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Jahreswechsel : Was sich 2013 für Patienten ändert

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Auf einen Blick: Die deutsche Bevölkerung kann im kommenden Jahr mit zahlreichen Veränderungen im Gesundheitswesen rechnen.

Kiel | Auf die Bürger kommen zum Jahreswechsel zahlreiche Änderungen im Gesundheitswesen zu. Von der Praxisgebühr bishin zu den neuen Beitragsermessungsgrenzen. Hier folgen die wichtigsten Erneuerungen im Überblick:

Praxisgebühr entfällt

Zum 1. Januar 2013 ist es soweit: Neun Jahre nach ihrer Einführung wird die Praxisgebühr wieder abgeschafft. Die Erwartung, die Gebühr könne die Zahl der Arztbesuche reduzieren, erfüllte sich nicht. Somit entfällt die vierteljährliche Zuzahlung von zehn Euro, die Kassenpatienten bei Arzt- und Zahnarztbesuchen bisher entrichten mussten. Die gesetzlich Versicherten werden dadurch um knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr entlastet. Die Krankenkassen sollen für den Ausfall Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhalten.

Neuregelungen Pflegeversicherung

Der Beitragssatz für die Pflegeversicherung steigt zum 1. Januar 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent, bei Kinderlosen auf 2,3 Prozent. Mit den Mehreinnahmen von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro pro Jahr sollen weitere Leistungen für Pflegebedürftige finanziert werden (Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz).
Hierzu gehört auch die Einführung der Pflegestufe 0. Versicherte mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die in keiner Pflegestufe sind, haben nun auch Anspruch auf Pflegegeld (120 Euro) oder Pflege-Sachleistungen (225 Euro). Auch in den Pflegestufen I und II gibt es Leistungserhöhungen. Den Abschluss privater Zusatzversicherungen für den Pflegefall fördert der Staat ab 2013 mit einer Zulage von 60 Euro.

Organspendereform

Nach den Vorgaben der neuen "Regelung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz" sollen sich die Menschen in Deutschland künftig stärker mit dem Thema Organspende befassen. Millionen Versicherte ab 16 Jahren werden in den nächsten Monaten von ihrer Krankenkasse per Post informiert, mit einem Organspendeausweis ausgestattet und zu einer Entscheidung aufgefordert.
Auf der Rückseite des Ausweises kann angekreuzt werden, welche Organe gespendet werden sollen. Ebenso möglich ist es, der Entnahme von Organen und Geweben zu widersprechen oder eine entscheidungsbefugte Person zu benennen. Diese Angaben sind freiwillig, Sanktionen sind nicht zu befürchten.

Patientenrechte und Behandlungsfehler

Die Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler liegt bei schätzungsweise 40.000 bis 170.000 Fällen jährlich. Das ab 1. Januar 2013 voraussichtlich in Kraft tretende Patientenrechtegesetz sieht unter anderem vor, dass Ärzte ihre Patienten verständlich und umfassend über Diagnosen und Therapien informieren - auch über Behandlungsfehler. Patienten sind gesondert auf Kosten hinzuweisen, die nicht von den Leistungsträgern übernommen werden (IGeL).
Patientenakten sind vollständig und sorgfältig zu führen, Patienten erhalten ein Recht auf gänzliche und unverzügliche Akteneinsicht. Nicht dokumentierte Therapieschritte gelten künftig vor Gericht als nicht erfolgt. Für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen sollen die Krankenkassen ihre Versicherten unter anderen mit medizinischen Fachgutachten unterstützen.

Unisex-Tarife

Bereits am 21. Dezember traten in allen Versicherungen die sogenannten Unisex-Tarife in Kraft. Die bisherige Unterscheidung nach Geschlechtern bei der Gestaltung der Leistungstarife wurde vom Europäischen Gerichtshof als Diskriminierung beanstandet. Mit den Unisex-Tarifen zahlen Männer und Frauen künftig für die gleiche Versicherung den gleichen Preis. In Folge wird es für Männer bei der Alters- und Berufsunfähigkeitsvorsorge teurer, für Frauen bei Risikoversicherungen.

Neue Beitragsbemessungsgrenzen

Löhne und Gehälter sind im vergangenen Jahr gestiegen. Deshalb ändern sich 2013 die Beitragsbemessungsgrenzen der Kranken- und Rentenversicherung sowie andere Rechengrößen der Sozialversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhöht sich die Versicherungspflichtgrenze gegenüber 2012 (50.850 Euro) auf 52.200 Euro (4.350 Euro/Monat). Wer über diese Pflichtgrenze hinaus verdient, kann sich auch bei einer privaten Krankenversicherung versichern.
Für die Beitragsbemessungsgrenze in der GKV steigen die Werte auf 47.250 Euro (bisher 45.900 Euro) oder 3.937,50 Euro/Monat (bisher 3.825 Euro). Die Beitragsbemessungsgrenze ist das Maximum, bis zu dem in den Sozialversicherungen Beiträge erhoben werden. Der über den Grenzbetrag hinausgehende Teil eines Einkommens ist beitragsfrei.

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erstellt am 27.Dez.2012 | 09:10 Uhr

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