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Im Interview : Vorsorge auch im Schulalter wichtig

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Kinderärztin Dr. Hermeler verrät, wie sinnvoll das Wahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen für Kinder auch über dem Kleinkindalter ist.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 07:49 Uhr

Eckernförde | Ob die Entwicklung eines Kindes normal verläuft, das wird bei Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig beobachtet. Insgesamt 14 Termine empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte von der Geburt bis zum 16. Lebensjahr. Elf davon werden von allen Krankenkassen übernommen (U1 bis U9 und J1). Mit Ausnahme von J1 sind sie in dem gelben Vorsorgeheft aufgeführt, das Eltern nach der Geburt ihres Kindes im Klinikum erhalten.
Die 2006 eingeführten Termine (U10, U11 und J2) sind in einem grünen Checkheft vermerkt, das bei den Kinderärzten erhältlich ist. Noch nicht alle Kassen bezahlen diese Untersuchungen, die aber laut Dr. Dagmar Hermeler besonders wichtig sind. Im Interview klärt die Eckernförder Kinderärztin über Sinn und Zweck der Vorsorge auf.

Warum sind die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder so wichtig?


Dagmar Hermeler: Der Großteil der Vorsorgeuntersuchungen findet im Zeitraum nach der Geburt bis zum fünften Lebensjahr statt. Die Termine folgen sehr eng aufeinander, weil sich in der motorischen, sprachlichen und sozialen Entwicklung der Kinder sehr viel tut. Man möchte rechtzeitig schauen, ob die Entwicklung altersgerecht verläuft, um dann gegebenenfalls die Kinder mit Therapien zu fördern. Kindergarten, Schule und weitere Bildungswege sind dabei im Blick.

Worum geht es bei den Terminen?


Bei den Vorsorgeuntersuchungen geht es zunächst um Prävention. Es soll also nicht nur festgestellt werden, welche Krankheiten Kinder haben, sondern insbesondere auch aufgeklärt werden, wie gewisse Dinge verhindert werden können. Primär geht es um Sprache und Motorik. Sprachentwicklungsstörungen sind bei den Vorsorgeuntersuchungen rechtzeitig zu erkennen, weil sonst die Kommunikation im Kindergarten schon schwierig werden könnte. Aber auch richtige Ernährung und Übergewicht, Impfungen oder Allergien spielen eine Rolle.

Was ist nach dem fünften Lebensjahr und im Jugendalter?


Früher war nach dem fünften Lebensjahr zunächst einmal Schluss mit den Vorsorgeuntersuchungen. Wir Kinderärzte haben jedoch festgestellt, dass man die Kinder weiter begleiten muss. Daher wurden weitere Vorsorgen im siebten/achten und neunten/zehnten Lebensjahr entwickelt. Diese Schülervorsorgen sind besonders wichtig, um Lernschwierigkeiten aufzudecken.

Worauf liegt denn bei den Untersuchungen im Jugendalter das Hauptaugenmerk?


Im Jugendalter ist zu schauen, ob soziale Verhaltensauffälligkeiten da sind.

Wie sieht es aus mit dem Gebrauch von Suchtmitteln, Zigaretten, Alkohol?


Es geht um Unfallprävention zur Vermeidung von Unfällen durch riskantes Verhalten. Es sollen aber auch schon erste Gesundheitsstörungen erkannt werden, wie zum Beispiel die Volkskrankheit Rückenschmerzen. Und dann soll die J2 auch beratend bei der Berufswahl leiten und aufzeigen, welche Tätigkeit bei Vorerkrankungen günstiger oder ungünstiger ist.

Wie können Eltern sicherstellen, dass sie mit ihren Kindern keinen Termin verpassen?


Bis zur U9 ist ein Einladungssystem von staatlicher Seite in Schleswig-Holstein etabliert. Es hängen auch Plakate bei den Kinderärzten aus beziehungsweise der Kinderarzt informiert. Bei der Krankenkasse kann man nachfragen, gerade auch wie das mit der Kostenübernahme für die weiteren Vorsorgen ist.
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