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Krebs-Therapie : Wie Strahlen Leben retten

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Mit "Strahlung" assoziiert man unmittelbar Gefahr und Bedrohung für Leib und Leben. Doch sie ist auch ein wichtiges Element in der Behandlung von Krebserkrankten.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2012 | 09:31 Uhr

1982 nahm die Klinik für Strahlentherapie am Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital in Flensburg ihren Betrieb auf. Mittlerweile werden dort jährlichweit über 1000 deutsche und dänische Patienten in enger Zusammenarbeit mit den Kliniken und Praxen in Flensburg, Schleswig, Nordfriesland und Sønderjylland in Dänemark, eingebunden in das Netzwerk des Tumorzentrum Flensburg e.V. überwiegend ambulant behandelt.
Die Strahlentherapie kann vor und nach Operationen eingesetzt werden, um Tumore zu heilen, beziehungsweise verbliebene Krebszellen abzutöten oder auch als alleinige Therapieoption herangezogen werden. Immer ist sie eingebunden in einen speziell auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen
Therapieplan,der inintensiven Einzelgesprächen und Untersuchungen ermittelt und interdisziplinär von Ärzten verschiedener Fachrichtungen diskutiert wird.
"Die Bestrahlung eines Patienten erfordert genaueste Berechnungen"
Diese Möglichkeit ist am St. Franziskus-Hospital durch das wöchentliche Abhalten sogenannter Tumor-Konferenzen (Interdisziplinäre Onkologische Konferenz) gegeben, andenen Krankenhausärzte und niedergelassene Ärzte gemeinsam teilnehmen, um den bestmöglichen Behandlungsplan für Betroffene zu entwickeln. Ihre Wirksamkeit erreicht die auf den Körper des Patienten einwirkende Strahlung durch eine Hemmung der Zellteilung - die
Krebszellen werden so daran gehindert, sich zu vermehren. Größe und Strahlenempfindlichkeit des zu vernichtenden Tumors bestimmen die Höhe der im Rahmen der Behandlung auf ihn einwirkenden Strahlungsintensität.
Um die Belastung für den Patienten möglichst gering zu halten, wird die nötige Dosis in kleinere Einheiten unterteilt. Der Patient kommt dann mehrere Wochen täglich in die Klinik und wird je nach Bedarf wenige Minuten von einem genau auf das kranke Gewebe ausgerichteten Linearbeschleuniger bestrahlt. Dahinter
verbirgt sich ein technisch hochkomplexes Gerät, weshalb am St.Franziskus-Hospital vier Medizinphysiker beschäftigt sind, die sich um Einstellung, Wartung und Bedienung der Geräte kümmern. "Die Bestrahlung eines Patienten erfordert genaueste Berechnungen, um das kranke Gewebe zielsicher bestrahlen zu können und gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe zu schonen", erklärt Frank Ahrenberg, leitender Medizinphysiker amSt. Franziskus-Hospital.
Spezielle Technik: "Intensitätsmodulierte Strahlentherapie" in Flensburg
Vor wenigen Wochen wurde am St. Franziskus-Hospital offiziell der dritte Linearbeschleuniger in Betrieb genommen, was durch Investitionen inHöhe von drei Millionen Euro aus Bundesmitteln und weiteren 750.000 Euro aus Mitteln des Krankenhauses ermöglicht wurde. Dieser Linearbeschleuniger ergänzt
die Bandbreite des ohnehin breit gefächerten onkologischen Versorgungsspektrums in Flensburg und verfügt über eine spezielle Technik, die sogenannte "Intensitätsmodulierte Strahlentherapie" (IMRT).
Die IMRT-Technik ist von Vorteil bei komplizierter geformten oder in der Nähe von besonders strahlungsempfindlichem gesunden Gewebe liegenden Tumoren. Die gegebene Dosis kann in diesen speziellen Fällen deutlich
besser verteilt werden, indem das Bestrahlungsfeld in viele kleineTeilbereiche zerlegt wird, diemit jeweils unterschiedlicher Intensität bestrahlt werden. "Die ständige Weiterentwicklung der technischen Ausstattung und neue strahlenbiologische und klinische Erkenntnisse ermöglichten in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte, die zu einer erheblichen Verbesserung der Wirksamkeit und Verminderung der Nebenwirkungen geführt haben.
Behandlung von universitärem Format
"Insbesondere älteren Patienten, die bei Operationen oder einer Chemotherapie einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, wird das zugute kommen", erklärtDr.Hans-Jürgen Brodersen, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie in Flensburg. Dass zur offiziellen Inbetriebnahme des
neuen Gerätes am St. Franziskus-Hospital auch Stephanie Lose als Repräsentantin der südlichen Region Dänemarks, Landesgesundheitsminister
Dr. Heiner Garg sowie Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber erschienen
sind, lässt erkennen, welche Bedeutung der Fortentwicklung der onkologischen
Versorgung im hohen Norden von der Politik beigemessen wird.
Die Flensburger Krankenhäuser können im Medizinischen Klinik-Verbund Flensburg, bestehend aus dem St. Franziskus-Hospital und der DIAKO, fortanalsonkologischer Maximalversorger agieren. Das sehr enge multidisziplinäre Zusammenwirken der Fachdisziplinen beider Krankenhäuser
ist der besondere Vorteil, der krebserkrankten Menschen eine
immer professionellere, wohnortnahe Behandlung von universitärem Format
garantiert.

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