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Wechseljahre : Wenn das Leben sich wandelt

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Zwei Drittel der Frauen durchleben die Wechseljahre mit psychischen und körperlichen Beschwerden. Doch es gibt eine risikoarme Behandlung.

Gesund und fit durch die Wechseljahre - das sollte für Frauen heutzutage eigentlich selbstverständlich sein. Bei rund zwei Dritteln jedoch verläuft diese Lebensphase mit psychischen und körperlichen Beschwerden, die lange andauern und oft sehr ausgeprägt sein können. Eine Hormonersatztherapie lehnen viele Frauen ab. Dabei gibt es hier durchaus Wege und Möglichkeiten für eine gesunde und risikoarme Behandlung: mit sogenannten körperidentischen Hormonen.

Es war im Jahr 2002 als die Womens Health Initiative eine Studie zur Hormon-Ersatztherapie in den Wechseljahren vorzeitig beenden musste. Bei den Probandinnen traten wider Erwarten zu viele risikobehaftete Nebenwirkungen auf. Seitdem ist das Thema "Hormoneinnahme in den Wechseljahren" in den Medien, in der Meinung der Öffentlichkeit und somit auch bei den Frauen überwiegend negativ besetzt. Das ist zunächst verständlich, denn die nachfolgenden Berichterstattungen sorgten für viel Verwirrung und Verunsicherung über eine Methode, die zuvor als Standardbehandlung bei Beschwerden eingesetzt wurde.

Beschwerden können Jahre andauern

Ein Dilemma für Frauen, die unter den vielfältigen, teils extremen Auswirkungen des klimakterischen Hormonrückgangs leiden und deren Lebensqualität dadurch oft eingeschränkt ist. Die Bandbreite der Beschwerden ist groß. Am bekanntesten sind wohl Hitzewallungen, begleitet von heftigen Schweißausbrüchen. Nicht weniger belastend sind schlaflose Nächte, Haarausfall, Gewichtszunahme, Knochen- und Muskelschmerzen, Herz-Kreislaufprobleme, Gelenksteifigkeit, starke Blutungen, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Gedächtnisstörungen und Trockenheit der Schleimhäute. Mal sind diese gesundheitlichen und psychischen Probleme nur vorübergehend und leicht ausgeprägt, manchmal jedoch unerträglich und über viele Jahre, sogar Jahrzehnte andauernd.

Viele Frauen sagen in dieser Zeit "Ich bin nicht mehr ich selber" oder auch "Ich halte das alles nicht mehr aus!" Was also tun? Augen zu und durch? Mit Psychopharmaka beruhigen? Salbeitee trinken und abwarten? Oder wie eine verzweifelte Frau in einem Internetforum schreibt: "Soll ich mich denn die nächsten fünf bis zehn Jahre unter der Bettdecke verkriechen?" Dabei wollen Frauen selbstverständlich auch in mittleren Jahren gesund und aktiv das Leben meistern, den Herausforderungen von Beruf und Familie gewachsen sein. Hat eine betroffene Frau also nur die Wahl zwischen zwei Übeln: Künstliche Hormone einnehmen mit dem Risiko schwerer Nebenwirkungen oder jahrelang unter den Wechseljahren und deren Folgen leiden?

Negative Folgen von Hormontherapien

Hier aber lohnt es sich genauer hinzusehen und zu hinterfragen, ob eine Hormonersatz-Therapie (HET) wirklich zwingend mit gesundheitlichen Risiken behaftet sein muss. Oder ob es nicht doch schonendere und wirksamere Möglichkeiten gibt, um die psychischen und körperlichen Beschwerden in und nach den Wechseljahren zu mindern. Nicht zuletzt auch in Hinblick auf Folgeerkrankungen wie Osteoporose oder ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, die ein wechseljahresbedingter Hormonmangel hervorrufen kann.

Unterschätzt wird oft, dass die körpereigenen Sexualhormone auch nach dem Erlöschen der Fruchtbarkeit für die Gesunderhaltung der Frau notwendig sind. So schützen zum Beispiel weibliche Östrogene unter anderem die Herzgesundheit und regulieren den Fettstoffwechsel. Progesteron unterstützt die Schilddrüsenfunktion, sorgt für gesunden Schlaf und ist ein natürliches Anti-Depressivum.

