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Info-Kampagne soll helfen : Zahl der Organspender auf neuem Tiefpunkt

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Organspenden retten Leben. Trotz grundsätzlicher Bereitschaft werden viele potenzielle Spender durch Skandale abgeschreckt. Jetzt soll eine Info-Kampagne die Trendwende bringen.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 04:04 Uhr

Kiel | Die Berichte über die zweifelhafte Zuweisung von Spenderorganen in süddeutschen Kliniken sind auch im Norden nicht ohne Folgen geblieben. Wie die AOK Nordwest in Kiel bestätigte, sank die Zahl der Organspenden bundesweit auf einen neuen Tiefpunkt. Im vergangenen Jahr zählte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) 3511 gespendete Organe, ein Jahr zuvor waren es 3917. In Schleswig-Holstein sah es mit 87 gespendeten Organen (Vorjahr 131) nicht besser aus. "Und der Abwärtstrend setzt sich fort", bedauert DSO-Chef Thorsten Doede.
In den ersten drei Monaten 2013 wurden nur noch 230 Organspender gezählt und damit 18 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im nördlichsten Bundesland wurden 2011 insgesamt 37 Menschen Organe entnommen, um andere Menschen zu retten oder ihnen ein relativ gesundes Leben zu ermöglichen. 2012 waren es 31 Spender. Im ersten Quartal 2013 wurden allerdings im Norden zehn Spender gezählt. Sollte sich der Trend über das Jahr halten, wäre das womöglich ein erster Hinweis, dass zumindest im Norden die Verunsicherung der Bevölkerung infolge der Vergabeskandale abnimmt.

Bundesweit warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan


Die AOK Nordwest will nun mit einer Info-Kampagne den derzeitigen Tiefpunkt bei den oft lebensrettenden Organspenden überwinden. Start in Schleswig-Holstein ist der Tag der Organspende am 1. Juni, kündigte AOK-Chef Dieter Paffrath an. "Die Bevölkerung soll dazu ermutigt werden, Stellung zu beziehen und im Organspendeausweis zu dokumentieren, ob man im Todesfall Organe entnehmen darf oder nicht". Paffrath legt ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass auch ein "Nein" möglich ist und im Fall der Fälle für Ärzte und Hinterbliebene Klarheit schafft. Derzeit verschickt die Krankenkasse an über 600.000 Versicherte im nördlichsten Bundesland eine Info-Broschüre samt Organspendeausweis.
Bundesweit warten derzeit etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan wie Herz, Lunge, Leber oder Niere, in Schleswig-Holstein sind es rund 400. Die Wartezeit beträgt im Schnitt vier Jahre. In dieser Zeit sterben täglich drei Menschen auf der Warteliste, jährlich 1000, weil sie kein Organ bekommen. "Um die große Verunsicherung in der Bevölkerung abzubauen, sind jetzt mehr denn je Informationen zum Thema Organspende erforderlich", so Paffrath. Erstaunlich: Eine aktuelle Umfrage der AOK in Schleswig-Holstein hat ergeben, dass über 54 Prozent der Nordlichter im Falle eines Hirntods bereit sind, ein Organ zu spenden, aber nur 26,2 Prozent der Befragten haben diese Bereitschaft in einem Organspende ausweis dokumentiert.

"Es kommt immer auf den Einzelfall an"


Um diese "Dokumentationslücke " zu schließen wird es zusätzlich zu Infobriefen, Plakat-Aktionen und Entscheidungshilfen im Internet (www.aok-organspende.de) in allen großen Städten im Norden Beratungstage durch den Bund der Organtransplantierten geben. BDO-Landesvorsitzender Wolfgang Veit wird dabei Fragen wie "Was bedeutet Hirntod" oder "Welche Organe können gespendet werden" beantworten. Er weiß, wovon er spricht. Dem in Marne wohnenden Veit ist vor sieben Jahren eine lebensrettende Lunge gespendet worden. "Meine Familie und ich sind meinem Spender unendlich dankbar", sagt er.
Spenden können übrigens alle. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Die älteste Spenderin war 98. "Es kommt immer auf den Einzelfall an", so die Experten. Die Zeiten, in denen der klassische Spender der 20-jährige verunglückte Motorradfahrer war, sind ohnehin vorbei. Heute kommen die lebensrettenden Organe sehr häufig von über 60-Jährigen, die beispielsweise eine Hirnblutung erlitten haben. Ihre Bereitschaft Leber, Niere, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse zu spenden, retten meist mehrere Leben.
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