Auf den Zahn gefühlt : Von Karies und Zahnseide - sieben Mythen über die Zahnpflege

<p>Nicht nur bei uns Menschen ist die Zahnpflege wichtig. Leider werden die Zähne von Tieren wie beispielsweise Pferden häufig vernachlässigt. Bei ihnen sollte aber genauso viel Wert auf Reinigung und Kontrolle gelegt werden wie bei uns Zweibeinern. </p>

Nicht nur bei uns Menschen ist die Zahnpflege wichtig. Leider werden die Zähne von Tieren wie beispielsweise Pferden häufig vernachlässigt. Bei ihnen sollte aber genauso viel Wert auf Reinigung und Kontrolle gelegt werden wie bei uns Zweibeinern.

Ist Karies ansteckend und ab wann ist das Zähneputzen schädlich? Pünktlich zum Tag des Zahnarztes am 6. März werden sieben Mythen rund um das sensible Thema Zähne unter die Lupe genommen.

shz.de von
06. März 2018, 04:12 Uhr

Gesunde Zähne tragen wesentlich für das Wohlbefinden und die persönliche Lebensqualität bei. Aber in gesunde Zähne muss auch viel Arbeit und Zeit gesteckt werden, damit sie auch erhalten bleiben. Da jeder Mensch und damit auch sein eigenes Gebiss jedoch verschieden ist, bedarf es auch einer individuellen Pflege. Dennoch halten sich irreführende Mythen rund um die Zahnpflege hartnäckig und es wird demnach höchste Zeit die Mythen zu entlarven.

1. Mythos: Jeder sollte zwei Minuten lang die Zähne putzen

Falsch, eine pauschale Empfehlung wie diese ist laut Professor Stefan Zimmer von der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) nicht haltbar. Die Länge des Zähneputzens variiert bei jedem Menschen, da die individuelle Situation im Mund einfach unterschiedlich ist: Manche brauchen nur zwei, andere hingegen fünf Minuten, um die Zähne richtig zu reinigen. Hierbei kommt es darauf an, dass die bakterielle Plaque entfernt wird – und das betrifft nicht nur die Innen- und Außenseite sowie die Kauflächen der Zähne. „Bei der Zahnpflege werden gerne die Zahnzwischenräume vergessen“, weiß Professor Zimmer. „Hier können sich Speisereste anlagern und Approximalkaries begünstigen, also Karies an den Berührungsflächen beieinanderstehender Zähne. Dem kann man aber mit Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen, sogenannten Interdentalbürsten, entgegenwirken.“

<p>Nicht nur die reine Putzdauer ist entscheidend: Wichtig ist, dass man die richtige Putztechnik benutzt, die gründlich aber nicht zu kräftig sein sollte.</p>
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Nicht nur die reine Putzdauer ist entscheidend: Wichtig ist, dass man die richtige Putztechnik benutzt, die gründlich aber nicht zu kräftig sein sollte.

 

2. Mythos: Die Art der Zahnbürste ist nicht für den Putzerfolg entscheidend

Das stimmt nicht, denn Zahnbürste ist nicht gleich Zahnbürste. Im Drogeriemarkt findet sich ein breites Spektrum, oft wird aber einfach nach dem Erstbesten gegriffen. Dass das Borstenwerk einen großen Unterschied macht, zeigen Studien: „Bürstenkopfe mit wechselweise angeordneten kürzeren und längeren oder angewinkelten Borsten gelangen besser in Zahnzwischenräume und an den Zahnfleischrand. Gerade diese Stellen sind für Karies und Zahnfleischentzündungen oder sogar eine Parodontitis besonders gefährdet“, erklärt Professor Zimmer. Eine elektrische Zahnbürste bietet zudem die bestmögliche Unterstützung, dennoch putzt sie noch lange nicht von alleine.

<p>Zahnbürsten sollten im Normalfall spätestens nach drei Monaten ausgewechselt werden. Denn die Borsten nutzen beim täglichen Gebrauch ab und verlieren auf Dauer ihre Putz- und Reinigungskraft. </p>
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Zahnbürsten sollten im Normalfall spätestens nach drei Monaten ausgewechselt werden. Denn die Borsten nutzen beim täglichen Gebrauch ab und verlieren auf Dauer ihre Putz- und Reinigungskraft.

