Schwangerschaft : Was hilft gegen die Übelkeit?

Studien zeigen, dass Schwangere mit Übelkeit ein geringeres Risiko für eine Fehlgeburt haben. Foto: dpa
Studien zeigen, dass Schwangere mit Übelkeit ein geringeres Risiko für eine Fehlgeburt haben. Foto: dpa

Meist klingt die Schwangerschaftsübelkeit im vierten Monat ab, doch vorher bereitet sie den werdenden Müttern teils heftige Beschwerden und Sorgen.

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23. Juni 2013, 09:39 Uhr

Eine gute Ernährung ist elementar wichtig für eine gesunde Schwangerschaft und ein gesundes Kind. Gerade während der ersten vierzehn Schwangerschaftswochen ist das jedoch nicht ganz unproblematisch, wenn knapp 80 Prozent der werdenden Mütter unter Übelkeit und häufig auch unter Erbrechen leiden. Wie stark die Beschwerden ausfallen, ist individuell äußerst unterschiedlich - ebenso gibt es kein Patentrezept dafür, was Abhilfe schafft, bestätigt Hebamme Saskia Dahm vom Geburtshaus Flensburg. "Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten eine wirkungsvolle Linderung herbeizuführen, aber nichts Ultimatives."
Oft reicht schon ein eigentlich alltäglicher Geruch und die Schwangere muss sich übergeben. Mache verspüren nur am Morgen ein flaues Gefühl im Magen, anderen verfolgt monatelang von morgens bis abends die Übelkeit. Generell immer wichtig, so schnell wie möglich professionalle Hilfe zu suchen, wenn es mit dem Essen nicht mehr klappen will. "Man sollte mit Unterstützung der Hebamme verschiedene Dinge ausprobieren, um das Richtige für sich zu finden," rät Saskia Dahm.

Schon vor dem Aufstehen etwas zu sich nehmen

Werdende Mütter sollten in der Phase nur Dinge essen, die ihnen bekömmlich sind und dabei gegebenenfalls auf alte Gewohnheiten verzichten. Wichtig ist in erster Linie die regelmäßige Nahrungs- und Getränkeaufnahme - es muss nicht immer viel sein. Eine eher fein dosierte Aufnahme geschmacks- und geruchsneutraler Speisen eignet sich am Besten. Aprikosen bieten sich an, da sie calium- und eisenhaltig und zudem bekömmlich sind. Der Blutzuckerspiegel sollte so konstant wie möglich gehalten werden.
Der Partner kann auch seinen Beitrag zum Wohlbefinden leisten, indem er dafür sorgt, dass an mehreren Plätzen im Wohnbereich ein paar Knabbereien, wie zum Beispiel Zwieback oder Vollkornkekse vorhanden sind. Trotz Appetitlosigkeit fällt der Griff zum Essen dann etwas leichter. "Ich empfehle bereits morgens vor dem Aufstehen etwas kleines zu essen, zum Beispiel einen Zwieback oder einen Vollkornkeks und danach noch eine Viertelstunde liegen zu bleiben", sagt Saskia Dahm. Vollkorngetreide ist außerordentlich nahrhaft für Fötus und Mutter, denn es deckt den Bedarf an Magnesium, Phosphor und Fluor die für die Skelettbildung des Fötus notwendig sind. Ein weiteres sehr geeignetes Lebensmittel ist Joghurt. Als Faustregel bleibt festzuhalten: Viele Kohlenhydrate, viel Eiweiß, wenig Fett - und viel Geduld. Ausdauer ist wichtig, selbst beim Verzehr eines einfachen Kekses.

Ingwertee und Eiswürfel

Fettige, säurehaltige und würzige Speisen sind werdenden Müttern schon aufgrund der Gerüche ein Gräuel, denn Schwangere haben einen äußerst intensiven Geruchssinn. Der rücksichtsvolle Partner sollte für ein paar Wochen auf Bratgut und dergleichen verzichten, um der Frau unangenehm empfundene Gerüche in und aus der Küche zu ersparen.
Positive Wirkung zeigt bei manchen Schwangeren das Riechen an Zitronen oder eine Aromatherapie mit Zitrusfrucht-Ölen. Dahm empfiehlt frischen Ingwer, der als lauwarmer Tee mit Honig zubereitet wird. Dieser ist für seine beruhigende Wirkung auf den Magen bekannt. An besonders beschwerdereichen Tagen, an denen selbst an das Trinken von stillem Wasser nicht zu denken ist, kann die enorm wichtige Flüssigkeitszufuhr durch das Lutschen von Eiswürfeln gewährleistet werden.

Was tun im Extremfall?

Die extreme Form der Schwangerschaftsübelkeit nennt sich Hyperemesis gravidarum. Frauen, die sich mehrmals täglich übergeben müssen und nichts aufnehmen oder bei sich behalten können, sollten unbedingt ärztliche Hilfe aufsuchen. In Einzelfällen kommt es gar vor, dass die Betroffene - insbesondere während der Sommermonaten - über Wochen künstlich ernährt werden müssen, um eine drohende Dehydration/ Austrocknung zu verhindern. Lebensbedrohliche Verläufe wie diese kommen glücklicherweise so gut wie nie vor, sagt Saskia Dahm "Wir finden eigentlich in allen Fällen eine Lösung."
Empfohlen wird gerade bei schweren Fällen zunehmend das vegetarische Kuzu, das längst kein alternativer Geheimtipp mehr ist. Das geschmacksneutrale Bindemittel, das aus der wilden Pfeilwurzel gewonnen wird, ist in Reformhäusern und Asia-Läden erhältlich. Vermengt mit Birnensaft lässt sich aus Kuzu eine eingedickte Flüssigkeit zubereiten, deren beruhigende Wirkung auf Magen und Darm sich in vielen Fällen bewährt hat.
Für schwerwiegende Verläufe bieten diverse Geburtshäuser in Schleswig-Holstein auch Hilfe aus der traditionellen chinesischen Medizin an. Studien belegen seit langem, dass Akupunktur insbesondere die Morgenübelkeit in der frühen Schwangerschaftsphase lindern kann. Das kann auch die auf Akupunktur spezialisierte Saskia Dahm bestätigen, wenngleich auch hier gilt: "Nichts hilft sicher, alles ist individuell."

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