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Zucker und Cholesterin: Zwei häufige Stoffwechselstörungen

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Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Es ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft: Viele Menschen werden immer bequemer und dicker. Damit gehen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und krankhaft erhöhte Cholesterinwerte einher. Die Folgen können fatal sein.

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erstellt am 29.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Es ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft: Viele Menschen werden immer bequemer und dicker. Damit gehen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und krankhaft erhöhte Cholesterinwerte einher. Die Folgen können fatal sein.

Oft sind es Zufälle, die zur Diagnose einer Stoffwechselerkrankung führen. Denn krankhaft erhöhte Blutzucker- oder Blutfettwerte machen zumindest am Anfang meist keine spürbaren Beschwerden. Umso wichtiger ist es, sie rechtzeitig zu erkennen. Denn Volkskrankheiten wie Diabetes oder eine Fettstoffwechselstörung mit zu hohen Cholesterinwerten können dramatische Folgen haben: Nerven- und Nierenschäden oder Erblindung im ersten Fall, Herzinfarkt oder Schlaganfall im zweiten. Oft treten beide Stoffwechselerkrankungen sogar gleichzeitig auf.

«Unter einer Stoffwechselstörung versteht man eine Störung bei der Umwandlung von Nahrungsmitteln in die Bausteine, die der Körper zum Leben braucht», erläutert Prof. Erika Baum, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Bei Diabetes zum Beispiel kann der Körper die Zuckerbausteine aus der Nahrung nicht richtig verwerten, weil er das dazu nötige Hormon Insulin nicht in ausreichendem Maß herstellt.

«Angeborene Stoffwechselstörungen sind relativ selten», sagt Prof. Klaus Parhofer von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga). Sie werden wie die Phenylketonurie (PKU) in der Regel direkt nach der Geburt per Bluttest entdeckt und therapiert. Anders ist dies bei später entstehenden Stoffwechselstörungen, bei denen häufig Gene, Lebensstil und Alter gemeinsam eine Rolle spielen. Bei ihnen entwickeln sich Parhofer zufolge oft über Jahre hinweg unbemerkt Folgeerkrankungen, die bei rechtzeitiger Behandlung vermeidbar gewesen wären.

In Deutschland haben schätzungsweise sechs Millionen Menschen Diabetes. «Bei den über 60-Jährigen ist es fast jeder Fünfte», erläutert Prof. Harald Klein von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Mit dem Alter nehme es klar zu. «Diabetes kann auch noch mit 90 auftreten.» Zu beobachten sei aber auch, dass die Patienten immer jünger werden: Es erkranken zunehmend mehr Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 2, der im Unterschied zum seltener und früher auftretenden Typ 1 umgangssprachlich «Altersdiabetes» genannt wird. Das könnte mit dem Lebensstil zusammenhängen: zu wenig Bewegung und zu gehaltvolle Ernährung sind Faktoren.

Es gibt zwar laut Klein bei Typ 2 eine erhebliche erbliche Komponente - das Erkrankungsrisiko ist also höher, wenn Vater, Mutter oder andere nähere Verwandte betroffen sind. «Trotzdem hatte in Hungerzeiten kaum einer Typ-2-Diabetes.» Erst jetzt in der Wohlstandsgesellschaft mache sich die genetische Veranlagung bemerkbar. Bei manchen Menschen sei diese Veranlagung so ausgeprägt, dass schon ein kleines bisschen Übergewicht reiche, um einen Diabetes zu entwickeln, ergänzt Parhofer.

Die Zahl der Menschen mit einer Fettstoffwechselstörung ist laut Parhofer nicht genau zu beziffern. Denn während bei Herzinfarktpatienten das schlechte LDL-Cholesterin ab einem bestimmtem Wert als behandlungsbedürftig gelte, sei das bei jemandem, der ansonsten gesund ist, nicht nötig. Und ein dicker fitter Mensch habe ein geringeres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung als eine dicke unfitte Person. «Das kann man aber nicht an einem Wert festmachen, da müssen mehrere Faktoren zusammenkommen.»

«Ein Patient mit Typ-2-Diabetes hat sehr häufig auch eine Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck», ergänzt Klein. Es wird angenommen, dass dafür maßgeblich das vermehrte Fettgewebe in der Bauchhöhle verantwortlich ist und das Risiko für Diabetes Typ 2 und Erkrankungen des Herzens und der Gefäße erhöht. Einen Hinweis auf diese Gefahr kann der Bauchumfang liefern: In Deutschland gelten 102 Zentimeter bei Männern und 88 bei Frauen als gefährlich. Die International Diabetes Federation, an der sich die Weltgesundheitsorganisation orientiert, hält bereits Werte ab 94 Zentimetern bei Männern und 80 bei Frauen für bedenklich.

Wenn ein Diabetes, eine Fettstoffwechselstörung, Übergewicht und/oder Bluthochdruck parallel vorliegen, sprechen Fachleute vom metabolischen Syndrom. Ärzte haben darauf immer ein Auge: «Bei Menschen mit erhöhtem Blutdruck schauen wir regelmäßig nach den Blutzuckerwerten», erklärt Baum. Auch bei Patienten, die Diabetiker in der Familie haben oder zu viele Pfunde mit sich herumschleppen, werde der Blutzucker regelmäßig kontrolliert.

Gefahr besteht zudem bei Frauen, die Schwangerschaftsdiabetes bekommen. Auch sie seien gefährdet, später an Diabetes Typ 2 zu erkranken, sagt Baum. Die Cholesterinwerte sollten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Check-up-35 sowie regelmäßig bei Patienten mit Herzproblemen, erhöhtem Blutdruck, Diabetes oder bei starken Rauchern überprüft und gegebenenfalls behandelt werden.

Lipid-Liga zum Bauchumfang

Infos der Deutschen Diabetes Gesellschaft

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