 

3. Mythos: Zahnpflege-Kaugummis können die Zahnbürste ersetzen

Nach dem Essen einen Kaugummi kauen und schon bleibt einem das Zähneputzen erspart – so suggeriert es die Werbung. Vor diesem Mythos spricht Professor Zimmer eine deutliche Warnung aus: „Das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis regt zwar den Speichelfluss an und neutralisiert damit Säuren im Mundraum, die für Karies verantwortlich sind. Aber Kaugummis entfernen kaum Plaque, in denen sich unter anderem die kariesverursachenden Bakterien tummeln.“ Der zuckerfreie Kaugummi kann daher die Zahnbürste nicht ersetzen. Ist es zum Beispiel nach Zwischenmahlzeiten gerade nicht möglich, die Zähne zu putzen, kann zuckerfreier Kaugummi, wenn er denn regelmäßig verwendet wird, einen sinnvollen Beitrag zur Zahngesundheit leisten.

<p>Sollte man nach einer reichhaltigen Mahlzeit wie etwa das Mittagessen in der Kantine keine Gelegenheit zum Zähneputzen haben, können Kaugummis ein wenig gegen Säureschäden vorbeugen. Das Zähneputzen ersetzen sie jedoch nicht. </p>
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Sollte man nach einer reichhaltigen Mahlzeit wie etwa das Mittagessen in der Kantine keine Gelegenheit zum Zähneputzen haben, können Kaugummis ein wenig gegen Säureschäden vorbeugen. Das Zähneputzen ersetzen sie jedoch nicht.

 

4. Mythos: Karies ist ansteckend

Richtig ist, dass der Mensch keimfrei zur Welt kommt und auch seine Mundhöhle erst danach von Bakterien besiedelt wird. Dort leben bis zu 1.000 verschiedene Bakterienarten. Einer dieser Keime, der nachweislich Karies verursachen kann, ist Streptokokkus mutans. Von den meisten dieser Bakterienarten ist die genaue Bedeutung größtenteils nicht bekannt, jedoch sind die meisten nützlich für uns. Denn sie gehören zur normalen Mundflora und haben sich dort im Laufe einer langen Evolution etabliert. Das eigentliche Problem ist die Ernährung: Zuckerreiche Nahrung schafft ideale Bedingungen für kariesverursachende Bakterien. Denn durch sie nimmt der Bakterienanteil an der Mundflora zu und so entsteht erst das Problem. „Karies ist also eine ernährungsbedingte Zivilisationskrankheit und keine Infektionskrankheit“, stellt Professor Zimmer richtig.

<p>Eine zuckerreiche Ernährung schafft ideale Bedingung für Karies. </p>
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Eine zuckerreiche Ernährung schafft ideale Bedingung für Karies.

 

5. Mythos: Karies ist bei Milchzähnen nicht so schlimm

„Gesunde Milchzähne sind nicht nur zum Essen wichtig. Sie dienen der Sprachbildung, der Kieferentwicklung, haben eine hohe soziale Bedeutung und dienen als Platzhalter für das bleibende Gebiss“, erklärt Professor Zimmer. Der Zahnmediziner warnt daher davor, die Pflege der Milchzähne zu vernachlässigen und erklärt, welche Mundhygiene wichtig ist: „Sobald die ersten Milchzähnchen durchgebrochen sind, sollten Eltern diese einmal täglich mit einem dünnen Film fluoridhaltiger Kinderzahnpasta putzen. Sie schmeckt nicht zu süß und hat einen reduzierten Fluoridgehalt.“ Dieser liegt bei etwa 500 ppm (engl. parts per million, dt. Anteile pro Million).

Ab dem zweiten Geburtstag empfiehlt der zahnmedizinische Experte, die Milchzähne zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta unter entsprechender Hilfestellung und Kontrolle durch die Eltern zu reinigen. Mit Druchbrechen der ersten bleibenden Zähne ist eine Zahnpasta mit höherem Fluoridgehalt zu verwenden. Spezielle Juniorzahnpasten enthalten ebenso viel Fluorid wie Erwachsenenzahncremes (maximal 1.500 ppm), da diese jedoch einen milderen Geschmack haben, akzeptieren sie Kinder daher meist besser.

