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Lungenkrankheiten : Wenn die Lunge entzündet ist

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Auf Medikamente angewiesen: Sieben Millionen Deutsche haben die Lungenkrankheit COPD. Einer von ihnen ist Wilfried Doll, der sich für andere Betroffene einsetzt.

Jevenstedt | Wann seine Erkrankung begonnen hat, weiß Wilfried Doll genau: "Mit der ersten Zigarette im Alter von 13 Jahren. Damals habe ich mir über eventuelle Folgen keine Gedanken gemacht. Irgendwann wurde das Rauchen zur Gewohnheit und ich rauchte bis zu drei Schachteln am Tag." Der 57-Jährige aus Jevenstedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist an COPD erkrankt. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich der englische Begriff chronic obstructive pulmonary disease, auf Deutsch: chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung der Lunge, die durch entzündete und dauerhaft verengte Atemwege entsteht. Die Verengung führt zu Husten mit Schleimauswurf und Atemnot. Die Krankheit besteht ein Leben lang und kann nur hinsichtlich ihres Schweregrades behandelt werden. Erreicht die Entzündung der Atemwege auch die Lungenbläschen, entwickelt sich ein Lungenemphysem, eine krankhafte Überblähung der Lunge, die zur Zerstörung der Lungenbläschen führen kann. Eine Einschränkung der Atemfunktion und eine mögliche Schädigung anderer Organe sind die Folgen.

Erhöhte Lebenserwartung ohne Zigaretten

"COPD wird als übergeordnete Bezeichnung für die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem verwendet, die beide auch parallel auftreten können", erklärt der 57-Jährige. Als Doll 40 Jahre alt wird, merkt er, dass das Rauchen langsam schleichend seinen Tribut fordert. Körperliche Tätigkeiten, wie Gartenarbeiten, fallen ihm zunehmend schwer, seine Ausdauer lässt spürbar nach. "Ich schnappte bei jeder Anstrengung nach Luft, schob das aber alles auf mein Alter, obwohl mich mittlerweile ein lästiger Raucherhusten quälte".

Am 1. Juni 2003 leidet Doll plötzlich unter schwerer Atemnot. Ein Rettungswagen bringt ihn ins nächste Krankenhaus. Das Erstgespräch mit der aufnehmenden Ärztin rüttelt den Kettenraucher wach. "Die Ärztin sagte mir klipp und klar, dass mein Sargdeckel bald zuklappen würde, wenn ich weiter rauche. Wenn ich sofort aufhöre, hätte ich noch 30 Jahre." Doll entschließt sich, keine einzige Zigarette mehr anzurühren. "Das ist jetzt neun Jahre, neun Monate und neun Tage her", rechnet er vor und ergänzt: "Ich bin stolz auf jede nicht gerauchte Zigarette".

Arztbesuche sind zur Regelmäßigkeit geworden

Im Krankenhaus wird Doll zunächst gründlich durchgecheckt. Eine Lungenfunktionsprüfung wird durchgeführt, er wird geröntgt und erhält einige Zeit Sauerstoff zur Belüftung der Bronchien. Schnell steht die Diagnose COPD fest. Um sie bestmöglich zu behandeln, unterteilt man sie in vier Stadien, die anzeigen, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Doll hat das Stadium zwei erreicht, eine mittelschwere COPD. 14 Tage bleibt er im Krankenhaus. Danach geht er für vier Wochen zur Anschlussheilbehandlung in eine Rehaklinik. Hier wird er auf Medikamente eingestellt, die seine Bronchien erweitern.

"Bis heute benötige ich keine zusätzliche Sauerstofftherapie. Ich bekomme gut Luft. Alle drei Monate gehe ich zum Lungenfacharzt, der meine Sauerstoffsättigung im Blut kontrolliert. Vom Hausarzt lasse ich mich regelmäßig gegen Grippe impfen, um eine Verschlimmerung meiner Erkrankung durch Infekte zu vermeiden", erzählt er. Dolls Leben hat sich seit der Diagnose COPD verändert. "Ich bin zu 70 Prozent schwerbehindert, meine Belastbarkeit ist reduziert, Laufen und Treppensteigen fällt mir schwer und ich reagiere sehr empfindlich auf Rauch".

Ein positives Leben ist möglich

Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen blickt Doll hoffnungsvoll nach vorn. Er freut sich, körperlich so fit zu sein, dass er in Vollzeit als Pförtner arbeiten kann. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich für andere COPD-Betroffene und deren Angehörige. Er ist Mitbegründer und Leiter einer Selbsthilfegruppe, die sich einmal im Monat in Büdelsdorf trifft. Bei den Zusammenkünften tauschen sich die Mitglieder über ihre Krankheit, Probleme, Ängste und Sorgen aus und geben Erfahrungen und erworbenes Wissen untereinander weiter.

Bundesweit gibt es unter der Schirmherrschaft des Schlagersängers Roland Kaiser, der selbst Betroffener war, knapp 60 Lungenemphysem-COPD-Selbsthilfegruppen, die durch Mailinglisten miteinander vernetzt sind. Betroffenen möchte Wilfried Doll Folgendes mit auf den Weg geben: "Sich hinzusetzen und in Selbstmitleid zu verfallen, bringt nichts. Mit einem guten Verständnis für die Erkrankung und der richtigen Behandlung können wir COPD-Erkrankte ein aktives und erfülltes Leben führen. Wichtig ist allerdings, konsequent mit dem Rauchen aufzuhören."

Regionale Selbsthilfegruppe

Die Selbsthilfegruppe Lungenemphysem-COPD, Region Schleswig-Holstein-Rendsburg, trifft sich an jedem ersten Sonnabend im Monat um 14 Uhr in der Seniorenwohnanlage Am Park, Am Park 1 (Pavillon), 24782 Büdelsdorf. Infos bei Wilfried Doll unter Tel. 04337/913535. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere regional aktive Gruppen und Infos unter:

www.lungenemphysem-copd.de

www.copd-deutschland.de

www.copd-aktuell.de

www.patientenliga-atemwegserkrankungen.de

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erstellt am 18.Mär.2013 | 10:25 Uhr

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