Beschwerdefrei mit körperidentischen Hormonen

Was noch wenigen Frauen bekannt ist: Deutlich verträglicher, risikoärmer und somit gesünder ist eine HET mit natur- oder körperidentischen Hormonen. Um deren Wirkprofil und Vorteile zu begreifen, ist folgende Unterscheidung ganz wichtig: Die molekulare Struktur dieser Hormone gleicht genau denen der körpereigenen Hormone. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes identisch. Künstliche Hormone hingegen, wie sie zum Beispiel in der "Pille" oder als Gestagene in bestimmten Wechseljahrespräparaten vorkommen, sind körperfremde Stoffe, die mit den natürlichen Hormonen im Körper einer Frau wenig bis gar nichts gemeinsam haben. Ihre Molekularstruktur weicht erheblich vom weiblichen Progesteron oder Östrogen ab.

Ein Präparat mit naturidentischen Hormonen hingegen wird von den Rezeptoren des Körpers als "echt" erkannt und somit ideal und nebenwirkungsarm verstoffwechselt. Der Progesteron- oder Östrogenspiegel im weiblichen Körper kann somit auf möglichst natürliche Weise wieder auf einen beschwerdefreien Level angehoben werden. Körperidentische Hormone werden meist aus pflanzlichem Diosgenin gewonnen, das in der Yamswurzel, in Sojabohnen und sogar in Fenchel vorkommt. Das Diosgenin, eine Art pflanzliche Hormonvorstufe, wird in mehreren Syntheseschritten dann in jenes Hormon umgewandelt, das dem des Frauenkörpers biochemisch genau gleicht.

Erhöhtes Brustkrebs-Risiko durch künstliche Präparate

Ein künstliches Gestagen oder Östrogen kann zwar ebenfalls positiv auf Wechseljahresbeschwerden wirken, allerdings nimmt es keinerlei Einfluss auf den weiblichen Hormonspiegel. Misst man bei Frauen, die in den Wechseljahren künstliche Präparate einnehmen, den jeweiligen Hormonspiegel, kann das Ergebnis erschreckend sein: Sie haben dann hormonelle Blutwerte einer Greisin. Während also naturidentische Hormone dem Frauenkörper das fehlende Hormon zurückgeben können, trickst ein künstliches Hormon den Körper aus und täuscht einen "Ersatz" vor, der faktisch gar nicht stattfindet.

Viel gravierender sind jedoch die deutlich höheren Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen von künstlichen Hormonen. Heute weiß man, dass es wohl maßgeblich diese Form der Gestagene war, die das erhöhte Risiko für Brustkrebs und kardio-vaskuläre Erkrankungen in den besagten Studien und bei behandelten Patientinnen verursacht hat. Ferner geht man davon aus, dass den Frauen gleichzeitig auch zu hoch dosiertes Östrogen verabreicht wurde.

Gute Gründe sprechen also dafür, dass Ärzte und Patientinnen mit Wechseljahresbeschwerden die deutlich risikoärmere Behandlung mit körperidentischen Hormonen als Alternative in Betracht ziehen sollten. Anders als in Frankreich oder den USA ist diese Form der HET hierzulande nicht sehr verbreitet; vielmehr gehört das Schema mit künstlichen Hormonen oft noch zur Standardbehandlung. Relativ wenige Ärzte haben profunde Kenntnisse über körperidentische Hormone, manchen ist diese Methode sogar unbekannt. So kann es sein, dass Frauen, die ihren Arzt auf die HET mit naturidentischen Hormonen ansprechen mit Unsicherheit oder Ablehnung rechnen müssen.