<p>Mit dem Erreichen des zweiten Lebensjahres sind bei dem Kind bereits fast alle Milchzähne gewachsen. Sind sie schließlich da, sollten sie alle sechs Monate von einem Zahnarzt kontrolliert werden.</p>
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Mit dem Erreichen des zweiten Lebensjahres sind bei dem Kind bereits fast alle Milchzähne gewachsen. Sind sie schließlich da, sollten sie alle sechs Monate von einem Zahnarzt kontrolliert werden.

 

6. Mythos: Kinder sollen möglichst früh selbst Zähne putzen

Auch das ist nicht richtig. So wie Kinder erst lernen müssen, selbst mit Besteck zu essen, übernehmen auch beim Zähneputzen ersteinmal die Eltern. Im Alter von drei bis sieben Jahren sollten sie spielerisch an die Zahnpflege herangeführt werden, damit die Kinder diese auch langfristig akzeptieren und sich eine Routine entwickeln kann. „Die Eltern sollten das Zähneputzen bis zu einem Alter von etwa acht Jahren überwachen und gegebenenfalls nachputzen“, rät Professor Zimmer. „Denn erst wenn Kinder die Schreibschrift flüssig beherrschen, sind sie motorisch fähig, Zahnputzbewegungen genau auszuführen.“ Als einfach zu lernende Zahnputzmethode eignet sich für Kinder besonders die KAI-Methode. „KAI“ steht dabei für die Reihenfolge, in der die Zähne geputzt werden sollen: Erst die Kauflächen, dann die Außenflächen und zum Schluss die Innenflächen.

<p>Auch Milchzähne sollten richtig gereinigt werden, da sie nicht nur für zum Essen wichtig sind. Bei den nachkommenden, bleibenden Zähnen empfiehlt sich eine Zahnpasta mit höherem Fluoridgehalt.</p>
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Auch Milchzähne sollten richtig gereinigt werden, da sie nicht nur für zum Essen wichtig sind. Bei den nachkommenden, bleibenden Zähnen empfiehlt sich eine Zahnpasta mit höherem Fluoridgehalt.

 

7. Mythos: Fluoride sind für Erwachsene nicht wichtig

Nicht nur eine konsequente Zahnhygiene und eine achtsame Ernährung reichen aus, um Karies zu verhindern. „Wichtig ist auch, dass ausreichend Fluoride zugeführt werden, da diese eine anerkannt hohe Kariesschutzwirkung haben, indem sie den Zahnschmelz für Karies unempfindlicher machen. Dies gilt nicht nur für Kinder mit Milchzähnen, wie häufig vermutet wird“, erklärt Professor Zimmer. Auch Erwachsene sollten fluoridhaltige Zahnpflegemittel, wie Zahnpasten, Spüllösungen und Gelees verwenden, denn diese erzielen auch an bleibenden Zähnen eine lokale Schutzwirkung.

Beim Kochen kann immer Speisesalz mit Fluorid verwendet werden: Dies fördert eine gesunde Zahnentwicklung und eine geringere Kariesanfälligkeit. Fluorid begünstigt zudem den Wiedereinbau von Mineralien in den Zahnschmelz und wirkt damit nicht nur als Schutzschild, sondern auch als Reparaturfaktor bei beginnenden Kariesschäden.

Allerdings sind Fluoride genauso wie andere chemische Zusätze mit Vorsicht zu genießen, denn die Dosis ist entscheidend. Eine übermäßige Zufuhr an Fluorid kann zu brüchigen Knochen, Arthrose und Leberschäden führen. Zahnpasta sollte also so weit es geht nicht runtergeschluckt oder gegessen werden. Jedoch ist die Menge von Fluorid in der Zahnpasta so gering, dass mehrfaches tägliches Zähneputzen kaum eine Gefahr darstellt.

(Mit Material von der Informationsstelle für Kariesprophylaxe)

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