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Sehbehinderungen : Woche des Sehens: Beratungsangebot in Itzehoe

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Wenn das Augenlicht schwindet: Vom 7. bis zum 10. Oktober findet in der Stadtbibliothek Itzehoe eine unverbindliche Beratung für Sehbehinderte und Angehörige statt.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 04:12 Uhr

Vom einen auf den anderen Tag war sein Sehvermögen weg. Andreas Lassen kann sich noch genau an das Datum erinnern, als er seine Diagnose bekam: Es ist der Morgen des 16. Februar 2012, seine Frau fährt den Zahnarzt noch in seine Praxis nach Wellenkamp – in den Wintermonaten ist es morgens noch dunkel, und Lassen ist zu diesem Zeitpunkt bereits nachtblind. Doch noch bevor er mit der Arbeit beginnen kann, lässt er sich wieder abholen. „Ich konnte nichts mehr klar erkennen“, erinnert sich der heute 65-Jährige. „Wir sind dann direkt zum Augenarzt gefahren.“ Dort bekommt er die Diagnose: Lassen leidet unter einer plötzlichen und unheilbaren Augenerkrankung, seine Sehstärke beträgt zu diesem Zeitpunkt nur noch 25 Prozent.

Keine einfache Diagnose

„Wer so etwas erfährt, fällt in der Regel zunächst einmal in ein tiefes Loch“, sagt Karl Friedrich Steltmann, der selbst seit zwölf Jahren von einer Sehbehinderung betroffen ist. „Man versucht, Zeit zu überbrücken, und irgendwann ist das Loch so tief, dass man allein nicht mehr rauskommt. Deswegen ist es wichtig, möglichst frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Steltmann ist Bezirksgruppenleiter Steinburg im Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) und weiß, wie groß die Hemmungen oftmals sind, Hilfe bei seinem Verein zu suchen, sobald man diese Diagnose bekommt. Deswegen bietet der BSVSH regelmäßig auch außerhalb seines regulären Gesprächskreises in Itzehoe die Möglichkeit für Betroffene und Angehörige, Kontakt aufzunehmen.

Beratungs- und Hilfeangebot

Zur Woche des Sehens sind die Vereinsmitglieder zwischen dem 7. und dem 10. Oktober in der Stadtbücherei präsent, stellen sich und ihre Arbeit vor und bieten vor allem Hilfestellung an – zum Beispiel beim Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis, Blindengeld oder sonstige Nachteilsausgleiche. Außerdem wird zu Hilfsmitteln beraten. Angesprochen sind Betroffene, Angehörige oder Menschen, die wissen, dass ihre Sehkraft in Zukunft stark nachlassen wird.

<p>Vergrößerungshilfe - hier eine elektronische Handlupe </p>

Vergrößerungshilfe - hier eine elektronische Handlupe

Foto: DBSV/Friese
 

„Für viele ist es ein großer Schritt, zum Blindenverein zu gehen, nachdem man eine derartige Diagnose bekommen hat“, sagt auch Andreas Lassen. „Für mich war diese erste Schwelle ebenfalls unheimlich schwer.“ Er habe sich deswegen vor gut fünf Jahren zuerst weitestgehend allein informiert und direkt ein Lesegerät gekauft – das seitdem fast ungenutzt bei ihm zu Hause steht. „Auch deswegen ist es gut, mit anderen Betroffenen ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.“

Selbst habe er den ersten Schritt schließlich über einen Bekannten gewagt. „Karl Lindemann ist langjähriges Mitglied der Bezirksgruppe gewesen und hat mich damals angesprochen, als er mit einem Punktschriftkurs beginnen wollte. So bin ich mit dem Verein in Kontakt gekommen“, sagt Lassen. Vor allem die Gespräche mit anderen hätten ihm dort geholfen. „Da habe ich erstmals gemerkt, die bewältigen auch alle allein ihren Alltag.“ Um weiteren Betroffenen den ersten Schritt auch außerhalb von Verein und Woche des Sehens zu erleichtern, will Lassen im kommenden Jahr ein neues Angebot starten. Unter der Überschrift „Blickpunkt Auge“ wird es dann ein dauerhaftes Beratungsangebot geben.

Inzwischen ist er bis auf das direkte Lesen komplett selbstständig, sagt Lassen, der heute nur noch weniger als zwei Prozent seiner Sehstärke hat. „Es ist Schritt für Schritt weitergegangen.“ Heute fahre er auch allein mit dem Zug nach Braunschweig zu seinen Kindern: „Das kann man alles lernen.“
 

Das Beratungsangebot in der Übersicht

Was Woche des Sehens
Wann Sonnabend, 7. Oktober, 10 bis 13 Uhr, sowie Montag und Dienstag, 9. und 10. Oktober, 10 bis 18 Uhr
Wo in den Räumen der Stadtbücherei, Hinter dem Klosterhof 31, Itzehoe
Bemerkung Das Angebot ist für jeden Interessierten offen.



Weitere Informationen: Gesprächskreis des BSVSH: freitags, 14 bis 17 Uhr, Gesundheitsamt, Viktoriastraße 17 a (klingeln). www.bsvsh.org

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