Klare Worte : Verzicht auf Solidarität

Der Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, hält das Gesundheitssystem für nicht mehr finanzierbar und erwartet eine Entsolidarisierung.

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31. Dezember 2012, 09:41 Uhr

Der Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, hält das derzeitige Gesundheitssystem auf Dauer für nicht mehr finanzierbar. "Wir werden auf Solidarität ein Stück weit verzichten müssen", sagte Einhäupl im Interview. Die steigenden Innovationskosten seien langfristig nicht mehr zu bezahlen.
"Eines Tages könnte das dazu führen, dass es zwei verschiedene Klassen von Patienten gibt: Die Menge, die nur die Basisversorgung erhält, und die wenigen, die sich privat eine bessere Versorgung leisten können", fügte der Chef der europaweit größten Klinik hinzu. Entwicklungen, die in der Zahnmedizin schon vollzogen seien, würden vermutlich auch in anderen Bereichen der Medizin unvermeidbar sein.
Nach den Worten Einhäupls droht eine "Entsolidarisierung des Gesundheitssystems". Die Gesellschaft müsse sich deshalb überlegen, wie der Schaden für die Solidarität möglichst gering gehalten werde. "Die Entscheidung, wer was bekommt, darf nicht dem einzelnen Arzt überlassen werden." Das würde das Vertrauensverhältnis zwischen behandelndem Arzt und Patienten sehr belasten. "Wir brauchen von Dritten entwickelte Leitlinien, damit der Arzt nicht in diesen Konflikt kommt."

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