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Medizin-Apps : Zu Risiken und Krankheiten fragen Sie Ihr Smartphone

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Dass Patienten ihre Krankheit googeln, ist ein alter Hut. Aber auch Diagnose-Apps für Smartphones werden immer beliebter. Doch die sind mit Vorsicht zu genießen.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2013 | 04:21 Uhr

Kiel | Es klingt ja erstmal praktisch: Ein Tütchen aufs Handy stecken und pusten, ob man nach dem Zechen noch fahren kann. Ein Foto vom Urinteststreifen schießen und das Display verrät, ob es tatsächlich eine Blasenentzündung ist. Vom Bett aus die Symptome eintippen und schon kommt die Diagnose: Grippe. Medizin-Apps boomen. Aber viele sind Schrott, sagen Experten.
Beispiel Schwarzer Hautkrebs. Wer gefährdet ist, lässt Leberflecke regelmäßig vom Arzt kontrollieren. Könnte diese "Blickdiagnose" nicht auch ein Kameraauge übernehmen? Mehrere Apps bieten genau das an. Mittels Algorithmen wird die Wahrscheinlichkeit berechnet, dass der Fleck bösartig ist.

Kopfschmerz-Kalender und "Bewusst einkaufen"

Prof. Dr. Hartmut Göbel und das Team der Schmerzklinik Kiel haben einen separaten Kopfschmerz-Kalender für das Smartphone entwickelt. Er soll den Patienten helfen, den Verlauf der Kopfschmerzerkrankung zu beobachten. Symptome, Behandlung und Auswirkungen der Migräne können damit exakt und zeitgemäß dokumentiert werden. Zur Selbstbehandlung sei die App laut Göbel aber nicht geeignet.
Auch die Krankenkassen haben verschiedene Apps auf den Markt gebracht, um ihre Versicherten über Gesundheitsthemen zu informieren. Die "AOK Bewusst Einkaufen" hilft mit Ampelfarben gesundheitsbewusster einzukaufen. Über drei verschiedene Möglichkeiten können Einkaufslisten erstellt werden - mit dem Scan des Barcodes, über die Lebensmittelkategorie-Suche oder durch eine Texteingabe. Zu den einzelnen Lebensmitteln erscheinen Bewertungen in Ampelfarben, die über den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz informieren. Rot steht dabei für einen hohen, gelb für einen mittleren und grün für einen niedrigen Gehalt in den jeweiligen Lebensmitteln. Ergänzt werden die Angaben durch die Kalorienangaben, den Eiweiß- und Kohlenhydratgehalt.

Apps ersetzen keine Diagnosen von Medizinern

Bereits 2011 gab es laut Branchenverband Bitkom bereits 15 000 Gesundheits-Apps. Nur die wenigsten bieten echte medizinische Hilfen wie Fieber- und Blutzuckermessen, Alkohol- oder Sehtests. Meist handelt es sich um Angebote wie Schrittzähler für Jogger oder Trainingsprogramme mit Fitnessübungen. Aber auch wenn die Technik noch so gut ist: Experten warnen, dass keine Diagnose-App das Wissen, die Erfahrung und das Einfühlungsvermögen eines guten Arztes ersetzen kann.

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