Thrombosegefahr nicht erhöht

Inzwischen haben jedoch eine Reihe von Studien und Untersuchungen zu körperidentischen Hormonen stattgefunden, die aufzeigen, dass die richtige Anwendung von über die Haut verabreichtem Östrogen in Kombination mit Progesteron das Risiko für Brustkrebserkrankungen, Thrombosen oder Schlaganfälle nicht erhöht. Hierzu gehört die französische E3N EPIC-Studie, die acht Jahre an über 70.000 Frauen durchgeführt wurde, die ESTHER-Studie (Estrogen and Thromboembolism Risk) sowie die dänische Beobachtungsstudie DaHoR (Danish Hormone Register).

Dr. Alexander Römmler vom Hormonzentrum München nimmt in seinem Buch "Die Wahrheit über Hormone" zu den Ergebnissen dieser und anderen Studien Stellung. In Bezug auf transdermal verabreichtes Östrogen kommt er zu dem Schluss: "Die Auswertung spezieller Studien in Frankreich und Großbritannien belegt, dass bei der transdermalen Östrogenaufnahme und natürlichem Progesteron die Thrombosegefahr nicht erhöht ist." Der Facharzt für Gynäkologie stellt weiterhin fest: "Die Kombination mit dem natürlichen Progesteron erhöht nicht das Brustkrebsrisiko".

Regelmäßige Messungen des Hormonspiegels sind sinnvoll

Als entscheidend hat sich demnach die transdermale Verabreichung der Hormone erwiesen, insbesondere bei der Substitution von Östrogen. Wird das körperidentische Östrogen als Gel oder Creme über die Haut aufgetragen, kann die Dosierung deutlich geringer und individueller erfolgen. Bei dieser Anwendung des Östrogens wird der sogenannte "First-Pass-Effect" in der Leber, der sonst bei oraler Einnahme stattfindet, umgangen. Weitere erfreuliche Folge ist: Das Hormon kann entsprechend weniger gefäßbelastend und somit nebenwirkungsarm verstoffwechselt werden.

Sind körperidentische Hormone auch deutlich risikoärmer, sollte eine HET dennoch unter ärztlicher Begleitung stattfinden. Auch naturidentische Hormonpräparate sind rezept- und apothekenpflichtig. Der behandelnde Arzt sollte das klimakterische Beschwerdebild der Frau ernst nehmen; weitere Untersuchungen, um andere Krankheitsbilder auszuschließen, sind angeraten. Unter der Einnahme sind möglichst regelmäßige Messungen des Hormonspiegels sinnvoll, auch um die jeweilige Hormondosierung kontinuierlich anzupassen. Bei bestimmten familiären oder eigenen Vorerkrankungen ist die ärztliche Beratung und die Abwägung der Risiko-Nutzen-Relation umso wichtiger.

Betroffenen Frauen sei geraten, sich eigenständig über das Thema natürliche Hormone und deren Einsatzmöglichkeiten in den Wechseljahren zu informieren. Sie sollten darüber hinaus wissen, welche Bedeutung körpereigene Hormone wie Progesteron und Östrogene generell für den eigenen Körper haben und welch wichtigen Einfluss sie auch nach den Wechseljahren auf die Gesundheit haben.

Buchtipps:
Neben verschiedenen Sachbüchern, die auch für den medizinischen Laien sehr anschaulich und verständlich sind, hält auch das Internet zahlreiche Informationen, Expertenforen und hilfreichen Erfahrungsaustausch von und für Frauen bereit.

• Dr. med. Alexander Römmler: "Die Wahrheit über Hormone", Südwest Verlag
• John R. Lee: "Natürliches Progesteron. Ein bemerkenswertes Hormon", Akse Verlag
• Eva Marbach: "Östrogen-Dominanz: Die wahre Ursache für PMS und Wechseljahrsbeschwerden"
• Dr. med. Annelie Scheuernstuhl: "Natürliche Hormontherapie: Alles Wissenswerte über Hormone, die Ihre Gesundheit nebenwirkungsfrei ins Gleichgewicht bringen können", Kamphausen Verlag
• Beth Rosenshein: "Wechseljahre - nein danke! Wie Sie die Menopause risikofrei mit bioidentischen Hormonen vermeiden und rückgängig machen können", VAK-Verlag

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erstellt am 28.Mär.2013 | 04:26 Uhr

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