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Ein Hautarzt im Interview : Wenn die Sonne (ver)brennt

vom

Sommer bedeutet Sonnenbrandgefahr. Was beim Sonnenbad beachtet werden muss, erklärt Hautarzt Dr. Rainer Sempell.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2012 | 04:25 Uhr

Herr Dr. Sempell, wann haben Sie das letzte Mal einen Sonnenbrand gehabt?
Das kann ich Ihnen genau sagen: Am 1. Mai. Wollen Sie wissen, wie es dazu kam?
Auf jeden Fall.
Ich war in einem Kieswerk in Groß Pampau im Herzogtum Lauenburg, dort habe ich mit meinen Söhnen nach Versteinerungen gesucht. Ich habe auf den Kiesbergen gelegen und immer die oberste Schicht runter gefahren, um in den Kiesen zu wühlen und schlicht weg nicht daran gedacht, dass auch zu diesem Zeitpunkt die Sonne schon so hoch steht. Sie sehen, so etwas passiert also selbst einem Hautarzt.
Als Hautarzt können Sie auf jeden Fall bestens erklären, wie Sonnenbrand überhaupt entsteht.
Leicht vereinfacht ist es nichts anderes, als eine Hautentzündung durch die Sonneneinstrahlung, bei der sich die Hautgefäße weiten. Auslöser sind vor allem die UV-B-Strahlen. In den Zellen werden verschiedene Moleküle verändert, woraufhin es zu einer Immunreaktion kommt. Die Entzündung bewirkt eine Erweiterung der Blutgefäße. Dabei handelt es sich nicht um die großen Venen, sondern um die kleinen Hautgefäße, die für die Rötung verantwortlich sind.
Prävention ist das A und O. Welchen Effekt hat es, wenn man beim Sonnenbad nach einer gewissen Zeit noch einmal nachcremt?
Einen zusätzlichen Schutzfaktor hat es nicht. Da muss man höllisch aufpassen. Aber: Wenn Sie beispielsweise viel schwitzen oder sich im Wasser aufhalten und danach abtrocknen, verlieren Sie einen Teil der Creme. Dann sollte man wiederholt eincremen. Wenn man Lichtschutzfaktor 30 benutzt hat, sollte man weiterhin auch nur das dreißigfache der Eigenschutzzeit in der Sonne bleiben, um keinen Sonnenbrand zu bekommen. Es kann aber sein, dass tatsächlich der Faktor – zum Beispiel durch das Schwitzen – nur noch zehn oder 15 beträgt, weil ein Teil des Schutzes abgewaschen ist. Deswegen ist es auf jeden Fall sinnvoll, nachzucremen. Man kann den Sonnenschutz nicht erhöhen, aber erhalten.
Was gibt es noch zu bedenken?
Eine andere ganz wichtige Sache: Fast alle Menschen sparen an Sonnencreme. Da nehme ich mich nicht aus. Der Mensch hat eineinhalb bis zwei Quadratmeter Körperoberfläche. Für zwei Quadratmeter Körperoberfläche brauchen Sie zum Eincremen 40 Gramm, denn man sollte zwei Milligramm pro Quadratzentimeter nehmen, um den entsprechenden Lichtschutzfaktor, zum Beispiel 25, zu erreichen. Manche Cremes haben nur 50 Gramm. Und wenn Sie nur die Hälfte nehmen, und das ist eigentlich realistisch, dann ist der Lichtschutzfaktor nicht etwa die Hälfte, sondern die Wurzel aus dem angegebenen Lichtschutzfaktor.
Demnach wäre der Lichtschutzfaktor nicht mehr 25, sondern 5.
Genau. Das ist auch einer der häufigsten Fehler, die gemacht werden. Deswegen rate ich den Menschen zu höheren Faktoren, obwohl es wissenschaftlich nicht nötig wäre. Auf jeden Fall solange, bis der Körper einen Eigenschutz entwickelt hat.
Was ist zu tun, wenn es zu spät ist?
Es gilt der alte Grundsatz: Bei leicht nässenden Veränderungen niemals Salben oder gar Fettsalben auftragen, weil diese wie eine hermetische Abriegelung wirken. Sie verhindern, dass weiterer Schweiß und Feuchtigkeit von der Hautoberfläche abdampfen kann. Das wiederum führt zu einer feuchten Kammer, die es zu verhindern gilt. Man müsste mit einer dünnen Creme arbeiten, am besten sogar mit einer Lotion oder einer Schüttelmixtur, in der Zinkoxid enthalten ist, welches die Haut so ein bisschen austrocknet. In diese Mischung kann man auch Kortison einmixen. Das Kortison bewirkt eine Entzündungshemmung und damit eine Besserung. Was auf jeden Fall gilt: Die Sonne in dem angegriffenen Areal die nächsten Tage komplett zu meiden. Bei einem leichten Sonnenbrand reicht vielleicht sogar eine ganz dünne Pflegecreme – am besten eine hydratisierende, also eine, in der viel Wasser drin ist.
Was ist denn mit den guten, alten Hausmittelchen wie Quark oder Joghurt?
Das ist gar nicht mal so verkehrt. Wenn Sie Quark auf die Haut auftragen, führt das letztendlich zu einer leichten Austrocknung. Man kann auch Zahnpasta nehmen, wobei Sie mittlerweile kaum noch wirkliche Pasten kriegen, sondern nur noch Zahncremes und -gele.
Ehrlich gesagt kann ich mir etwas Schöneres vorstellen, als meinen Körper mit Zahnpasta einzuschmieren.
Das ist logisch. Wie gesagt, am einfachsten ist es, eine Zinkschüttelmixtur zu benutzen.

Dr. Rainer Sempell (46) ist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Medizinisch-Dermatologische Kosmetologie und Allergologie. Er ist mit einer Hautarztpraxis in Itzehoe niedergelassen.

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