Motivation ist wichtig : Vor dem Laufen zur Gymnastik

Hauke Mommsen im Einsatz als Arzt der SG Flensburg-Handewitt.
Hauke Mommsen im Einsatz als Arzt der SG Flensburg-Handewitt.

Wohl jeder fühlt sich nach der Bewegung besser als vorher. Warum ist es dennoch so schwer, sich zur Aktivität aufzuraffen?

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07. April 2010, 06:01 Uhr

"Weil unser Kopf nie um Ausreden verlegen ist - daran hat auch intensive Motivationsforschung nichts geändert", sagt Hauke Mommsen, Leiter des Fachbereichs Sportmedizin an der Akademie Damp, Physiotherapie-Dozent an der Fachhochschule Kiel und langjährige Chef- und Vertrauensarzt der Handballprofis der SG Flensburg-Handewitt. Er geht die Bewegungsarmut deshalb nicht pauschal von oben, sondern von ganz unten an: "Jeder muss seinen Weg, seine Motivation finden." Vernunftmenschen könne man mit klaren Argumenten, Pragmatiker mit Schrittzählern, emotional geprägte Menschen mit Leidenschaft in Bewegung bringen.
Für alle gilt es, den größten und demotivierendsten Fehler zu vermeiden - sich unrealistische Ziele zu setzen. Nach einigen Wintermonaten auf dem Sofa ab in die Sportschuhe und loslaufen? "Das klappt höchstens fünf Minuten", betont der bundesweit gefragte Bewegungs-Dozent. Die Stärkung der Rumpfmuskulatur durch Gymnastik und behutsames Krafttraining, dazu schonendere Bewegungsarten wie Spazieren, Walken oder Radfahren - nur so sei für Untrainierte der erfolgreiche Einstieg ins Laufen möglich.
Wer den Einstieg gemeistert hat, sollte maßgeschneiderte Schuhe kaufen
"Es kommt auch nicht darauf an, 15 oder 50 Minuten zu laufen - wichtig und gesundheitsfördernd ist, sich beim Bewegen wohl zu fühlen", sagt Mommsen. Eine teure Ausrüstung hält er am Anfang für überflüssig. Wer den Einstieg erfolgreich gemeistert hat und sich ehrgeizigere Ziele steckt, sollte sich maßgeschneiderte Schuhe gönnen.
Wichtiger als einmal pro Woche zwei Stunden im Fitness-Studio Eisen zu stemmen, ist laut Mommsen die Integration der Bewegung in den Alltag. "Wer von meinen Studenten Fahrstuhl fährt, bekommt eine Extra-Aufgabe." Viele Wege zu Fuß erledigen, mit dem Hund spazieren, der Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen und mehrere kürzere Laufeinheiten pro Woche - "das ist viel effektiver als ein Kraftakt am Wochenende."
"Die Kraft holt man sich in den Ruhepausen"
Wichtig ist auch die Balance zwischen Bewegung und Entspannung. "Die Kraft holt man sich in den Ruhepausen", betont der Arzt. Einen Marathon oder einen Langdistanz-Triathlon bezeichnet Mommsen für Hobbysportler als "Abenteuer". Leistungssport sei eben generell ungesund.
Macht es dennoch Spaß, gleich eine ganze Mannschaft von Profisportlern zu betreuen? "Ein Sportmediziner hat andere Schmerzgrenzen." Für das medizinische Team der SG sei es ein Erfolg, dass es schwere Verletzungen nur durch Gegner-Einwirkungen gibt. "Unsere Spieler sind für extreme körperliche Belastungen gut trainiert", betont Mommsen. Ihnen kann er getrost sagen: Geht laufen!

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