriebsleiter Christian Oberländer-Wille. „Einige hatten Familie, standen erfolgreich im Berufsleben, bis sie durch ein Burnout, durch Sucht oder einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen wurden. Andere haben schon zeitlebens mit einer Krankheit zu kämpfen.“ Ganz unterschiedlich ist auch ihre Ausbildung – sie reicht vom Hochschulabschluss bis zur abgebrochenen Schullaufbahn.

Viele Produkte werden vor Ort verarbeitet.
Hof Kubitzberg

Viele Produkte werden vor Ort verarbeitet.

 

Eines haben alle aber gemeinsam: Ihre Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gehen gegen Null. „Auf dem Hof begegnen wir ihnen auf Augenhöhe“, betont Oberländer-Wille. „Jeder wird nach seinen Fähigkeiten gefördert, fortgebildet und eingesetzt. Sie bekommen hier Struktur und ein geregeltes Arbeitsleben.“ Entsprechend können sich die Beschäftigten in ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern verwirklichen: Gartenbau, Tierpflege, Verarbeitung, Vermarktung und Instandhaltung. Dabei werden sie von 14 Mitarbeitenden angeleitet und unterstützt, darunter Sozialpädagogen, ein Landwirt, ein Gartenbauer und Ergotherapeuten. Kunden des Hofes sind vor allem Supermärkte und Kantinen in der Region.

Jens Meyer hinter der Käsetheke
Friedrich Keller

Jens Meyer hinter der Käsetheke

 

Kundenkontakt ganz groß geschrieben

Jens Meyer kam vor 25 Jahren nach einer Erkrankung auf den Hof Kubitzberg. Heute ist er im hofeigenen Bioladen beschäftigt. Er füllt die Regale auf, steht hinter der Käsetheke oder  bedient die Kasse. „Das sind Tätigkeiten wie in einem Supermarkt“, betont er, „nur dass hier der Druck nicht so hoch ist. Ich arbeite sehr gern in dem Bioladen.“ Besonders wichtig ist ihm dabei der Kontakt zu den Kunden. Wilhelm Tischendorf aus Altenholz weiß das sehr zu schätzen: „Einmal pro Woche kaufe ich hier ein. Die Produkte sind von hoher Qualität und ich möchte die tolle Arbeit der hier beschäftigten Menschen unterstützen.“   

Stammkunde Wilhelm Tischendorf
Friedrich Keller

Stammkunde Wilhelm Tischendorf

 

Der Hof Kubitzberg platzt inzwischen aus allen Nähten. Deshalb soll er in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Dabei muss Betriebsleiter Oberländer-Wille streng kalkulieren. Denn auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung müssen wirtschaftlich arbeiten.

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