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Ernährung & Gesundheit

21. August 2017 | 04:32 Uhr

Vorsicht bei Blutverdünnern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gerinnungshemmende Medikamente beugen Thrombosen vor – doch vielen Patienten sind die Risiken nicht bewusst

Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Lungenembolie gehören zu den häufigsten Todesursachen. Auslöser sind Blutgerinnsel, die die Adern verstopfen und eine Versorgung des Organs mit Sauer- und Nährstoffen verhindern. Um das Risiko solcher Thrombosen zu senken, werden in Deutschland jedes Jahr rund 19 Millionen Rezepte für gerinnungshemmende Medikamente – im Volksmund Blutverdünner – ausgestellt. Doch die Einnahme ist nicht ohne Risiko: Im schlimmsten Fall kann es zu unstillbaren Blutungen kommen. Und: Vielen Patienten seien Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder auch Lebensmitteln nicht bekannt, warnt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD).

Der älteste und bekannteste Gerinnungshemmer ist Phenprocoumon, besser bekannt unter dem Markennamen Marcumar. Eingenommen wird es vor allem von Patienten mit Vorhofflimmern, die durch die Herzrhythmusstörung ein hohes Schlaganfall-Risiko haben, sowie bei tiefen Beinvenenthrombosen. „Das Medikament hemmt die Wirkung des Vitamin K in der Leber und verhindert damit die Bildung von Faktoren, die für die Blutgerinnung notwendig sind“, erklärt Prof. Dr. Ingolf Cascorbi, Direktor des Instituts für Pharmakologie an der Kieler Uni-Klinik. „Die Blutgerinnung wird dadurch verlangsamt.“ Problematisch seien die zahlreichen Wechselwirkungen: „Verschiedene Antibiotika oder Herz-Kreislauf-Mittel sowie Grapefruitsaft können die Wirkung von Marcumar verstärken beziehungsweise seinen Abbau im Körper hemmen. Johanniskraut dagegen vermindert die Wirkung.“

Vitamin-K-reiche Lebensmittel wie Leber, Spinat, Brokkoli oder verschiedene Kohlsorten vom Speiseplan zu streichen, ist dagegen nicht notwendig. Statt darauf zu verzichten, sollten Patienten besser im Lauf der Tage möglichst ähnliche Mengen des Vitamins aufnehmen, um größere Schwankungen der Blutgerinnung zu vermeiden, rät die Deutsche Herzstiftung.

Damit es nicht zu Blutungen oder Gerinnseln kommt, muss die Marcumar-Therapie regelmäßig kontrolliert werden: Der Arzt oder der Patient selbst überprüft den Gerinnungswert (INR-Wert) des Blutes – möglichst wöchentlich – und passt die Medikamentendosis unter Umständen entsprechend an.

Neue Gerinnungshemmer, die seit wenigen Jahren zur Verfügung stehen, machen vielen Patienten Hoffnung auf eine bessere Therapie. Die Wirkstoffe Dabigatran (Handelsname Pradaxa), Apixaban (Eliquis) und Rivaroxaban (Xarelto) setzen direkt an den Gerinnungsfaktoren an – „und bieten darum vor allem den Vorteil, dass ihre Wirkung weniger starken Schwankungen unterworfen und besser steuerbar ist“, sagt Cascorbi. Bei den meisten Patienten sind darum keine ständigen Kontrollen mehr notwendig. Anders sieht es jedoch bei Menschen mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion aus: Bei ihnen muss die Dosis überprüft und unter Umständen angepasst werden. Das gleiche gilt, wenn andere Medikamente gewechselt werden. Lebensmittel beeinflussen die Wirkung der Tabletten zwar nicht; das Risiko lebensgefährlicher Blutungen besteht aber auch bei ihnen.

Ob die neuen Gerinnungshemmer tatsächlich „besser“ sind, sei ohne Langzeitstudien noch nicht endgültig zu bewerten, sagt Ingolf Cascorbi. Und für wen es sich lohne „umzusteigen“, müsse der behandelnde Arzt individuell entscheiden.

Prof. Joachim Röther, Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, rät Menschen, die mit Marcumar gut zurechtkommen, „nicht ohne guten Grund die Therapie zu wechseln“. Diejenigen aber, bei denen erstmals eine Blutverdünnung erforderlich werde, sollten im Regelfall mit dem neuen Medikament eingestellt werden. „Da viele Patienten unter Marcumar nicht die gewünschte Blutverdünnung erzielten, sind die neuen Medikamente die sicherere und wirksamere Alternative.“

Der freiverkäufliche Klassiker unter den Blutverdünnern ist die Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin). Der Wirkstoff reduziert die Verklumpungsneigung der Blutplättchen und damit das Risiko, dass Blutgefäße verstopfen. In der Hoffnung, sich vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu schützen, schlucken nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung mittlerweile auch viele tausend gesunde Menschen regelmäßig ASS. Experten warnen jedoch vor dieser „unkritischen“ Einnahme. Die reduziere zwar das Risiko – doch sei der Nutzen bei Gesunden so gering, dass die Gefahr von Nebenwirkungen wie Blutungen im Magen-Darm-Bereich oder Gehirn überwiege. „Hat ein Mensch kein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist von einer regelmäßigen ASS-Einnahme abzuraten, soweit keine anderen Erkrankungen die Gabe von ASS erforderlich machen“, warnt Prof. Dr. Helmut Gohlke vom Vorstand der Herzstiftung.

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erstellt am 01.Okt.2014 | 12:10 Uhr

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