Phänomen : Warum sind Wörter mit verutaschetn Buhsctaben lesbar?

... vorausgesetzt, der erste und der letzte Buchstabe bleiben an ihrer Position. Ein Psychologie-Professor der Kieler Universität erklärt das Phänomen.

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07. April 2010, 06:02 Uhr

Nach eienr Stidue der Uinverstiät Cmabridge ist es eagl, in wlehcer Reiehnfogle die Bchustbaen in Wöretrn vokrmomen."
Dieser Satz machte vor Jahren im Internet die Runde. Als unsere Zeitung damals einen kompletten Beitrag mit vertauschten Buchstaben veröffentlichte, standen in der Redaktion die Telefone nicht mehr still. Viele Leser waren fasziniert und verwundert zugleich: Dazu ist mein Gehirn in der Lage?! Warum kann fast jeder einen Satz flüssig lesen, selbst wenn in kaum einem Wort die Buchstabenreihenfolge korrekt ist? Warum also?
Die Antwort weiß Prof. Dr. Rainer Mausfeld vom Institut für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. "Sprache ist hinsichtlich der Bedeutung der Wörter hochgradig redundant aufgebaut", erklärt Mausfeld. Redundanz (lateinisch: redundare "im Überfluss vorhanden sein") bedeutet, dass etwas öfter vorhanden ist als eigentlich nötig. Beispiel: Wer nur die Bruchstücke A.g.la M.rk.l vor Augen hat, weiß in der Regel sofort, dass Angela Merkel gemeint ist - und erst recht dann, wenn es sich im Text um Politik und die Bundeskanzlerin dreht. "Bezieht man den Kontext mit ein, genügt schon ein Fragment eines Wortes, um seine Bedeutung zu identifizieren", sagt Mausfeld.
"Wir haben eine große Routine in der Identifikation der Wortbedeutung"
Diese Leistung werde noch durch die Tatsache verbessert, dass Schrift- und Wortsprache durch den täglichen Gebrauch hochgradig "überlernt" seien, fügt der Kieler Psychologie-Professor hinzu. "Wir haben eine große Routine in der Identifikation der Wortbedeutung auch unter ungünstigsten Wahrnehmungsbedingungen erlangt." Das erkläre, warum das "Buchstabensalat"-Phänomen in Sprachen, die wir nur schlecht beherrschen, nur schwach oder gar nicht mehr vorhanden sei - etwa wenn man entsprechende Beispiele aus dem Englischen oder Französischen zu lesen versucht.
Vereinfacht ausgedrückt: Das menschliche Gehirn lebt von der Erfahrung. Um Zeit zu sparen, achtet es beim Lesen nicht auf jeden einzelnen Buchstaben, sondern nimmt das Wort als Ganzes wahr.
Ein Satz bleibt mühelos verständlich, auch wenn er etwas holprig klingt
Gleiches gilt für den autitiv-phonetischen Bereich, erklärt Mausfeld. "Wenn man aus einem gesprochenen Satz elektronisch jedes zweite Segment von einer Sechstel Sekunde herausschneidet, so dass insgesamt 50 Prozent des Satzes fehlen, so bleibt der Satz mühelos verständlich, auch wenn er etwas holprig klingt." Auch hier liegt die Erklärung laut Mausfeld wieder in der Verbindung von hoher Redundanz hinsichtlich der Wortbedeutung und einem "Überlernen".
Und so bliebt acuh das Edne disees Ariktels für die mteisen Lseriennen und Leesr prbleomlos verstänldich, owobhl in kuam eienm Wrot die Buchtabsen an der rgichtien Setlle steehn. Man bruchat nur ein weing mher Zeit, um bis zum lettzen Staz zu kmomen. Aber nun haebn Sie es ja gescahfft.

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