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Tipps gegen Schnupfen : Wohlsein! Erkältung leicht gemacht

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Ohne Schniefen durch den Winter? Praktisch unmöglich. Aber mit der richtigen Vorbeugung und Behandlung lässt sich die Schnupfenzeit ohne großes Leiden überstehen, schreibt Dominique Mohs.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2012 | 12:52 Uhr

Es schnieft. Es keucht. Es niest. Wer in dieser Jahreszeit auf der Suche nach Erkältungsopfern ist, muss kein Wartezimmer betreten. Ob Großraumbüros, Klassenzimmer, Kindergärten oder Supermarktkassen – gerötete Augen, schmerzende Hälse und wunde Nasen sind überall.
Im Winter herrschen geradezu paradiesische Zustände für Erkältungsviren: Der Mensch hält sich vorzugsweise in geschlossenen, meist schlecht gelüfteten Räumen auf, in denen die Schleimhäute austrocknen und damit ideale Angriffsflächen für Krankheitserreger bieten. Danach reichen schon ein Anhusten, -niesen oder der Kontakt mit einem Türgriff, den zuvor ein Infizierter benutzt hat, um den Viren zu einem neuen Wirt zu verhelfen.
"Jeder hat eine andere Schwachstelle"
Zwei- bis dreimal im Jahr erwischt es jeden Erwachsenen im Durchschnitt, Kleinkinder müssen sogar bis zu 13 Erkältungen jährlich überstehen. Bei normalem Verlauf führt der Weg die Kranken selten gleich zum Arzt, sondern erst einmal in die Apotheke. Hier ist die persönliche Beratung gefragt. "Jeder hat eine andere Schwachstelle", sagt Ulrike Pickert. Die 54-Jährige ist Mit-Inhaberin der Itzehoer Hanseaten-Apotheke und seit mehr als drei Jahrzehnten Pharmazeutin.
"Bei dem einen schlägt es auf die Bronchien, der andere hat eher Halsschmerzen – die individuelle Beratung ist sinnvoll und wichtig." Sie frage ihre Kunden zunächst, was deren Hausapotheke noch hergebe – "ich muss ihnen ja nicht noch den dritten Hustensaft verkaufen!" – und was ihnen in der Vergangenheit gut geholfen habe. Der Beratungsbedarf werde immer größer, denn die Breite des Angebots nehme ebenso zu, wie die teilweise unseriöse Werbung für die verschiedenen Präparate. Wer sich im Dschungel der vermeintlichen Gesundmacher nach einem erfahrenen Führer sehnt, ist in der Apotheke richtig. Pickert: "Ein vernünftiger Umgang und das Wissen um die Dinge sind ganz wichtig. Also: Sprechen Sie mit Ihrem Apotheker!"
Nur die Symptome lassen sich bekämpfen
Trotz aller Ratschläge und Mittelchen: Bei Erkältungen lassen sich nur die Symptome bekämpfen – die Erkrankung selbst lässt sich dadurch kaum verkürzen. Darin ist sich die Fachfrau mit Prof. Dr. Michael Kentsch einig. Der Chefarzt der Medizinischen Klinik am Klinikum Itzehoe empfiehlt: "Man muss ein vernünftiges Gefühl für den eigenen Körper entwickeln. Wer sich krank fühlt, sollte einfach mal im Bett bleiben." Wem das nicht möglich sei, der könne zwar für kurze Zeit die Symptome mit Medikamenten dämpfen und so den Alltag bewältigen. Doch Kentsch warnt: "Danach muss man mit einem Rückfall rechnen, wenn man sich übernommen hat!“ Also: Die klassischen Grippemittel helfen über den Tag, der Abend sollte dann jedoch zum Auskurieren genutzt werden.
Zum normalen Leben gehörten eben auch normale Erkältungen, betont der Mediziner. Auch Fieber sei noch kein Grund zur Panik: Solange es nicht bedrohlich steige oder länger als drei Tage andauere, müsse ein Patient ohne Vorschädigungen noch nicht zum Arzt. "Fieber ist ein normaler Abwehrmechanismus des Körpers, und nicht jedes Fieber muss gesenkt werden." Lediglich bei vorbelasteten Menschen und Kleinstkindern sei in diesem Fall ein umgehender Arztbesuch angesagt.
Nasenspray nicht zu lange nehmen
