Elektrokardiogramm : Was sieht der Arzt beim EKG?

Der Sportmediziner Johannes Carstensen und nordisch-gesund-Experte aus Husum erläutert, was man bei dieser Aufzeichnung der Herzaktionsströme sehen kann.

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06. April 2011, 05:02 Uhr

Jeder Patient ab einem gewissen Alter kennt das: In der Praxis wird man mit verschiedenen Stöpseln verkabelt und ein EKG (Elektrokardiogramm) geschrieben. Der Sportmediziner Johannes Carstensen und nordisch-gesund-Experte aus Husum erläutert, was man bei dieser Aufzeichnung der Herzaktionsströme sehen kann. Das EKG ist die wichtigste Basisuntersuchungsmethode des Arztes, wenn ein Patient wegen Schmerzen in der Herzgegend oder mit dem Gefühl von "Herzstolpern oder Herzaussetzern" zu ihm kommt.
Zunächst wird der Arzt den Patienten genau nach seinen Beschwerden befragen, das Herz dann abhören und ein Ruhe-EKG veranlassen. Mit dieser einfachen und an fast jedem Ort einsetzbaren Methode lassen sich vielfältige Aussagen zu Eigenschaften und Erkrankungen des Herzens treffen. So kann der Arzt in den meisten Fällen sehr schnell verschiedene Herzerkrankungen erkennen und vor allem entscheiden, ob es sich um eine ernsthafte Herzerkrankung handelt und sofort Handlungsbedarf besteht oder ob es sich um eine harmlosere Störung handelt.
Ängste nehmen vorm Herzstolpern
Typische Diagnose-Beispiele aus der hausärztlichen Praxis seien hier genannt: Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung, Verkalkung der Herzkranzgefäße, Herzvergrößerung. Bezüglich der meisten Diagnosen liefert das EKG nur Hinweise und darf nicht unabhängig vom klinischen Bild, den geschilderten Beschwerden beurteilt werden. Lediglich bei Störungen des Herzrhythmuses oder der Erregungsleitung kann man aus dem EKG allein meist schon eine klare Diagnose stellen.
Ein typisches und extrem häufiges Beispiel aus der Praxis ist der Fall, dass ein Patient ein Herzstolpern und Herzschlagaussetzer verspürt. Diese werden meist als sehr unangenehm empfunden und erzeugen vielfach Ängste. Mit einem EKG kann man hier sehr schnell Klarheit verschaffen und den Patienten Ängste nehmen.
Man kann ein schwaches, krankes Herz haben - und ein normales EKG
Denn es gibt harmlose Rhythmusstörungen, die oft vegetativ oder stressbedingt sind, ähnlich einem nervösen Magen. Hier ist es wichtig, den Patienten über die Harmlosigkeit aufzuklären. Es handelt sich praktisch um einen "elektrischen Unfug" des Herzens. Ablenkung, Stressreduktion und Ausdauersport sind hier die besten Mittel.
Ist der Arzt sich nicht ganz sicher, veranlasst er ein Langzeit-EKG über 24 Stunden. Dabei wird ein kleines Gerät am Körper getragen, dass 24 Stunden den Herzrhythmus aufzeichnet. Die Auswertung am Computer durch den Arzt ergibt dann die genaue Diagnose sowie ob und wie behandelt werden muss. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass nur die elektrische Aktivität der Herzens gemessen wird. Über ie Leistung des Herzmuskels wird beim Langzeit-EKG nichts ausgesagt: Man kann also ein schwaches, krankes Herz haben und ein normales EKG.
Wie fit ist der Herzmuskel?
Hier ist das Belastungs-EKG eine ganz wichtige Untersuchungsmethode. Auf einem Laufband oder Fahrrad wird bei steigender Belastung ein EKG geschrieben. Hier können meistens Verengungen, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße erkannt werden, besonders wenn gleichzeitig Herzbeschwerden auftreten. Die Folge kann ein Herzinfarkt sein, der unbedingt sofort behandelt werden muss.
Auch ist das Belastungs-EKG eine sichere Methode, um festzustellen, ob Schmerzen in der Herzgegend wirklich vom Herzen kommen, ob sie vegetativ oder gar aus den Muskeln des Brustkorbs und somit harmlos sind.
Besonders zu empfehlen ist diese Methode zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Herzmuskels beziehungsweise der Ausdauerfähigkeit, wenn man nach Jahren wieder Sport treiben möchte. Der Arzt kann so genaue Empfehlungen geben und eventuell sogar bisher unerkannte Gefahren aufdecken, die beim Sport dann zu ernsten Zwischenfällen führen können. Obwohl von den Kassen als Vorsorgeuntersuchung im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung nicht anerkannt, ist das Belastungs-EKG ab einem Alter von 40 Jahren zu empfehlen. Wichtig ist jedoch, dass die Auswertung eines EKG immer in die Hand eines Arztes gehört und nur im Zusammenhang mit den geschilderten Beschwerden des Patienten gedeutet werden kann.

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