Wenn sich die Erkältung schon nicht heilen lasse, so müsse zumindest niemand unnötig leiden, sagt Ulrike Pickert. Bei Husten empfiehlt die Apothekerin Säfte mit Thymian oder Efeu, gegen Stirn- oder Nebenhöhlen-Entzündungen helfen Kapseln mit ätherischen Ölen – wer diese durchschneidet, kann mit dem Inhalt auch inhalieren, was den Schleimhäuten besonders gut tut. Bei verstopfter Nase wirke ein Nasenspray, am besten mit Dexpanthenol oder Meerwasser, oft Wunder. Aber Achtung: "Die Menschen neigen dazu, Nasenspray zu lange zu nehmen – langfristig führen abschwellende Mittel aber dazu, dass die Nasenschleimhaut abgebaut wird", warnt Pickert. Nach spätestens zehn Tagen sollte der Einsatz des Sprays enden.
Sie empfiehlt darüber hinaus Nasenspülungen zum Befeuchten der Schleimhaut, die als natürliche Barriere zwischen Blutkreislauf und Außenwelt diene. Bei erkälteten Kindern wiederum sei der Einsatz von Nasentropfen ganz wichtig, um die so genannte Eustachische Röhre, die Verbindung zwischen Innenohr und Nase, freizuhalten. Werde das Innenohr nicht ausreichend belüftet, komme es häufig zu schmerzhaften Mittelohrentzündungen.
Sinnvolle Mischernährung und viel frische Luft
Bei vielen Patienten gehören Halsschmerzen zu den ersten Erkältungssymptomen. "Die Mandeln gelten als Hüter unserer Gesundheit", erklärt Ulrike Pickert. Zur Linderung gebe es zahlreiche schmerzstillende und keimabtötende Pastillen, Lutschtabletten und Sprays. "Da kann man auch noch gut mit pflanzlichen Mitteln gegensteuern, damit es nicht schlimmer wird", so die Apothekerin. Sie selbst schwört in diesen Fällen auf Schüssler Salz Nr. 3, halbstündlich gelutscht.
Ganz vermeiden ließen sich Erkältungen nicht, darin sind sich die Fachleute einig. Eine gesunde Lebensweise könne jedoch die Abwehrkräfte stärken und damit das Ansteckungsrisiko mindern. Ulrike Pickert empfiehlt eine "sinnvolle Mischernährung": viel Salat, Gemüse, Vollkorngetreide, aber auch fette Milchprodukte und fetthaltigen Fisch.
Nahrungsergänzungsmittel oder Vitaminpräparate seien manchmal sinnvoll, oft aber auch entgegen den vollmundigen Werbeversprechungen überflüssig. Bei den vielen angebotenen Präparaten gebe es eklatante Qualitätsunterschiede. Ulrike Pickert rät zu Zinkhystidin, das wesentlich besser verwertbar sei als beispielsweise Zinksulfat. Dazu viel Bewegung an frischer Luft – mit der richtigen Bekleidung. "Was viele Leute vergessen: Erkältung hat auch wirklich was mit Kälte zu tun. Man muss also darauf achten, dass man nicht kalt wird." Das Hauptaugenmerk solle den Füßen gelten. Falls man doch einmal durchgefroren nach Hause kommt: "Gleich gut durchwärmen: Mit einem Fußbad, heißem Fliederbeersaft oder Tee", rät die Expertin. Spaziergänge bei jedem Wetter seien wichtig, um die körpereigene Abwehr auf Trab zu halten: "Wer nur drinnen bleibt, trainiert dem Körper sämtliche Abwehrkräfte ab!" Schniefende Menschenansammlungen sollten dagegen möglichst gemieden werden.

Tipp aus der Praxis
Seit Januar 2012 haben Krankenkassen größere Spielräume bei der Erstattung von Medikamenten. Sie können auf Basis neuer gesetzlicher Möglichkeiten zahlreiche freiverkäufliche, apothekenpflichtigen Arzneimittel als Mehrleistung erstatten. Voraussetzung ist, dass ein Arzt die pflanzlichen Arzneimittel, Homöopathika und Präparate der Anthroposophie, auf grünem Rezept oder Privatrezept verordnet. Wenn Sie also demnächst entsprechende Präparate in der Apotheke kaufen und selbst bezahlen, reichen Sie das Rezept samt Apothekenquittung bei ihrer Krankenkasse ein – es könnte sich lohnen.          

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